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Schweizer Pavillon EXPO 2020 Dubai (Kollaboration)
Dubai

OOS AG
Architekturbüro

Schweizer Pavillon EXPO 2020 Dubai © OOS AGStruktur und Haustechnik © OOS AGArchitektur und Tragwerk © OOS AGArchitektur und Haustechnik © OOS AGKommunikationsmodell Schnittmodell Gesamt und Tragwerk-Haustechnik © OOS AGDiagramm Modellstruktur © OOS AGDiagramm Kollaboration und Kommunikation © OOS AGVerknüpfung Modell-Raumdatenbank © OOS AGProzess Innenausbau Szenographie © OOS AGAuszug BIM-Projektabwicklungsplan © OOS AGKoordinationsmodell Ausschnitte Innenräume © OOS AGSchweizer Pavillon EXPO 2020 Dubai Visualisierung © space communication, Zürich
Kategorie:
Kultur und Kult
Fertigstellung:
2020
Gebäudeanzahl:
1
Stockwerke:
4
Grundstücksfläche:
3764 m²
Geschossfläche:
3173 m²
Nutzfläche:
2343 m2
Gebäudevolumen:
21'433 m³
Gebäudekosten BKP 2:
8.5 Mio. CHF

Architekt/Planer, Innenarchitekt, Generalplaner

OOS AG
Architekturbüro
Hardstrasse 245
8005 Zürich
043 500 50 05
Spezialist

Bellprat Associates AG
Zeltweg 93
8032 Zürich
044 560 78 00
Spezialist

Hochschule Luzern Technik und Architektur
Institut für Architektur
Technikumstrasse 21
6048 Horw
041 349 33 11
Landschaftsarchitekt

Lorenz Eugster Landschaftsarchitektur und Städtebau GmbH
Hardstrasse 81
8004 Zürich
HLK-Planer, Sanitärplaner

anex Ingenieure AG
Limmatstrasse 291
8005 Zürich
044 656 81 81
Bauingenieur, Spezialist

Dr. Lüchinger + Meyer Bauingenieure AG
Limmatstrasse 275
8005 Zürich
044 421 43 00
Elektroplaner

HHM Zürich
Eggbühlstrasse 36
8050 Zürich
Spezialist

Digitalbau GmbH
Kreuzbuchstrasse 85
6006 Luzern
+41 41 372 03 16
Spezialist

Optimise mit Dr. Lüchinger+Meyer Bauingenieure AG)
Brandschutzexperte
Hardstrasse 245
8005 Zürich
Spezialist

Bartenbach GmbH
Lichtplanung Architektur
Rietstrasse 38
8702 Zollikon
Spezialist

Atelier Derrer
Lichtplanung Ausstellung
Lessingstrasse 9
8002 Zürich
Spezialist

Techniz
Medienplanung
Gablenberger Hauptstrasse 27
70186 Stuttgart
Spezialist

Effektschmiede GmbH
Nebelplanung
Roonstraße 61
50674 Köln
Bauherr

Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA)
Präsenz Schweiz PRS
Bundesgasse 32
3003 Bern

Vom 20. Oktober 2020 bis am 10. April 2021 findet in Dubai, Vereinigte Arabische Emirate (VAE), die Weltausstellung EXPO 2020 Dubai unter dem Thema «Connecting Minds, Creating the Future» statt. Die Schweiz, vertreten durch das EDA, wird sich in dem von OOS AG entworfenen und ge-planten Pavillon präsentieren. OOS AG wurde nach gewonnenem Planungswettbewerb im Gene-ralplanermandat beauftragt.
Die Aufgaben zur Projektierung und Planung des temporären Pavillons beinhalten architektoni-sche, innenarchitektonische, szenografische und landschaftsarchitektonische Aspekte gleicher-massen. Das Planerteam ist dementsprechend divers. Das Investitionsbudget für den Pavillon ist fixiert, darum galt von Anfang an Design2Cost. Durch Sponsorenbeiträge kann sich aber das Budget trotzdem verändern. Das führt dazu, dass Material- und Kostenvarianten bis Ende Aus-schreibungsplanung in der Planung abgebildet sein müssen.
Dadurch hat das Projekt, trotz seiner überschaubaren Grösse, eine Komplexität, welche durch die GU- / TU-Ausschreibung und die angestrebte Vorfabrikation zusätzlich erhöht wird. Dazu kommt die Auflage der EXPO, drei Viertel des verbauten Gewichtes zu recyceln.
Bei diesem Komplexitätsgrad BIM als Methodik zu nutzen ist, auch wenn von der Bauherrschaft nicht gefordert, kein Selbstzweck. Es geht darum, die Komplexität zu managen und alle Planer und Spezialisten mit einer gemeinsamen Methodik und transparenten, auf die Bedürfnisse der Aufgabe und Stakeholder angepassten Prozessen, zusammen zu binden. Dies machte die Zu-sammenarbeit und Abstimmung zu Beginn des Prozesses anspruchsvoll: Es ist eine grössere Anzahl an Disziplinen involviert, die üblicherweise nicht modellbasiert arbeiten und / oder diese Arbeitsweise gar nicht kennen.
Das Bauprojekt und der KV sind zum jetzigen Zeitpunkt abgeschlossen. Bis Ende Herbst wird auch die GU-Ausschreibung weitgehend abgeschlossen sein.

BIM-Organigramm und Verantwortlichkeiten
In der BIM-Projektorganisation sind folgende Rollen und Funktionen definiert, wobei sich die Rollen und Verantwortlichkeiten an den Definitionen am Merkblatt SIA 2051 orientieren:

Als Generalplaner stellt OOS die übergeordnet verantwortliche BIM Managerin.
Sie lässt die Erfahrungen aus anderen Projekten in dieses Projekt einfliessen. Gleichzeitig stellt sie sicher, dass das BIM-Setup auf die Bedürfnisse und Anforderungen dieser Aufgabe und dieje-nigen der Projektpartner abgestimmt ist. Sie vermittelt den BIM-Laien den Sinn der Methode und der Prozesse und sorgt dafür, dass allfällige Hürden methodischer, prozessualer und technologischer Art so weit wie möglich abgebaut werden.
Neben den im Merkblatt beschriebenen Aufgaben, organisiert sie auch die notwendigen Schulungen (nicht firmeneigene Software) und führt zum Teil auch Schulungen für Tools (z. B. Datenbank) und Prozesse durch.

Nebst dem zeichnet sie auch als BIM Koordinatorin und ICT Koordinatorin verantwortlich. Sie unterstützt den Projektmanager dadurch in strategischen und operativen Fragen.

Anex stellt den BIM TGA-Fachkoordinator, welcher die einzelnen TGA Fachmodelle zusammenführt und die Fachkoordination macht.

Für die BIM Kostenkoordination ist Digitalbau zuständig. Sie führt, analog zum BIM TGA Fachkoordinator, die Modelle aller Disziplinen für ihre Arbeit zusammen und überprüft diese hinsichtlich Vollständigkeit und Qualität im Bezug auf die Kostenkalkulation.

Auf Stufe der beteiligten Unternehmen hat jeder Planer einen BIM Projektverantwortlichen, und wenn ein Unternehmen ein digitales Modell erstellt, auch einen BIM Modellierer.

BIM Modell-Verwender im Sinne des Merkblattes ist, neben den Planern die kein Modell erstellen, die Bauherrschaft. Sie hat Zugriff auf den jeweils aktuellsten koordinierten Modellstand. Das vereinfacht ihre Kommunikation mit Dritten (zB. Sponsoren). Es ist auch das Ziel, die Modelle den Anbietern der GU/TU-Ausschreibung zugänglich zu machen.

BIM-Meilensteine
Die oben genannten Aufgaben und Anforderungen müssen reibungslos in das Projekt übersetzt und die aus der Projektorganisation entstehende Komplexität optimal gesteuert werden – das erfordert eine übergeordnete Methodik. Darum hat OOS als GP die BIM-Methode mit dem Ziel definiert, dass alle Projektinvolvierten ihre Informationen und Angaben digital entwickeln, erfassen und austauschen können, unabhängig davon, ob sie modellbasiert arbeiten oder nicht. Dadurch entsteht eine transparente Zusammenarbeit. So sollen unter anderem auch die Kosten modellbasiert (Fach-Modelle und Raumdatenbank) kalkuliert und die Kommunikation sowie die Ablage der Daten über digitale Kanäle und Tools strukturiert werden.
Diese Zielsetzung hatte weitreichende Folgen: Die passende ICT-Umgebung musste eruiert und strukturiert werden, Prozesse entwickelt, getestet und abgestimmt werden. Zudem mussten etliche BIM-unerfahrenen Planer und Spezialisten überzeugt und geschult werden.

BIM-Kommunikation und -Kollaboration
Für das Projekt sind verschiedene Prozesse miteinander entwickelt, getestet und festgelegt worden. Die Spielregeln für die Zusammenarbeit und die Definition, wo welche Information und welches Dokument zu finden ist prägen die Kollaboration. Es wird nur noch modell- und daten-bankbezogen koordiniert.
Der Emailversand von Daten und Fragen wird so weit wie möglich von zwei Bausteinen abgelöst: Datenplattform SyselShare (aktuelle Daten mit Versionierung) und BIMCollab (Aufgabenmgmgt). Aufgaben, Pendenzen und Entscheide - mit oder ohne Modellbezug – werden auf BIMCollab gesammelt und gemanaged. Das Tool wird auch zur Vorbereitung, Führung und Protokollierung von Meetings genutzt. Durch die Nutzung von BIMCollab Zoom (BIM-Viewer) können alle Beteiligten auch ohne eigenes Modell ihre Kommunikation modellbezogen gestalten.
Die Bauherrschaft nutzt die SyselShare, um auf die aktuellsten Dokumente zuzugreifen. BIMCollab Zoom dient ihr zur Kommunikation intern wie mit potentiellen Sponsoren.

BIM-Modellplan
Das Projekt folgt einer Open BIM Strategie. Alle arbeiten mit ihren eigenen Tools. Ausnahmen sind die Raumdatenbank (DB) und das BIMCollab/Zoom, die zwingend zu nutzen sind.
Die Fachmodelle sind in folgende Teilmodelle aufgeteilt:
-Architektur: Rohbau / Fassade
-Innenarchitektur: Ausbau
-Bauingenieur: Rohbau / Tragwerk / Baugrube / Statik
-TGA: Lüftung / Klima-Kälte / Sanitär / Elektro
-Spezialmodelle: Aussparung / Sperrzonen
Es gibt folgende Koordinationsmodelle:
-Koordination Technik
-Räumliche Koordination
-Kosten
Das Architekturmodell ist das Referenzmodell. Vorfabrizierte Bauteile werden aus dem Tragwerks- ins Architekturmodell "nativ" eingesetzt, um deren Eigenschaften in die DB zu übertragen.
Die Architektur- und TGA-Modelle werden nativ mit der DB synchronisiert.

Information Delivery Manual (IDM)
Vereinbarungen über Modellinhalt, deren Form und die Verantwortlichkeiten werden phasenspezifisch im IDM definiert. Aufbauend auf einer Vorgabe der BIM Managerin werden Änderungen bzw. Anpassungen gemeinsam diskutiert, getestet und freigegeben.
Das Architekturmodell wird für die jeweiligen Schnittstellen der Softwareumgebung der Planungspartner optimiert zur Verfügung gestellt.
Die Raumdatenbank (DB) dient als "Single Point of Information". Durch die regelmässige direkte native Verknüpfung von Architektur- und TGA-Modell mit der DB ist die Aktualität der 3D-Daten sichergestellt. Alle haben in der DB nur Zugriff auf den Datenbereich ihres Fachbereichs. Durch die DB können auch typisierte Bauteile direkt bewirtschaftet werden, für die mehrere Disziplinen Attribute einpflegen müssen.

BIM-Leistungsbild
Es ist das Ziel, das komplette Projektteam in den BIM-Prozess zu integrieren. Dazu gehört, die BIM-Laien an die Arbeitsweise heranzuführen und einen stabilen Prozess zu gewährleisten.
Dafür wurden zum Start des Projektes miteinander entwickelte und getestete Prozesse sowie Inhalts- und Qualitätsanforderungen definiert. Spezifisch für Innenarchitektur und Szenographie wurde definiert, was im Modell und was in der DB abgebildet wird. Es wurde auch festgelegt, wann welcher Entwicklungsstand erreicht, welche Outputs für Dritte erforderlich sind und welche Form diese haben müssen.

Diese Anforderungen sind im BIM-Projektabwicklungsplan, im IDM und im Prozessplan festgehalten. Die Kontrolle ihrer Einhaltung obliegt dem Projektmanager und der BIM-Koordination. Bei Fragen zur Informationsqualität und -vollständigkeit fungiert die Kostenplanung mit ihrem Kosten-Koordinationsmodell als sekundäre Qualitätssicherungsebene. Die gemeinsam entwickelten, koordinierten und regelmässig angepassten Prozesse sind an der Prozesswand dokumentiert. Das Team und speziell die BIM-ungeübten Planer wurden für projektspezifische Tools und Prozesse durch die BIM-Managerin geschult.

Die Qualität der Fachmodelle respektive des Koordinationsmodells wird im Bezug auf Informationstiefe und Detaillierungsgrad der Bauteile durch die BIM-Koordinatorin geprüft. Ebenso der Inhalt der Raumdatenbank. Dieser aber nur in Bezug auf Vollständigkeit. Da die Datenbank eine vorgegebene Struktur (Inhaltsabfrage) besitzt, entfällt hier der formale Aspekt. Welche Attribute je Bauteil, Element oder Raum bewirtschaftet werden müssen und welche Einheiten sie haben, wurde beim Aufsetzen der Datenbankstruktur mit den einzelnen Planern und Spezialisten definiert.
Mit Hilfe der DB kann an den zweiwöchentlichen Koordinationssitzungen auch der Planungsstand der nicht-modellbezogen arbeitenden Fachplaner einfach kontrolliert und besprochen werden.

Die Projektstruktur sieht vor, dass alle Dokumente auf der gemeinsamen Plattform liegen. Ziel ist es sicherzustellen, dass alle immer mit den neusten Informationen und Dokumenten arbeiten.
Der Projektmanager kontrolliert dies, indem nicht abgelegte Dokumente als nicht erledigt gelten, auch wenn sie z. B. per Email versandt wurden.

Die gesamten Aufgaben, Traktanden und Entscheide sollen gesammelt und nachverfolgbar sein, damit keine offenen Punkte vergessen gehen.
Dafür nutzt das Projektteam BIMCollab, und zwar für alle Themen, mit oder ohne Modellbezug. Die Bewirtschaftung der offenen "Issues" obliegt dem jeweils zuständigen Fachplaner. Der Projektmanager kontrolliert nur, ob diese Punkte abgearbeitet wurden.

Die Vorgaben der EXPO-Organisatoren für die verschiedenen Projektstadien sind sehr umfangreich. Damit keine Anforderung vergessen geht, wurden alle Resultate und deren Inhalte vorgängig definiert.
Dafür wurden Konventionen zu grafischen Aspekten und der Benennung von Dokumenten entwickelt und die Outputs (Berichte und Listen) Stakeholder-gerecht vordefiniert. Der Projektmanager prüft und bemängelt deren Einhaltung.

Das Ziel bezüglich Kostenplanung ist es, alle Massen und Informationen zu Qualität und Produkten aus dem Modell und der DB zu beziehen. Weiter soll die TU-Ausschreibung komplett über das digitale Bauwerksmodell erstellt werden. Zudem sollen Designvarianten aufgrund offener Sponsorenbeiträge (if-when-then) in den Kosten abbildbar sein.
Dafür hat der Kostenplaner ergänzend zum IDM eine Deliverymatrix erstellt. Diese definiert, welche Informationen erarbeitet werden, wo sie abgebildet und in welcher Form sie dokumentiert werden. Sie definiert auch die Systematik im Bezug auf die Designvarianten. Die Matrix orientiert sich dabei an der Struktur einer TU-Ausschreibung respektive eines TU-Vertrages. Damit wird gewährleistet, dass die Zielerreichung der Ausschreibungsphase schon früh im Projekt (Phase Bauprojekt) angelegt ist. Der Kostenplaner zeichnet für die Kontrolle der Vollständigkeit verant-wortlich.

BIM Transparenz und Stabilität
Die konsolidierte Zusammenarbeit mit digitalen Bauwerksmodellen und Raumdatenbank stellt sicher, dass auf gleicher Basis gearbeitet wird und klar ist, wo die Informationen zu Elementen und Bauteilen zu finden sind. Projektstand und Planungskonflikte werden sichtbar und die für alle einsehbare Sammlung von Aufgaben, Pendenzen und Entscheiden im BIMCollab stellt deren Nachverfolgung sicher.