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Umnutzung denkmalgeschützer Scheune in Wohnhaus
Hörnlistrasse 21, Illnau Effretikon

Kategorie:
Wohnen (bis 2 Wohneinheiten)
Fertigstellung:
2018
Gebäudeanzahl:
1
Stockwerke:
2
Untergeschosse:
1
Parkplätze:
2
Anzahl Wohnungen:
1
Grundstücksfläche:
376 m²
Geschossfläche:
240 m²
Nutzfläche:
170 m2
Gebäudevolumen:
1050 m³
Gebäudekosten BKP 2:
1.04 Mio. CHF

PSS Interservice AG
PSS Interservice AG
Poststrasse 1
8954 Geroldswil
Tel. 044 749 24 24
Fax. 044 749 24 25
info@pss-interservice.ch
www.pss-interservice.ch

Architekt/Planer

Architekturbüro Helmlinger
Binzmühlestrasse 49a
8050 Zürich
0788024242
HLK-Installateur

Glauser Illnau AG
Am Dorfbach 32
8308 Illnau
052 346 11 51
Bauunternehmer

Weilenmann AG Kemptthal
Bauunternehmung
Pfäffikonerstrasse 52
8307 Effretikon
052 355 02 55
Bauherr

Rahel und Beat Burkhard
Hörnlistrasse 21
8308 Illnau
Elektroinstallateur, Elektroplaner

Peter Reich AG
Elektiker
Breitenacherstrasse 1,
Illnau 8308
Zimmermann

ZISAG Holzbau GmbH
Zimmerei Innenausbau Systembau
Churzhaslen 3 Industrie
8733 Eschenbach SG
055 286 40 20

DIE SCHWEIZ - EIN AGRARLAND MIT GESCHICHTE

In der Schweiz hat die Landwirtschaft an Bedeutung verloren. Wie viele Ortsbilder zeigen, stehen selbst an besten Wohnlagen ehemalige Ökonomiegebäude leer oder werden als ungeheizte Lager genutzt. Da diese Gebäude oft die ersten Siedlungsformen diverser Ortschaften waren, stehen diese heute unter Denkmalschutz.
Durch den Siedlungsdruck und die Forderung auf verdichtetes Bauen werden immer mehr dieser Gebäude umgenutzt.
Dieses Projekt zeigt einen behutsamen Umgang mit unserem Kulturerbe auf und wird dennoch dem stetig ansteigenden Siedlungsdruck gerecht.

ALTE HÜLLE , NEUER KERN A
Das denkmalgeschützte Ökonomiegebäude aus dem Jahr 1857 an der Hörnlistrasse 21 sollte trotz der Nutzungsänderung von einer Stall-Scheune in ein Wohnhaus das originale Erscheinungsbild im alten Dorfkern von Ober-Illnau behalten.
Zusammen mit dem ehemals dazugehörigen Bauernhaus und der Kirche bildet dieses Gebäudevolumen eine zusammenhängende ortsbildprägende Erscheinung im alten Dorfkern. Das prägnant positionierte Gebäudevolumen ist mit dem dazugehörigen Bauernhaus ein Zeitzeuge der frühen Siedlungsgeschichte auf dem Kirchhügel.
Um die bestehende Baustruktur und Erscheinung zu wahren, war schnell klar, dass das Konzept vom einem „Haus im Haus“ der richtige Ansatz für eine Umnutzung ist.

GLAS ALS VERMITTLER ZWISCHEN ALT UND NEU

Für die Gewinnung einer maximalen Ausbeute an Licht, sollte viel Glas zum Einsatz kommen. Selbst Licht, dass über die schmalen Schlitze der Holzlamellen einfällt, sollte einbezogen werden. Die Fassade wird in seiner Geschlossenheit belassen. Durch den originalen Bretterverschlag strömt das Licht gefiltert in den Innenraum und lässt ein intimes, behagliches Wohnen zu.
Die zusätzlichen aus der originalen Schalung gefertigten beweglichen bis ca. 80 Grad beweglichen Lamellen an der Nordost und Südwest - Fassade sind strassenseitig abgewandt und beeinträchtigen dadurch das originale Fassadenbild nur geringfügig.
Im Kniestockbereich wird die originale Holzkonstruktion sichtbar belassen und die Schalung der Traufenuntersicht zur besseren Beleuchtung und für Ausblicke aus dem Dachraum entfernt. Die beiden grossen originalen Tore lassen viel Licht in die Wohnräume und gewähren freie Sicht in die Natur. Auch von der Strassenseite ist bei geöffneten Toren ein Durch- und Einblick in die ehemalige Scheune möglich.
Um das ursprüngliche Erscheinungsbild der geschlossenen Dachhaut nicht zu verändern, wurden zur Belichtung des Dachraumes, zusätzlich zu den beiden verglasten Giebelfassaden, in der Dachfläche sternenartig verteile Glasziegel eingesetzt. Die isolierende Glashaut wurde auch für die Dachkonstruktion verwendet und lässt nun den Bewohnern freie Sicht auf die originale Holzstruktur und die alten Holzverbindungen zu.
Um die Reinigung der grossen Glasflächen in dem teils engen Zwischenraum zu gewährleisten wurden im Vorfeld mehrere Glasputzroboter getestet und auf ihre Tauglichkeit evaluiert. Die komplette Glashülle wurde flächenbündig ausgeführt, so dass ein einfaches Arbeiten des Putzroboters auf grossen Flächen gewährleistet ist.
Auch eine eventuelle Auswechslung der Verglasungen im Schadensfall musste bei der Planung berücksichtigt werden. Sie kann über den mannesbreiten Zwischenraum zwischen Scheune und Glashaus erfolgen. Der Zwischenraum der alten und neuen Gebäudestruktur fungiert als überdimensionierte Hinterlüftung. Dadurch ist das Wohnklima selbst bei heissen, sommerlichen Temperaturen innerhalb des Glashauses angenehm temperiert. Die heisse Luft des Zwischenraumes kann über die Lüftungsziegel im Fristbereich ungehindert abströmen. Die überaus gut isolierenden Wärmeschutzgläser (U-Wert von 0.6 W/(m2
Das «VETROMODUL» – dank Modularität universell einsetzbar
Alle Module wurden direkt vom Zimmermann zusammengebaut und anschliessend per Lastwagen vor Ort transportiert.
Die Befestigung mit den Koppelleisten wurde von der Firma Petschenig Glastec GmbH aus Leopoldsdorf in Östereich entwickelt und mit diesem Projekt erstmals in der Schweiz angewendet.
Diese Koppelleisten werden universell für das ganze Gebäude eingesetzt. So konnten handelsübliche Fenster, Türen und selbst Dachfenster auf die Holzrahmen aufgebracht und von jedem Zimmermann verschraubt werden. Die Gläser wurden direkt zum Zimmermann geliefert und dort durch seine eigene Leute zu einzelnen transportfähigen Modulen zusammengebaut. Auf der Baustelle konnte diese innerhalb kürzester Zeit über das im Vorfeld geöffnete Scheunendach mit dem Lastwagenkran eingelassen und aufgerichtet werden.
Die zum Einsatz kommende «BRESTA»-Bodenplatte wurde direkt vom Hersteller zum notwendigen Zeitpunkt auf die Baustelle geliefert und im Bauprozess integriert. Die komplette Gebäudetechnik (mit innenaufgestellter Wärmepumpe, Strom und Wasserverteilung) wurde im Keller vorbereitet und konnte bereits bald nach Erstellen der Glashülle in Betrieb genommen werden.
So konnte der Innenausbau, selbst bei tiefen winterlichen Außentemperaturen ohne Wetterabhägigkeit ausgeführt werden.
Die bestehende Scheune sowie der Neubau wurden im 3D Modell aufgebaut im CAD nachgebaut. Alle Schnittstellen und neuralgischen Punkte zwischen Neu und Alt konnten so genauestens geplant und der Bauablauf noch vor Baubeginn bis ins kleinste Detail virtuell simuliert werden. 

Es sind grosszügige, aber dennoch intime Räume mit vielen Ein - und Ausblicken und wechselnden Lichteinflüssen innerhalb einer geschichtsträchtigen schützenswerten Bausubstanz entstanden.


Umgebungsplan Mst. 1:2000 Umnutzung denkmalgeschützer Scheune in Wohnhaus von Architekturbüro Helmlinger
Umgebungsplan Mst. 1:2000
Grundriss Untergeschoss Umnutzung denkmalgeschützer Scheune in Wohnhaus von Architekturbüro Helmlinger
Grundriss Untergeschoss
Grundriss Erdgeschoss Umnutzung denkmalgeschützer Scheune in Wohnhaus von Architekturbüro Helmlinger
Grundriss Erdgeschoss
Grundriss Obergeschoss Umnutzung denkmalgeschützer Scheune in Wohnhaus von Architekturbüro Helmlinger
Grundriss Obergeschoss
Grundriss Dachgeschoss Umnutzung denkmalgeschützer Scheune in Wohnhaus von Architekturbüro Helmlinger
Grundriss Dachgeschoss
Dachaufsicht Umnutzung denkmalgeschützer Scheune in Wohnhaus von Architekturbüro Helmlinger
Dachaufsicht
Schnitt A-A Umnutzung denkmalgeschützer Scheune in Wohnhaus von Architekturbüro Helmlinger
Schnitt A-A
Schnitt B-B Umnutzung denkmalgeschützer Scheune in Wohnhaus von Architekturbüro Helmlinger
Schnitt B-B
Fassade SO Umnutzung denkmalgeschützer Scheune in Wohnhaus von Architekturbüro Helmlinger
Fassade SO
Fassade SW Umnutzung denkmalgeschützer Scheune in Wohnhaus von Architekturbüro Helmlinger
Fassade SW
Fassade NO Umnutzung denkmalgeschützer Scheune in Wohnhaus von Architekturbüro Helmlinger
Fassade NO
Fassade NW Umnutzung denkmalgeschützer Scheune in Wohnhaus von Architekturbüro Helmlinger
Fassade NW
Ansicht SO Umnutzung denkmalgeschützer Scheune in Wohnhaus von Architekturbüro Helmlinger
Ansicht SO
Ansicht SW Umnutzung denkmalgeschützer Scheune in Wohnhaus von Architekturbüro Helmlinger
Ansicht SW
Konstruktionsdetail Glasfassade Umnutzung denkmalgeschützer Scheune in Wohnhaus von Architekturbüro Helmlinger
Konstruktionsdetail Glasfassade