Die führende Schweizer Informationsplattform für Bauprodukte, Architekturprojekte und Expertenprofile

Umbau Ferienwohnung
Lismiweg / 4, Adelboden

MAKA Architektur Atelier Matthias Kammler


194 von 595
Wohnen  © Christine Blaser, Bildaufbau, Sandrainstrasse 3, 3007 BernWohnen mit Gang © Christine Blaser, Bildaufbau, Sandrainstrasse 3, 3007 BernGestell © Christine Blaser, Bildaufbau, Sandrainstrasse 3, 3007 BernDurchreiche Küchenseitig © Christine Blaser, Bildaufbau, Sandrainstrasse 3, 3007 BernEsstisch mit Küche © Christine Blaser, Bildaufbau, Sandrainstrasse 3, 3007 BernSchränke innen roh belassen © Christine Blaser, Bildaufbau, Sandrainstrasse 3, 3007 BernTasche für Türdrücker © Matthias Kammler, MAKA Architektur Atelier, Industrieweg 10, 3006 Bern
Kategorie:
Wohnen (bis 2 Wohneinheiten)
Fertigstellung:
2016
Gebäudeanzahl:
1
Anzahl Wohnungen:
1
Nutzfläche:
45 m2
Gebäudekosten BKP 2:
250'000 CHF

Beim Umbau 2016 wurde die Fensterlage nach aussen geschoben, der Grundriss bereinigt, inwendig neu ausgekleidet und mit fix eingebauten Möbeln bestückt.


Ausgangslage
Das Haus wurde im Jahr 1966 erbaut sowie 1994 unterkellert und im Sockelgeschoss mit einer Aussendämmung versehen. Diese Massnahmen waren nur behelfsmässig ausgeführt, sodass sich eine Bereinigung aufdrängte. Dies auch weil es galt die Materialisierung, Teppich- und Kunststoffbeläge an den Böden, Täfer an den Wänden und unerwünschte vor und Rücksprünge innerhalb der Räume, zu beseitigen. Die Wohnung sollte innerhalb des bestehenden Volumens neu gestaltet und sinnvoll materialisiert werden.

Entwurfsidee
Der Grundriss weist im nördlichen Teil zwei als Schlafzimmer genutzten Kammern, an der Ostseite eine Zone mit Bad und Küche sowie auf der verbleibenden Fläche Wohnzimmer, Entrée und Erschliessung auf. Derweil diese Organisation beibehalten wurde, erfuhr der Grundriss dennoch eine räumliche Neuinterpretation.
Die neue räumliche Qualität beruht auf drei Einbaumöbeln. Zunächst einer Bank, welche die ganze Südwand des Wohnraums einnimmt. Unter ihrer Sitzplatte ist der Fussboden bis an die Aussenwand geführt. Dann, weniger auffällig, aber räumlich besonders wirksam, das Bücherregal: Dieses trennt als raumhaltiges, halbtransparentes Gestell die Korridorzone vom Wohnzimmer, die Erschliessung vom Wohnbereich, die privateren von den öffentlicheren Bereichen. Nebst der obligaten Ferienliteratur lassen sich hinter leichten Schiebebrettern Spielgerät und andere Ware verstauen. Auffällig, ja spektakulär schliesslich der Tisch: Seine grosse Platte, die Durchreiche durchstossend, ist Stubentisch, Abstellfläche und Küchentisch in Einem. Das Möbel macht deutlich, wie sehr die Küche und der Korridor Teil des gleichen Einheitsraumes sind. Bei Bedarf lässt sich die Küche mit einer Schiebetüre und einem „englischen“, vertikal absenkbaren Schiebetürchen in der Durchreiche vom Wohnzimmer abtrennen.
(Text: Christoph Schläppi)

Projektierung
Der hier im Fokus stehende Innenausbau lässt sich nicht losgelöst von diesen Baumassnahmen betrachten. Diese erlaubten, die Fenster nach aussen zu setzen, sodass im Innern ausgeprägte Fensternischen entstanden. Sie bieten einerseits zusätzliche Raumausweitungen. Andererseits bereichern sie das Ganze um Qualitäten, von denen weiter unten noch die Rede sein soll. Hier vorerst die Bestandesaufnahme: Fensterrahmen aus transparent lackierter Fichte, die Leibung gefasst mit einem kastenartigen Innenfutter, in seitlichen „Garagen“ untergebrachte Vorhänge, von Hand bedienbare Rollladengurte auf offen montierten Gurtwicklern, die Fensterbank aus holzsichtig verarbeiteter Eiche, das Ganze bei Bedarf demontierbar.
Sind es diese gepflegten Fenster und die Haustüre, welche den Gast beim Empfang gleichsam „anblicken“, spüren sich BesucherInnen bald einmal in der warmen Atmosphäre der Wohnung zu hause. Die ganze Wohnung ist mit Wandbekleidungen, grosszügig verbauten Schrankwänden und Einbaumöbeln in Möbelqualität ausgerüstet. Das Interieur ist von den wertigen Oberflächen geölter Eiche und von mit Ölfarbe gestrichenen Wänden geprägt. Der Entscheid für die anspruchsvoll zu verarbeitende Ölfarbe mit langer Trocknungszeit fiel aufgrund ihrer sinnlichen Qualitäten. Der warme, tiefe Grauton trägt zur geräumigen Wirkung der Wohnung bei.
(Text: Christoph Schläppi)

Besonderheiten
Unübersehbar ist die Hingabe für praktische Belange und saubere handwerkliche Ausführung, welche beim Bau dieser Wohnung waltete. Mit besonderer Sorgfalt wurde an Details gefeilt: Ein vermeintliches Ornament entpuppt sich als Aussparung für die Klinke der Haustür – dank ihr lässt sich die Türe im Windfang, also an strategisch entscheidender Stelle, zwei Fingerbreit weiter öffnen. Oder, gleich nebenan, die Schuhablage, welche im Schnitt mit einem Wandschrank des angrenzenden Schlafzimmers verschränkt ist. Weniger auffallend sind die 3 mm offenen Fugen des „Täfers“, für welches ganze Dreischichtplatten am Stück verbaut wurden. Dieser Anspruch hat dem Schreiner dem Vernehmen nach besondere Sorgfalt abverlangt. Wer genauer hinschaut, stellt fest, dass Sitzbank und Bodenriemen des Gemeinschaftsraumes aus Eichenbrettern an einem Stück verarbeitet sind. Ausnahme: der Erschliessungsbereich, wo die Riemen die räumliche Zonierung nachzeichnen.
Nachdem am Küchenfenster noch das ganze Innenfutter mit geölter Eiche ausgekleidet worden war, fiel der Entscheid, in den restlichen Leibungen nur die bemalten Dreischichtplatten zu verwenden. Der Einsatz des kostbaren Holzes wurde damit nochmals austariert, die Frage nach dem angemessenen Einsatz der Mittel neu beantwortet und die Fensterbank als Ablage und Blickfang wirkungsvoller in Szene gesetzt. Bei allem Perfektionsdrang kommt in diesem Detail eine Bereitschaft zum Ausdruck, den Ausführungsprozess als Phase des Beobachtens, des Lernens zu akzeptieren und fruchtbar zu machen. (Text: Christoph Schläppi)

Publikation
Themenheft von Hochparterre, Oktober 2018 / Prix Lignum 2018

Linoleum

Linoleum


Boden- und Wandbeläge aus Linoleum


Forbo-Giubiasco SA

Forbo-Giubiasco SA


Via Industrie 16
6512 Giubiasco

Architekt/Planer

MAKA Architektur Atelier


Matthias Kammler
Industrieweg 10
3006 Bern
031 931 21 64

Plakat A0 Umbau Ferienwohnung von Matthias Kammler<br/>
Plakat A0
Grundriss EG  Umbau Ferienwohnung von Matthias Kammler<br/>
Grundriss EG
Detailschnitt Zimmer Wohnen Umbau Ferienwohnung von Matthias Kammler<br/>
Detailschnitt Zimmer Wohnen
Detailschnitt Küche Wohnen Umbau Ferienwohnung von Matthias Kammler<br/>
Detailschnitt Küche Wohnen
Detailschnitt Bad Eingang Umbau Ferienwohnung von Matthias Kammler<br/>
Detailschnitt Bad Eingang