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Walo-Haus, Zürich
Limmatstrasse 73, Zürich

Kategorie:
Wohnen (ab 3 Wohneinheiten)
Fertigstellung:
2019
Gebäudeanzahl:
1
Stockwerke:
5
Untergeschosse:
1
Anzahl Wohnungen:
27
Grundstücksfläche:
668 m²
Geschossfläche:
3748 m²
Gebäudevolumen:
12'561 m³

Hommage an die 50er-Jahre

In der Zürcher Limmatstrasse ersetzte der Baukonzern Walo Bertschinger schweren Herzens sein Stammhaus aus den 1950er-Jahren durch einen Neubau. Das inzwischen seit längerem in Dietikon ansässige Unternehmen entschied sich dabei für den Bau eines fünfgeschossigen Wohnhauses.

Auch wenn der Neubau sich in seinem Charakter als eine Hommage an die 1950er Jahre versteht, findet sich nirgends ein Zitat des Vorgängergebäudes. Tatsächlich tat sich der Baukonzern Walo Bertschinger schwer mit dem Gedanken, das nach dem Umzug nach Dietikon leerstehende und funktionslos gewordene Stammhaus vollends aufzugeben. So wurde zunächst ein Umbau zu einem Mehrparteienwohnhaus favorisiert, dann jedoch aus Kostengründen verworfen. In der Folge lud man einige Architekturbüros zu einem beschränkten Wettbewerb ein. Hier gab der Baukonzern lediglich den Bestandsabriss und eine Wohnnutzung vor, ein dezidiertes Raumprogramm jedoch nicht.

Ambivalenz

Gewonnen hat diesen «Pitch» das Büro Duplex Architekten, geleitet von Anne Kaestle und Dan Schürch. Die Architekten sehen ihren Wettbewerbserfolg in ihrem Hang zur Ästhetik der 1950er Jahre begründet. Auch die Ambivalenz ihres Entwurfs schien dazu beizutragen.

Die dominierenden, horizontalen Brüstungsbänder aus konvex nach innen gewölbten, terrazzoartigen Betonfertigteilen lassen unklar: Ist dies ein Gewerbebau, ein Bürogebäude oder wird darin gewohnt?
Die Planer haben die Standortqualitäten des Ortes sorgsam analysiert und die Potenziale konsequent realisiert. Bewusst spielen sie mit dieser Uneindeutigkeit.
So gibt es zwar kein grosses Panorama, auf das man blicken mag. Gebäudeerker und Loggien ermöglichen es aber, längs der Strassenfluchten zu schauen. Schürch zieht hier den Vergleich zu Küstenlinien: Von einem Kap aus bieten sie einen spannenderen Ausblick als der Blick auf das offene Meer.

Wohnungsmix

Die äussere Gebäudeanlage korrespondiert mit den Wohnungszuschnitten, bei denen die Planer bestrebt waren, ganze Fassadenabschnitte auch innen erlebbar zu machen. So ordneten sie die Zimmerdurchgänge nahe der Aussenwände an, um schlossähnliche Enfiladen zu schaffen. Die 27 Wohneinheiten variieren stark in ihrer Grösse: Die grössten fünf Wohnungen mit 4,5 Zimmern messen 105 Quadratmeter, die vier kleinen 1,5-Zimmer-Studios dagegen nur 28 Quadratmeter. Letztere werden über einen knapp siebzig Quadratmeter grossen Innenhof erschlossen, der im ersten Obergeschoss und damit oberhalb der durchgehenden 455 Quadratmeter grossen Gewerbefläche im Erdgeschoss liegt. Diesen erhöhten Patio erreicht man über das zentrale Treppenhaus, an welches auch alle anderen Wohnungen angebunden sind.


Echte Handarbeit

Duplex Architekten sehen in den strassenseitigen Brüstungsbändern nicht nur eine Hommage an die Nachkriegsmoderne. Sie möchten sich mit ihren gestalterischen Anleihen in ihren Details, unter anderen an den italienischen Rationalismus, auch vor der Bauherrenschaft verneigen. So liegen die Walo-Ursprünge im Strassen- und Fussbodenbau. Die terrazzoartige Wandoberfläche nimmt eindeutig Bezug auf die entsprechenden Fussböden. Die nach innen gewölbten Oberflächen verdeutlichen hingegen das handwerkliche Können, das nach wie vor ein Markenzeichen des Unternehmens ist.

Die Brüstungselemente sind vorproduzierte Betonfertigteile, die einen Skelettbau aus Betondecken und eingestellten Rundpfeilern äusserlich begrenzen. Es sind keine Betonsandwichbauteile, sondern hinterlüftete Elemente, die im Zuge des Rohbaus mit hochgezogen wurden. Angelegt und vergossen mit den Deckenplatten, sind sie über einen Druckplattenanschluss nach innen gedämmt. Das erforderliche Abschleifen und Polieren der konvexen Flächen erfolgte ausschliesslich von Hand, da hierfür kein geeignetes maschinelles Verfahren existiert. Allein auf manuelle Weise konnte der angestrebte Glanzgrat erreicht und die grüne Körnung bei glatter Oberfläche sichtbar gemacht werden. Gleichwohl dies ein Neubau mit konzernferner Nutzung ist, bezieht sich sein Name immer noch auf den Konzern. Auch betrachtet das Unternehmen selber das Objekt als Markenrepräsentant und zeigt es stolz auf seiner Website.

Grünes Refugium

Sowohl die Dachlandschaft, wie auch der hochgelegte Patio sind extensiv begrünt, weshalb der Neubau von oben wie ein grüner Annex des vis-a-vis gelegenen Klingenparks erscheint. Sein Innenhof steht allen Bewohnern offen, weshalb das Anwesen das Gefühl eines Grossstadtrefugiums mit Ausblick ausstrahlt.


Dan Schürch Architekt und Büromitinhaber von Duplex Architekten:
«Die terrazzoähnlichen Brüstungsbänder sind nach innen gewölbt und von Hand geschliffen. Nur so entsteht dieser Glanzgrad. Die Körnung des grünen Andeergranits und des schwarzen Basalts wird sichtbar. Die Steine schaffen ein Spiel von Glanz und Matt, je nachdem wie das Licht einfällt.»

Dan Schürch Architekt und Büromitinhaber von Duplex Architekten zu den Holzmetallfenstern:
«Durch die in den Strassenraum auskragenden Erker und die gekrümmten Eckfenster schaut man in den Gassenraum. Es ist doch viel interessanter, die Fassadenflucht entlang zu blicken, als in einem engen Bildausschnitt den Nachbarn gegenüber zu betrachten.»


Text: Robert Mehl

Erstveröffentlichung: Magazin der Schweizer Baudokumentation 2020 - 2

Architekt/Planer

DUPLEX architekten AG


Forchstrasse 58
8008 Zürich
044 275 20 80
Bauherr

Walo Bertschinger AG


Giessenstrasse 5
8952 Schlieren
044 745 23 11

Situation Walo-Haus, Zürich von DUPLEX architekten AG
Situation
Querschnitt  Walo-Haus, Zürich von DUPLEX architekten AG
Querschnitt
Erdgeschoss  Walo-Haus, Zürich von DUPLEX architekten AG
Erdgeschoss
1. Obergeschoss  Walo-Haus, Zürich von DUPLEX architekten AG
1. Obergeschoss
2. Obergeschoss  Walo-Haus, Zürich von DUPLEX architekten AG
2. Obergeschoss
3. Obergeschoss  Walo-Haus, Zürich von DUPLEX architekten AG
3. Obergeschoss
4. Obergeschoss  Walo-Haus, Zürich von DUPLEX architekten AG
4. Obergeschoss
Dachgeschoss  Walo-Haus, Zürich von DUPLEX architekten AG
Dachgeschoss