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Rehaklinik Bellikon
Mutschellenstrasse 2, Bellikon

Burckhardt+Partner AG
Architekten Generalplaner

 © Beat Bühler © Beat Bühler © Beat Bühler © Beat Bühler © Beat Bühler © Beat Bühler © Beat Bühler © Beat Bühler © Beat Bühler © Beat Bühler © Beat Bühler © Beat Bühler
Kategorie:
Fürsorge und Pflege
Fertigstellung:
2018
Gebäudeanzahl:
1
Geschossfläche:
69'752 m²
Gebäudevolumen:
303'600 m³
Gebäudekosten BKP 2:
300 Mio. CHF

Vetrotech Saint-Gobain (International) AG
Vetrotech Saint-Gobain (International) AG
Bernstrasse 43
3175 Flamatt
Tel. 031 336 81 81
Fax. 031 336 81 19
schweiz@vetrotech.com
www.vetrotech.ch


Architekt/Planer

Burckhardt+Partner AG
Architekten Generalplaner
Neumarkt 28
8001 Zürich
044 262 36 46

Mit dem hier vorgestellten Projekt reagiert die Rehaklinik Bellikon auf aktuelle und zukünftige Leistungs- und Kapazitätsanforderungen, mit dem Ziel, sich sowohl auf regionaler als auch auf internationaler Ebene neu zu positionieren.

Institutionell bedeutet dies, sich mittelfristig unter den besten Rehakliniken in Europa zu etablieren, gestalterisch ist es das Ziel, die heutige Klinik angemessen und mit höchster architektonischer Qualität zu erweitern und sich zurückhaltend in die Umgebung zu integrieren.

Konzeptionell basiert das Projekt auf folgenden Parametern:
· Betriebliche Funktionalität/ kurze Wege
· Hohe Nutzungsflexibilität
· Städtebauliche Integration
· Hohe architektonische Qualität bei minimalem Eingriff in den Bestand
· Einfachheit
· Nachhaltigkeit

Städtebau
Der städtebauliche Ansatz sieht vor, die visuelle Verbindung von Ort, Klinik und Landschaft zu stärken, neue Elemente zurückhaltend auszubilden und dabei die Übersichtlichkeit der Gesamtanlage zu gewährleisten.

Das Konzept beruht dabei auf einem differenzierten Zusammenspiel von Alt und Neu. Während die dominierende Wirkung der markanten 70er-Jahre-Baukörper respektiert wird, fügt sich die Erweiterung unprätentiös in den Gesamtkomplex ein.

Die neuen Flächen werden in einem der Klinik im Süden vorgelagerten, dreigeschossigen Anbau untergebracht, der durch fünf grosszügige Lichthöfe gegliedert ist und seinen oberen Abschluss auf dem bestehenden Erdgeschoss-Niveau findet. Er lässt somit auf der ganzen Länge einen uneingeschränkten Blick in die umliegende Landschaft zu. Die horizontale Auslegung des neuen Baukörpers führt zu einer wirkungsvollen Verzahnung der bestehenden Anlage und der vorhandenen Topografie und einem abwechslungsreichen Zusammenspiel von Gebäuden und Freiräumen.

Architektur / Funktionen
Erschlossen wird die Klinik über einen zentralen Eingangsbereich, der im Rahmen einer Aufstockung durch eine neue Überwachungsstation zwischen Trakt 2 und 4 baulich angepasst wird und sich stärker als bisher zur Landschaft orientiert.

Foyer
Das neu gestaltete Foyer im Erdgeschoss bildet durch seine zentrale Lage den Dreh- und Angelpunkt der Gesamtanlage und verbindet die Bestandsgebäude mit dem Neubau. Zentrale Funktionen in diesem Bereich sind sämtliche Aufnahme- und Informations-einrichtungen, in Verbindung mit einem grosszügigen Aufenthaltsbereich, einer Cafeteria und einem Kiosk. Angrenzend zur einen Seite befinden sich der allgemeine Gastronomie-Bereich, auf der anderen Seite die Klinikdirektion, Büros und Seminarräume.

Das Foyer zieht sich als grosszügig verglaster Baukörper über den Anbau und schafft sowohl durch Lage und Blickbeziehungen eine einmalige Aufenthaltsqualität, welche über direkte Zugänge auf die Terrasse nach aussen fortgesetzt wird.

Anbau
Der Anbau erstreckt sich insgesamt über fünf Ebenen, von denen zwei als unterirdische Technik- und Parkgeschosse ausgebildet sind. Er ist über eine dreigeschossige, nach oben verglaste Erschliessungsfuge mit dem Bestand verbunden und zeichnet sich durch seine klare betriebliche und räumliche Struktur aus.

In Verbindung mit den prägnanten Lichthöfen schaffen die Gang- und Aufenthaltszonen der Regelgeschosse durch räumliche Aufweitungen und eine abwechslungsreiche Tageslichtführung eine spannende Rhythmisierung der einzelnen Funktionsbereiche und ermöglichen eine gute Orientierung.

Funktional schafft der Anbau in erster Linie neue Flächen für die bereits vorhandenen Therapiebereiche, sowie für das Schwimmbad und die Turnhalle. So sind im 1. UG vorwiegend die Neurologische Rehabilitation (NR), die Orthopädische und Handchirurgische Rehabilitation (OHR) sowie Diagnostik-Funktionen untergebracht, während im 2. UG durchgängig Flächen für die Arbeitsorientierte Rehabilitation (AR) in Verbindung mit dem Medizinischen Trainings Centrum (MTC) schafft. Das 3. UG ist, neben den zentralen Personalgarderoben, der sogenannten «Wasserwelt» mit Schwimm- und Gehbad, sowie der Turnhalle und der Sportrehabilitation vorbehalten.

Bestand
Im Bestand sind auf in den Untergeschossen 1 und 2 unter anderem unterhalb des Foyers und des davor liegenden Platzes diverse Um- und Neubaumassnahmen vorgesehen. Während im 1. Untergeschoss zusätzliche Flächen für den Bereich Orthopädie-Rehabilitation geschaffen werden, die seitlich über offene Lichthöfe belichtet werden, bilden die Flächen im 2. UG zum derzeitigen Projektstand eine Flächenreserve, die zu einem späteren Zeitpunkt mit entsprechend notwendigen Nutzungen belegt werden kann.

Durch diese Umstrukturierung werden die einzelnen Funktionsbereiche besser miteinander vernetzt und eine klare Erschliessungsstruktur geschaffen, die den Bestand über die zentral gelegene Treppen- und Aufzugsanlage mit der neuen Erschliessungsfuge und dem Anbau verbindet.

Erschliessungsfuge
Die Erschliessungsfuge ist ein wesentliches gestalterisches Element, welches als Auftakt zum neuen Baukörper eine hohe räumliche Qualität und Orientierbarkeit schafft und dabei Tageslicht tief ins Innere des Gebäudes transportiert. Sie erlaubt einen direkten Anschluss an die vorhandenen Flächen und trägt somit dem Grundgedanken der kurzen Wege in hohem Masse Rechnung.

Funktionale und betriebliche Organisation
Wie in der Einleitung bereits erwähnt, zeichnet sich das Konzept betrieblich vor allem durch die Organisation der grossen Therapiebereiche auf grösstenteils 2 Ebenen aus. Dies trägt vor allem dem Anspruch eines Konzeptes von kurzen Wegen als auch dem Aspekt einer guten Orientierbarkeit – insbesondere für NR-Patienten – in hohem Masse Rechnung.

Aufgrund der Vorgabe über die Restrukturierbarkeit des Bestandes und der anzustrebenden Schwerpunktbildung der Bereiche OHR, AR und NR im Stationär- sowie Ambulantenbereich ergibt sich folgende Zuweisung:
Das Bettenhaus Trakt 1 und die darunter- und davor liegenden Bereiche beinhalten schwerpunktbildend vornehmlich die Bereiche OHR und AR; das Bettenhaus Trakt 2 und die darunter- und davor liegenden Bereiche vornehmlich den Bereich NR.
Beim Einbezug der bestehenden Strukturen wird gemäss Vorgabe die Entwicklung der jeweiligen Bereiche niveaugleich in den Neubau verlängert, resp. eine Zweigeschossigkeit mit kurzen vertikalen Verbindungen im Neubaubereich angestrebt.

Die zentralen und auch für externen Zugang zu berücksichtigenden Funktionen (Wasserwelten mit Hallenbad, Whirlpool, Kneippzone und Sauna sowie der medizinischen Trainingstherapie) werden über die Hauptvertikale von der Halle aus direkt erreicht.

Fassade
Die umlaufende Fassade unterstützt in ihrer Einfachheit den ganzheitlichen und ruhigen Charakter des Erweiterungsbaus und reagiert in ihrer Beschaffenheit auf Minergie-P-Anforderungen bei gleichzeitiger Maximierung natürlicher Belichtung und Sicherstellung des Aussenraumbezugs.
Die Regelfassade besteht aus vertikal ausgerichteten Verglasungs- und Fertigbetonelementen und ist als Kastenfensterfassade, mit einer hinterlüfteten äusseren Verglasung, konzipiert. Somit reagiert sie, neben energetischen Anforderungen, auch auf die landschaftlich exponierte Lage des Gebäudes und bietet Schutz vor Wind und Lärm.

Horizontal versetzte U-Profile aus Stahl definieren im Bereich der Deckenstirnen die einzelnen Geschosse und nehmen die Beschattungsanlagen auf. Darüber hinaus dienen sie als Tragstruktur für die Betonelemente.

Einen Sonderbereich stellt die Schwimmbad- und Turnhallenfassade dar, deren vertikale Ausrichtung die räumliche Doppelgeschossigkeit betont und auch hier einen maximalen Aussenraumbezug gewährleistet. Sie besteht aus grossformatigen Glasflächen in Riegelbauweise aus Aluminiumprofilen.
Der Sonnenschutz erfolgt hier über im Sturz unsichtbar montierte Lamellen-Storen.

Weitere charakteristische Elemente des Anbaus sind die zentral angeordneten Lichthöfe, welche den Baukörper zonieren, die Tageslichtautonomie gewährleisten und über angrenzende, verglaste Erschliessungselemente einen guten Aussenraumbezug sowie eine gute Orientierbarkeit im Innenraum ermöglichen.

Sie erstrecken sich über drei Ebenen und finden ihren oberen Abschluss in einem Glasdach, welches die klimatische Grenze bildet und durch seine 2-Schichtigkeit mit einer hinterlüfteten äusseren Ebene unerwünschte Wärmeerträge minimiert. Die Horizontalverglasung der Erschliessungsfuge ist vergleichbar konzipiert.

Die Fassade des Foyers ist als Ganzglasfassade ausgebildet und unterstützt den Grundgedanken des engen Bezugs zur Landschaft. Energetischen Ansprüchen wird durch das Glas entsprochen, ein versteckt montierter Sonnenschutz aus Rafflamellenstoren gewährleistet die Minimierung unerwünschter Wärmegewinne. Eine einfache Reinigung ist hier über Alu-Steck-Gestelle gewährleistet.

Bezugnehmend auf die exponierte Lage der Überwachungsstation greift deren Fassade bewusst auf eine andere Ausbildung als die des vorgelagerten Neubaus zurück und dreht ähnlich proportionierte Fertigbetonelemente vor einer durchlaufenden Glasebene senkrecht zum Baukörper, um somit eine grössere Fassadentiefe zu erreichen, die einer möglichst eingeschränkten Einsicht von aussen in diesen Bereich zu Gute kommt.

Das durchlaufende horizontale ausgebildete Fensterband ermöglicht dabei einen engen Bezug zur Landschaft. Die Brüstungszone der Glasfassade ist opak. Die Fassade nimmt die Formensprache der Hauptfassade auf, hebt sich aber gleichermassen von dem Rest des Gebäudes ab und bewahrt eine hohe Eigenständigkeit.

Freiraumkonzept
Das Freiraumkonzept Bellikon entwickelt aus dem bestehenden räumlich und landschaftlichen Potential heraus eine neue Umgebungsgestaltung, die einerseits den vielfältigen Nutzerwünschen im Aussenraum gerecht wird und sich optimal in das Dorfbild und die Natur-landschaft eingliedert.

Der neue Freiraum gliedert sich in fünf Bereiche:
Vorplatz, Therapie- und Trainingsbereich, Poolbereich, Dachterrasse und Landschaft Süd-West.
Der neue grosszügige Vorplatz wird mit Betonmauern gefasst unterscheidet vier Teilbereiche: den Zufahrtsbereich mit einer temporären Parkiermöglichkeit, dem zentralen Empfangsbereich, der mit einem speziellen Bodenbelag ausgestattet wird, den östlichen Ruhe- und Spielbereich und den Seitenhöfen, die in ihrer Nutzung als Kräutergarten und Gehgarten erhalten werden.

Den Vorplatz überspannen Eichen, die im östlichen Teil sich zur Küntenerstrasse hin auflösen, ähnlich der Baumtypologie des Tobels. Eine Kunstinstallation prägt den zentralen Platzbereich. Der Therapie- und Trainingsbereich umfasst die Sportplatzanlagen, den Therapiegarten mit Gewächshaus und den Bereich für das Work-Hardening, abgeschlossen wird der Bereich mit einer talseitigen Aussichtskanzel. Hangseitig werden neue Mauern und Rinnen für die Hochwassersicherung in den Hang integriert. Ein umfassender rollstuhlgängiger Fahrweg mit einer flankierenden Finnenbahn verbindet die talseits der Gebäude liegenden Freiraum-bereiche.

Der auf einer Zwischenterrasse liegende Poolbereich umfasst ein 25 m Aussenschwimmbecken mit angegliederten und vorgelagerten Liegebereichen. Talseits öffnet sich der Freiraum der Landschaft. Auf dem Gebäude vorgelagerten Plateau finden sich weitere Sport- und Trainingsanlagen.
Der westliche Freiraum wird im Strassenbereich an die Hochwasservorgaben und nutzungstechnisch an die Müllentsorgung angepasst. Die Tiefgarageneinfahrt wird mit dem Terrain folgenden Mauern in den Hangverlauf integriert. Ein der Strasse folgender Fussweg schliesst den Rundweg um die Klinik.

Ein weiterer Aussenraum ergibt sich mit der grosszügigen Dachterrasse. Vielfältige Restaurant-, Ruhe- und Spielzonen, eingebettet in eine Graslandschaft, finden sich nischenartig zwischen den Lichthöfen. Beschattet werden die Aufenthaltszonen durch eine Reihe von schlichten, U-förmigen Dachkonstruktionen, die geschlossen oder Pergola-artig offen die unterschiedlichen Bereiche und ihre Nutzungen unterstreichen. Eine grosse Promenade mit zentralem, beschirmtem Platz gibt den atemberaubenden Blick in die weite Landschaft frei.

Das Farb- und Materialkonzept des Freiraumes legt grossen Wert auf Ökologie und Nach-haltigkeit. Angestrebt werden hauptsächlich sickerfähige, recycelte Beläge. Alle verwendeten Pflanzen sind einheimisch, die Pflanzengesellschaften dem Standort angepasst.

Die Dachflächen sind überwiegend extensiv begrünt.

Publikation
Architektur-Jahrbuch 2019 der Schweizer Baudokumentation


Situationsplan Rehaklinik Bellikon von Architekten Generalplaner<br/>
Situationsplan
Erdgeschoss Rehaklinik Bellikon von Architekten Generalplaner<br/>
Erdgeschoss
1. Obergeschoss Rehaklinik Bellikon von Architekten Generalplaner<br/>
1. Obergeschoss
Längsschnitt Rehaklinik Bellikon von Architekten Generalplaner<br/>
Längsschnitt
Ansicht Süd Rehaklinik Bellikon von Architekten Generalplaner<br/>
Ansicht Süd