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Sanierung Freibad Gruebi Adelboden
Risetensträssli, Adelboden

Kategorie:
Sport und Freizeit
Fertigstellung:
2019

Das historisch bedeutsame Freibad Gruebi in Adelboden wurde 1931 im Stil der Moderne vom Bäderbau-Experten Beda Hefti realisiert und 2009 unter Denkmalschutz gestellt. Die feinfühlige Sanierung im Jahr 2019 brachte das Bad wieder in seiner ursprünglichen polychromen Farbigkeit zum Erstrahlen.

Ausgangslage
Das von Beda Hefti entworfene Freibad Gruebi wurde 1931 im Stil der Moderne gebaut und ist durch die präzise in die alpine Topographie eingebetteten polychromen Bauten geprägt. Der Zahn der Zeit nagte stark an der kurzzeitig sogar von der Schliessung bedrohten Anlage und etliche Umbauten verklärten die Gesamtwirkung. So verschwand beispielsweise der ikonische Musikpavillon, das 50-Meter Becken wurde auf 25 Meter gekürzt und das runde Kinderbecken wurde geometrisch entstellt. Weiter erforderte die heutige Zeit funktionale Anpassungen an Betrieb, Statik, Sicherheit und Hindernisfreiheit.

Entwurfsidee
Im Zentrum des Projekts steht die ursprüngliche historisch bedeutsame und architektonisch herausragende Anlage von Beda Hefti. Körperkultur und sportliche Ertüchtigung waren zentrale entwurfsbestimmende Themen. Die polychrome Farbigkeit der von imposanten Bergen umgebenen Anlage ist dabei herausragend. Garderobengebäude, vorgelagertes Becken, Musikpavillon, Laubengang und rundes Kinderbecken mit gebogener Loggia ergeben ein präzise in die Topographie eingebettetes Gesamtensemble. Ziel war die Wiederentdeckung und Stärkung der bestehenden Qualitäten gepaart mit subtilen Ergänzungen, wo diese nötig wurden. Die Sanierung im Jahr 2019 war dementsprechend eine Reise zurück in die Vergangenheit. Schicht für Schicht wurde der originale Zustand in seiner ganzen Schönheit wiederentdeckt, um dem einmaligen Gesamtentwurf zu altem Glanz zu verhelfen. Mittels Farbuntersuchungen und Studium historischer Grundlagen wurde der Anlage wieder der frische Geist der Moderne eingehaucht. In aktiver Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege, Bauherrschaft und Betreiber konnten die funktionalen betrieblichen Anforderungen mit hohen denkmalpflegerischen und ästhetischen Ansprüchen vereint werden.

Projektierung
Die Sanierung war eine Reise zurück in die Vergangenheit. Nach und nach - Schicht für Schicht - wurde der originale Zustand in seiner ganzen Schönheit entdeckt. Doch es brauchte vorgängig viel Überzeugungsarbeit, diesem einmaligen Gesamtentwurf zu altem Glanz zu verhelfen. Nach mehrjährigem Verfahren und dafür notwendigen Abstimmungen innerhalb der Bevölkerung konnte ein Sanierungskonzept präsentiert werden, welches die funktionalen betrieblichen Anforderungen mit hohen denkmalpflegerischen und ästhetischen Ansprüchen vereint. Den Beteiligten wurde immer mehr bewusst, was für eine einzigartige Perle in ihrem Besitz ist.
Gestalterisch war die Formensprache der 30er-Jahre massgebend, dennoch erforderte die heutige Zeit etwa Anpassungen an Statik, Sicherheit oder Hindernisfreiheit. So ging der eigentlichen Sanierung eine präzise Auslotung der Eingriffstiefe voraus. Entscheidend für die Badeanlage ist dabei das Gelände. Die Einbettung eines 50-Meter-Beckens in diese von Steilheit geprägte Geländebewegung war eine Meisterleistung, ebenso die sorgfältige Integration der weiteren Anlageteile. Daher erfolgten nur minimale Änderungen innerhalb des präzisen topographischen Gefüges. Vielmehr umfasste die Restaurierung die Wiederherstellung des Originalzustandes bzw. Pflege der vorhandenen Bausubstanz. Farbuntersuchungen und eingehendes Studium historischer Grundlagen ermöglichten es, dem Freibad die ursprüngliche Klarheit des Entwurfs zurückzugeben.

Realisierung
In den knapp 90 Jahren hatte sich das eine Beckenende gegenüber dem anderen um 12cm vertikal verschoben, was eine Ausnivellierung erforderlich machte. Das neue Becken verfügt nun über Verstärkung mit Kohlefaserlamellen und über einen Nichtschwimmerbereich. Die sichtbaren Teile technischer Optimierungen (Wasseraufbereitung etc.) waren sorgfältig zu integrieren. Der Sprungturm reduziert sich aus Sicherheitsgründen von 5 auf 3 Meter Höhe. Die Liegewiese, wie auch das Restaurant wurden vergrössert. Die angepassten Öffnungen beim Restaurant lassen sich dank eines eigens dafür entwickelten Mechanismus’ komplett hochstellen, um die Ausgabe der Speisen zu ermöglichen. Eine Neuinterpretation der damaligen Schiebefenster. Bewahren und ergänzen – ein zentrales Thema bei der Wiederherstellung dieser historisch bedeutsamen Badeanlage. Rekonstruierte Stahlrohrmöbel und restaurierte bauzeitliche Keramikplatten. Ins Gesamtkonzept passende neue Armaturen und Leuchten. Insbesondere war auch die Farbigkeit der originalen Anlageteile wiederherzustellen. Intensive Farbuntersuchungen und der Umstand, dass dieselben Farben heute bei der Firma Keim wieder erhältlich sind, ermöglichten, dass das Bad nun in denselben Farben erstrahlt wie zu seiner Bauzeit. Viele Details – etwa beim Beton des Musikpavillon – waren neu zu lösen, wobei darauf geachtet wurde, dass der elegante filigrane Ausdruck der Moderne nicht verloren ging.

Besonderheiten
Das instandgesetzte, umgebaute und revitalisierte Gruebi zeichnet sich durch ein subtiles Einhergehen von originalen und neuen Elementen aus. Allein seine Bewahrung macht es zu einem der bedeutsamsten alpinen Freibäder der Schweiz. Oder mit den Worten aus dem Kunstführer der GSK: «Das Baudenkmal ist Ausdruck der Themen der 1930er Jahre mit Freizeit, Bewegung, Vergnügen und Genuss. Es ist gelungen, mit der Sanierung diesen ursprünglichen Geist, die klare architektonische Haltung und die Stimmung des modernen Freibads wiederzubeleben. Durch die wiedererlangte Klarheit des ursprünglichen Entwurfs repräsentiert dieser Zeuge der schweizerischen Moderne keine unsorgfältige Beliebigkeit, sondern einen sensiblen Umgang mit dem Baudenkmal. Gerade angesichts der in alpinen Tourismusregionen mehr und mehr dominierenden massstabslosen Neu- bauten – Chalets, die einem Alpenstil in grotesker Weise nacheifern – ist eine Besinnung auf die gestalterische Sensibilität und Eigenständigkeit der Moderne angezeigt.»
Der unermüdliche Einsatz der Interessengruppe "Schwimmbad Gruebi" zum Erhalt und der Wiederbelebung des in die Jahre gekommen und von der Schliessung bedrohten Schwimmbades wurde denn auch mit dem Spezialpreis 2020 der Denkmalpflege ausgezeichnet.

Publikation
Architekturzeitung, "Schwimmbad Gruebi: Badekultur wie in den 1930er-Jahren", 28.01.2020
Baunetz, "Farbklecks in den Schweizer Alpen Freibad-Restaurierung von akkurat", 24.02.2020
Bauwelt, 03/2020, "Schwimmen und Sonnen"
Detail, "In alpinen Farben schwimmen: Gruebi von akkurat bauatelier", 23.03.2020
fachbau.ch, "Freibad Gruebi: Baden wie in den 1930er-Jahren"
Hochparterre, "Bunter Baden", 09.07.2019
Modulor, "Denkmalgerechte Sanierung"
Sonntagszeitung, "Die surreale Badi in der Alpenwildnis", 10.05.2020
Swiss-Architects.com, "In neuem Glanz", 05.12.2019
Umbauen + Renovieren, 03/2020, "Buntes Baden in den Bergen"
Schweizerischer Kunstführer "Das Schwimm- und Sonnenbad in Adelboden", Fabian Schwarz & Pasquale Zarriello, GSK Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, ISBN 978-3-03797-602-9

Architekt/Planer

akkurat bauatelier GmbH


Obere Hauptgasse 62
3600 Thun
033 223 36 00
Landschaftsarchitekt

DUO Architectes paysagistes Sarl


Rue du Midi 20
1003 Lausanne
021 558 65 60
Spezialist

Beck Schwimmbadbau AG


Bürglistrasse 29
8400 Winterthur
052 224 00 88

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Historischer Perspektivischer Plan des Schwimmbad Gruebi, Zeichnung Beda Hefti Sanierung Freibad Gruebi Adelboden von akkurat bauatelier GmbH
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Historisches Plakat des Schwimmbad Gruebi als Vorlage für den Entwurf des neuen Sprungturmes, Grafiker Unbekannt Sanierung Freibad Gruebi Adelboden von akkurat bauatelier GmbH
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