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Umbau Riegelhaus Zollikerberg
Wilhofstrasse 18, Zollikerberg

Kategorie:
Wohnen (bis 2 Wohneinheiten)
Fertigstellung:
2013

Umbau und Restaurierung eines denkmalgeschützten Riegelhauses, Zollikerberg



Der Wilhof ist die grösste der drei noch erhaltenen ursprünglichen Siedlungen
Trichtenhusen, Unterhueb und Wilhof im Ortsteil Zollikerberg. Der Weiler besteht aus
fünf zusammengebauten Riegelhäusern und einem kleinen Schopf.


Die Wilhofstrasse 18 ist das Eckhaus der winkelförmigen
Bebauung. Der gebogene Eichensturz über dem
Kellereingang trägt die Jahreszahl 1761.
Im Innern war das Eckhaus ursprünglich nur durch eine
Bretterwand mit dem giebelseitigen Nachbarhaus
getrennt. Die beiden Häuser waren räumlich und
konstruktiv verschränkt, das Erdgeschoss des
Nachbarhauses reichte bis unter den erhöht liegenden
Eingangsraum, die ehemalige Küche.
Die Mittelstütze unter der Firstpfette stand auf einem
auskragenden Dachbodenbalken des Nachbarhauses,
der im Zuge früherer Umbaumassnahmen fahrlässig
geschwächt wurde. Der Dachstuhl und der Dachboden
waren mit dem traufseitigen Nachbarhaus verbunden.
Es ist erstaunlich wie gut die Rohbausubstanz den Zahn
der Zeit ertragen hat. Alle festgestellten Schäden und
Schwächen an der Tragkonstruktion des Hauses sind
nicht durch natürliche Verwitterung oder Verrottung,
sondern durch unsachgemässe Umbauten in früheren
Jahrzehnten entstanden. Fachwerkhölzer sind hinter
verputzten Bitumenabdichtungen verfault, die
Feuchtigkeit angestaut hatten.


In den 60er Jahren wurden einer schmalen steilen
Treppe, bestehend aus einer Betonspindel und
Spanplattenstufen, tragende und aussteifende Balken
geopfert. Die ohne Abdichtung improvisiert eingebauten
Sanitärräume für drei Kleinwohnungen haben
Feuchtigkeitsschäden hinterlassen und Balken wurden
für Leitungen geschwächt oder entfernt.



Der Umbau zum Einfamilienhaus war Anlass, die räumliche Aufteilung zu bereinigen, die
konstruktive Struktur des Hauses lesbar herauszuarbeiten, originale Bauteile zu erhalten
und neue Bauteile selbstverständlich einzufügen. Zur Vermeidung weiterer unnötiger
Veränderungen der historischen Bausubstanz wurden die neue Treppe und die
Badezimmer dort eingebaut, wo die Konstruktion bereits verändert oder beschädigt war
und neue tragende Bauteile ohnehin notwendig erschienen.
Im Dachraum befand sich auf zu niedriger Höhe eine alte Holzbühne, die unabhängig
vom Dachstuhl mit eigenen Stielen auf den massiven
Wänden stand. Diese Bühne wurde nun abgebrochen
und ihre Balken und Bretter zur Ergänzung der
fragmentierten und beschädigten Bauteile verwendet.
Ein sparsames Vorgehen, das auch in früheren
Jahrhunderten in diesem Haus praktiziert wurde, als
beispielsweise Bretter einer einstigen Fassadenverkleidung
als Trennwand zwischen zwei Schlafräumen
wieder eingesetzt wurden.



Die neue Treppe aus einheimischem Eschenholz
verbindet mit einer harmonischen Bewegung vom
Kellergeschoss bis zur neuen Dachgalerie alle fünf Ebenen des
Hauses und schafft nebenbei eine Verbindung zur Waschküche
im Erdgeschoss des Nachbarhauses mit ebenerdigem Ausgang
zum Sitzplatz im Vorgarten.
Die ursprüngliche Holzbalkenkonstruktion mit Bretterausfachung
vor der neuen Brandwand des Nachbarhauses kommt als
Rückwand der Treppe wieder zur Geltung und übernimmt nach
wie vor tragende Funktionen. Sie war nur noch in Teilen
vorhanden und wurde mit Hölzern aus dem Abbruch der
Dachbühne ergänzt.


Die filigrane Tragkonstruktion der Bäder ist vollständig aus
neuen einheimischen Nadelhölzern errichtet. An die
mehrgeschossige, in Stäbe aufgelöste Badezimmerwand sind
nicht nur die Decken der Badezimmer und die Balken der Treppenpodeste
angeschlossen, sie trägt auch die Lasten aus dem Dach, für die eine neue Abfangung
notwendig war. Eine transluzente Haut aus Scobalit trennt die hölzerne Tragkonstruktion
von der Feuchtigkeit der Bäder und öffnet durch den Lichteinfall die sparsam
dimensionierten Badezimmer zum Treppenraum.

Dem ursprünglichen Wesen des Hauses entsprechend sind die Wohnräume abgestuft
feiner materialisiert als der in rohem Holz gehaltene Treppenraum. Sehr differenziert
ausgebaut ist das Wohnzimmer. Die denkmalgeschützte Barockdecke wurde sorgfältig
renoviert, defekte Hölzer repariert, einige profilierte Deckleisten und einzelne Kassetten
mussten nachgebaut werden. Durch die Reflektion der glänzenden Ölfarbe an der Decke
gewinnt der niedrige Raum optisch an Höhe und Helligkeit. Die hölzernen
Wandverkleidungen sind ergänzt, die Heizkörper unter dem durchgehenden Fenstersims
verkleidet. Das Küchenmöbel ist einem halbhohen Buffet nachempfunden. Zwei hohe
Küchenschränke mit Kühlschrank sind in einer alten Türöffnung aus der Ursprungszeit
des Gebäudes bündig in die Wand integriert.


In den beiden Zimmern des Obergeschosses sind die Holzbalken mit vollem Querschnitt
freigespielt indem der gesamte Bodenaufbau mit Dreischichtplatten, Trittschalldämmung
und Dielenboden über den Balken verlegt ist. Die kräftigen Balken sind gestrichen um
Treppenpodest Obergeschoss
vorgefundene Holzwand im Obergeschosseine wohnlichere Stimmung zu erreichen. Die Wände sind mit Kalk verputzt, die sehr
dünnen Riegelaussenwände erhielten eine Innenisolation mit verputzten Korkplatten.
Die Innenverkleidung des Daches aus roh belassenen Nadelholz-Dreischichtplatten
erinnert an den Charakter des ursprünglichen Estrichraumes.
Die neue Dachgaube unterbricht die mächtige
Dachschräge. Sie wurde nach den Anforderungen der
Denkmalpflege als Schleppgaube ausgeführt und mit
Biberschwanzziegel gedeckt. Wie die Aussenverkleidung
der Gaube sind auch ihre Fensterläden aus senkrechten
Lärchenholzbrettern gefertigt. Bei geschlossenen Läden
entsteht ein überraschend monolithischer Ausdruck
dieses traditionell gestalteten Bauteils.


Im gesamten Gebäude wurden die Fenster aus den 60er Jahren entfernt und durch neue
isolierverglaste Fenster mit filigranen Holzprofilen nach historischem Vorbild ersetzt.
Der alte Keller ist zum Weinkeller umgebaut, die Natursteinwände sind mit Kalk verputzt
und die Holzbohlendecke roh belassen. Waschküche, WC und Haustechnik aus früheren
Umbauten wurden rückgebaut und im neu ausgehobenen zentralen Keller unter dem
Eingangsbereich des Erdgeschosses und im Untergeschoss des Nachbargebäudes
platziert. Zur Zeit ist der Keller für einen Fremdnutzer nur von aussen zugänglich, die
Türöffnungen für eine innere Verbindung zum Treppenraum sind vorbereitet.

Albanese Baumaterialien AG

Albanese Baumaterialien AG


Maienriedweg 1a
8408 Winterthur

Architekt/Planer,

defourny + wirth architekten


Badenerstrasse 805
8048 Zürich
043 366 88 92

Detailskizze Wand Treppenhaus/Bäder Umbau Riegelhaus Zollikerberg von defourny + wirth architekten
Detailskizze Wand Treppenhaus/Bäder
Detailskizze Heizungsverkleidung Stube Umbau Riegelhaus Zollikerberg von defourny + wirth architekten
Detailskizze Heizungsverkleidung Stube
Grundriss Untergeschoss Umbau Riegelhaus Zollikerberg von defourny + wirth architekten
Grundriss Untergeschoss
Grundriss Erdgeschoss Umbau Riegelhaus Zollikerberg von defourny + wirth architekten
Grundriss Erdgeschoss
Grundriss Obergeschoss Umbau Riegelhaus Zollikerberg von defourny + wirth architekten
Grundriss Obergeschoss
Grundriss Dachgeschoss Umbau Riegelhaus Zollikerberg von defourny + wirth architekten
Grundriss Dachgeschoss
Grundriss Dachgalerie Umbau Riegelhaus Zollikerberg von defourny + wirth architekten
Grundriss Dachgalerie
Projektbeschrieb Umbau Riegelhaus Zollikerberg von defourny + wirth architekten
Projektbeschrieb
Schnitt Treppenhaus Umbau Riegelhaus Zollikerberg von defourny + wirth architekten
Schnitt Treppenhaus