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Umbau Silo Erlenmatt, Basel
Signalstrasse 37, Bâle

Harry Gugger Studio Ltd Architekturbüro


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Silo Erlenmatt, Basel © Lukas SchwabenbauerAufnahme Silogebäude zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit der ursprünglich geschlossenen Fassade.  © Originalprospekt der Basler LagerhausgesellschaftDas sanierte Gebäude mit  den neu eingesetzten Rund- fenstern. Im Hintergrund das angebaute Künstleratelier (Nullenergiehaus) von Degelo Architekten. © Lukas SchwabenbauerDas Silogebäude bildet mit dem anschliessenden Studentenwohnhaus  von Duplex Architekten einen akustischen Abschluss zur lauten Seite des Areals. © Lukas SchwabenbauerOriginalzustand © Originalprospekt der Basler LagerhausgesellschaftDie Mittelzone des Gebäudes wird von Licht durchströmt. Brücken führen über leere Silokammern in die Hostelzimmer oder Ateliers. © Lukas SchwabenbauerOriginalzustand © Originalprospekt der Basler LagerhausgesellschaftIm Erdgeschoss, wo früher Kaffeebohnen in Säcke abgefüllt wurden (links), befindet sich heute das Restaurant und Seminarräume. © Lukas SchwabenbauerEine hochpräzise Anfertigung der Schalung durch Erne Holzbau ermöglichte den Einbau dieser einzigartigen Treppenanlagen in Sichtbeton. © Lukas SchwabenbauerBlick auf die Eingänge  zweier Doppelzimmer im Dachgeschoss. Brücke und Geländer sind neu, jedoch den bestehenden Elementen nachempfunden und in rohem Schwarzstahl gehalten. © Lukas SchwabenbauerRingleuchte © Lukas SchwabenbauerRundfenster aus Chromstahl © Lukas Schwabenbauer
Kategorie:
Gastgewerbe und Tourismus
Fertigstellung:
2020
Gebäudeanzahl:
1
Stockwerke:
3
Untergeschosse:
1
Geschossfläche:
2690 m²
Gebäudevolumen:
20'338 m³

Full House

Im Nordwesten der Stadt Basel ist auf dem ehemaligen Areal der Deutschen Bahn AG ein neues Quartier mit über tausend Wohnungen entstanden. Bestehen blieben die Bahnkantine und ein Silo, der umgenutzt mit einem innovativen Konzept zu einem Haus der Begegnung umgebaut wurde.

Ein Areal wird umgenutzt

Vor zwanzig Jahren wurde auf der Erlenmatt in Basel eine Fläche von neunzehn Hektaren voller Geleise, Lagerhallen und Bahndepots frei. Ideen für neue, vielfältige Nutzungen waren gefragt. Die Beteiligung der Bevölkerung und des Gewerbes an einem intensiven Mitwirkungsprozess mündete in der Erarbeitung eines Positionspapiers. Für zahlreiche, vielfältige Zwischennutzungen des Areals wurde eine Reihe von europaweit angesehen Projekten vorangetrieben.
Der Erlenpark liegt mitten im Areal und begrenzt den innovativen Stadtteil Erlenmatt Ost. Die Eigentümerin und Bauträgerin dieses Gebietes mit dreizehn Parzellen ist die Basler Stiftung Habitat. Sie gab den Grund teilweise im Baurecht an verschiedene Genossenschaften ab, welche sich mit zukunftsweisenden Projekten für die Erstellung von 300 Wohnungen bewerben konnten. Seit 2016 entsteht dort ein autofreies, lebendiges Wohnquartier, das den Zielen der 2000-Watt-Gesellschaft folgt, Raum für neue Wohnformen bietet, sowie öffentliche, soziale und gewerbliche Nutzungen integrieren wird.

Vom Lagergebäude zum innovativen Treffpunkt

Das direkt an der Bahnlinie und der lauten Schwarzwaldallee gelegene Silogebäude der Basler Lagerhaus AG sollte erhalten bleiben und gemäss dem von Atelier 5 entwickelten «Regelwerk Erlenmatt Ost» zum Bereich der öffentlichen Nutzung zählen. Diesen Frühling ist der Umbau des letzten Bausteins, der ursprünglich der erste Stein des Schmuckstücks war, abgeschlossen.
Die filigrane Betonkonstruktion aus dem Jahre 1912 stammt von dem Basler Architekten Rudolf Sandreuter. Sein Konzept war es, in einem strengen Stützenraster von 4,80 Metern 40 Silos in vier Reihen auf Stelzen aneinander zu stellen. Das Erdgeschoss konnte so zur Abfüllung und Disposition von Ware in alle Richtungen freigestellt werden. Im Obergeschoss, wo Güter wie Kaffeebohnen und Korn gelagert wurden, konnte durch die ausbetonierten Kammern die notwendige Steifigkeit erreicht werden. Eine darüber liegende Brücke mit Förderband und einem Dach mit durchlaufender Laterne diente als eigentlicher Füll- und Kontrollraum.
Von aussen betrachtet wurde das Gebäude als schlanker, zweigeschossiger Solitär mit Satteldach und bahnseitigen Lieferrampen konzipiert. Es kamen an den kurzen Seiten in gebührendem Abstand weitere eingeschossige Lagerhäuser dazu. Diese Gebäudekette bildete die Grundlage für das Rückgrat der neuen Bebauung und schützt diese vor dem Lärm der Bahn. Der Silo sollte als öffentlicher Anziehungspunkt eine besondere Stellung in der Mitte der Siedlung einnehmen.
Ein Hostel, ein Restaurant und zahlreiche Ateliers finden nun darin Platz. Reisende werden eine unkonventionelle Siedlung mit diversen Wohnformen, innovativem Wohnraum für Studierende und sogar einem Nullenergiehaus entdecken.

Zeitzeugen

Mit dem Bauprojekt Silo Erlenmatt haben die Architekten von Harry Gugger Studio die Eigenheit des Stelzenbaus ausgenutzt und möglichst wenig an der Struktur verändert. Dieses Vorgehen war insbesondere der Nachhaltigkeit geschuldet. Es war jedoch auch technisch bedingt, da die Dachkonstruktion erhalten bleiben sollte und somit grössere Eingriffe ausgeschlossen waren. Die Statik des Silos wurde ausgelotet. Nur dort, wo es für die neue Nutzung nötig war, wurden neue Böden für die Büros und die Hostelzimmer einbetoniert oder Öffnungen aus den bestehenden Kammern herausgeschnitten, um die notwendigen Erschliessungskorridore anzuordnen. Neben diesen sind die alten Silotrichter von oben sichtbar und leer belassen worden und auch die Wände wurden nur seitens der Zimmer mit Akustikziegeln belegt. Ansonsten sind die Wände der Kammern im Originalzustand belassen worden.
Die Offenheit des Erdgeschosses eignet sich bestens für den Einbau von Seminarräumen und einem Restaurant mit Aussenbereich. Dieses soll den Hostelgästen und Nutzern der Ateliers, aber auch den Siedlungsbewohnern als Treffpunkt dienen. Zur Unterteilung der verschiedenen Bereiche sind im gesamten Erdgeschoss Verglasungen mit Fixrahmen aus Eiche bis an die Decke gezogen worden. Nur die Küche ist ein abgeschlossener Teil. Wer seinen Sitzungsraum visuell abtrennen will, hat raumhohe schwere Wollvorhänge zur Verfügung.
Gereinigt, aber sonst unbehandelt, hängen die Silotrichter von der Decke und markieren so je ein Rasterfeld. Sie werden zudem mit einer von den Architekten eigens für diesen Bau entwickelten Beleuchtung in Szene gesetzt: Ein Ring aus leicht gebogenem, schwarzem Winkeleisen verbirgt ein LED-Leuchtmittel und hängt beinahe schwebend um jeden Trichter, von wo das Licht in den Raum reflektiert wird. Das Pendent findet man in den neuen runden und siloartigen Fenstern aus Chromstahl, die man pro Rastereinheit in die Fassade des Erdgeschosses und des Obergeschosses eingesetzt hat. Zur Bahn hin sind sie fix, zur Hofseite hin lassen sie sich wie die Luken eines U-Boots mittig öffnen und wurden hier um dunkelblaue, halbkreisförmige Sonnenmarkisen ergänzt. Ein Hauch von Urlaub strömt aus dem Silo in die Siedlung, und Kaffeebohnen werden nun geröstet in den Behältern der Kaffeemaschinen des Restaurants gelagert.

Schlafen im neuen Gewand

Zwei neu eingebaute, asymmetrische Treppenhauskerne in sauber ausgeführtem Sichtbeton führen heute auf beiden Seiten des Gebäudes in Ebenen, in denen früher nicht einmal Mäuse anzutreffen waren. Die acht Mehrbettzimmer im Obergeschoss wie auch die acht Doppelzimmer im Dach nehmen jeweils ein bahnseitiges Rasterfeld ein und verfügen daher über eine kontrollierte Lüftung. Die Doppelzimmer sind durch die Dachschräge etwas kleiner und haben ein eigenes Bad. Der lichtdurchflutete Zugang zu den Zimmern im Dachraum ist gleichzeitig der Zugang zu den Ateliers auf der gegenüberliegenden Seite. Bewusst geht ein Nebeneinander von Wohnen auf Zeit mit einer Arbeitswelt einher.
In allen Räumen im Haus wird eine angenehme Raumtemperatur mittels freistehender, möbelartiger Radiatoren sichergestellt. Zudem ist die Gebäudehülle angepasst worden: Die ursprüngliche Backsteinverkleidung der Betonkonstruktion der Silokammern wurde durch eine verputzte Schicht aus Ytong-Steinen ersetzt. Auch im Bereich der Stelzen entfernte man die bestehende Ausfachung aus Backstein und ersetzte diese durch Dämmsteine. Die Stelzen wurden damit sichtbar ummantelt und betonen somit in der Fassade weiterhin die Vertikalität des Leuchtturmprojekts Silo Erlenmatt. Sinnbildlich wird dieses zukünftig von Talent betrieben, einem Verein verschiedener Vertreter der Basler Gastronomie und Hotellerie, der junge Berufsleute fördert.

Architekt und Projektleiter Michael Zink zu den Ringleuchten:
«Wie die Geländer zitieren auch die Leuchten das neu Hinzugefügte aus dem Bestand. Der rohe Schwarzstahl wurde bereits bei den alten Geländern oder Kantenschutzprofilen der Treppe eingesetzt.»

Architekt und Projektleiter Michael Zink zu den Rundfenstern in Chromstahl:
«Das Rundfenster, dessen Öffnungsflügel einen mittleren Drehpunkt hat, ist in diesen Dimensionen ein Prototyp. Ich empfehle hierfür ein äusserst dauerhaftes und formstabiles Material zu verwenden. »

Text: Claudia Frigo Mallien

Erstveröffentlichung: Magazin der Schweizer Baudokumentation 2020 - 3


Architekt/Planer

Harry Gugger Studio Ltd


Architekturbüro
Luftgässlein 4
4051 Basel
Bauherr

Stiftung Habitat


Rheingasse 31
4058 Basel
061 327 10 60
Spezialist

Chromag AG


Sennweidstrasse 41
6312 Steinhausen
041 740 02 03

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