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Permatektur - Der Weiler als Impuls für die Entwicklung der Kulturlandschaft
Willisau

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Das Gebäude im Sommer - Umgeben vom Permakulturgarten, der mit dem Gebäude verschmelzt und eine Symbiose eingeht. © Timo J. WalkerDie Arbeitsebene - Das Zwischengeschoss dient den Unterschiedlichsten Nutzungen (Aufzucht von Setzlingen, Kräutern und das heranziehen von übrigen Schattengewächsen © Timo J. WalkerDas Gebäude im Spätwinter -  Der Permakulturgarten im Winterschlaf, doch die Arbeitsebene, die durch eine Stückholzbefeuerung ein Zwischenklima erhält, kann zur frühzeitigen Aussaat von Setzlingen genutzt werden   © Timo J. WalkerDer Wintergarten - Dient im Sommer als Gewächshaus und erweiterter Wohnraum für die temporären Aufenthaltsräume und im Winter zur Überwinterung verschiedenster Nutzpflanzen  © Timo J. WalkerDer Wohnraum - Als Herz des Gebäudes dient der in ein Wellerlehm eingebaute Stückholzheizung, wobei der Lehm als Speichermasse dient  © Timo J. WalkerDer Eingang - Der Lebensmittelspeicher (ebenfalls in Wellerlehm, aus dem eigenen Aushub), dient der mittelfristigen Lagerung der Gewonnenen Lebensmittel © Timo J. WalkerStrukturmodel - Die Struktur wurde in Hinblick auf einen möglichst kultivierten Selbstbau entwickelt (Bewohner unter Anleitung eines Zimmermanns); Spannweiten unter 6m und einfache und traditionelle Verbindungen © Lukas Galantay (HSLU, T&A, Horw)Umgebungsmodell (1:200)  © Timo J. WalkerUmgebungsmodell (1:200)  © Timo J. Walker
Kategorie:
Studentenentwürfe
Fertigstellung:
2018
Gebäudeanzahl:
1
Stockwerke:
3
Untergeschosse:
1
Anzahl Wohnungen:
3

Student

Timo Walker
Universität / Fachhochschule

Hochschule Luzern
Technik und Architektur
Technikumstrasse 21
6048 Horw

Konzept & Entwurfsfaktoren

Das Gebäude ist als Organismus zu verstehen. Es geht symbiotisch mit den bestehenden Strukturen des Weilers um und ergänzt wo nötig durch neue Funktionen. Die Symbiose geht jedoch weit über die Grenzen des Weilers hinaus. So ist eine direkte Verknüpfung mit der Stadt ein Teil des Konzeptes. Sei dies über die Direktvermarktung der produzierten Lebensmittel (mit Genossenschaften, Wochenmärkte oder Privatpersonen) oder beispielsweise über Menschen die aus der Stadt saisonal im Gebäude wohnen und arbeiten.

Das Gebäude ist hauptsächlich als Wirtschaftsgebäude zu verstehen. Es soll Permakultur, (Intensivbewirtschaftung ohne fossile Brennstoffe und Pestizide) in Bauweise und Lebensweise umsetzen. Die zwölf aus der Permakultur stammenden Prinzipien wurden in entsprechenden architektonischen Konzepten adaptiert und prägten den Entwurf des Projektes grundlegend:

PERMATEKTUR (Begriff entwickelt aus Architektur und Permakultur)

1. Orts- und Bedürfnisanalyse
2. Speicherung in Energieträgern
3. Sozialer Aspekt - Perspektiven
4. Teilautarkie - Unabhängigkeit
5. Erneuerbare Ressourcen
6. Ressourcenkreislauf
7. Vom Konzept ins Detail
8. Lokale, pragmatische Lösungen
9. Symbiotische Elemente
10. Resilienz und Vielfalt
11. Über die Parzellengrenze hinaus denken
12. Planungs- und Nutzungsflexibilität

Raum & Atmosphäre

Die grundsätzliche Typologie des Gebäudes geht von einem traditionellen Eindachhaus aus. So sind alle Nutzungen unter einem Dach vereint. Die Besonderheit liegt darin, dass die adaptierte Typologie im Grundriss und auch im Schnitt mit der Schichtung von Nutzungen eingebracht wurde.
Das Gebäude berührt die Landschaft nur durch die Punktfundamente auf der als Holz-Skelettbauweise ausgeführten Konstruktion. Der einzige grössere Aushub dient zugleich als Verankerung mit dem Terrain und als Lagerraum für die Lebensmittel im Gebäude.
Die Wohnebene, die von der Strasse her über einen grosszügigen gedeckten Vorplatz erreichbar ist, gliedert sich entlang des langen Korridors in modularen Raumkammern.

Die Arbeitsebene unter der Wohnebene dient vielerlei Funktionen, die je nach Saison anders ausfallen. Im Sommer dient dieser Bereich des Gebäudes als Werkstatt, als Lagerplatz, als Planungsort, als Umtopfstelle, als Standort von verschiedenen Nutzpflanzen, als Kräuter- und Gewürzgarten, und vieles mehr. Im Winter kann der Bereich durch festmontierte Folien vor Wind und Schnee geschützt und durch den Stückholzofen beheizt werden. Dies ermöglicht es, den Raum weiterhin als Werkstatt für die Wartung der Werkzeuge, des Anpflanzen von Wintersalat, der Überwinterung von Setzligen und sonstigen Pflanzen genutzt werden.

Wie bei den traditionellen Bauernhäusern liegt der Ofen und die Küche im Mittelpunkt des Hauses. Dabei ist das Gebäude in Klimazonen unterteilt. Die gemeinschaftlichen Aufenthaltsräume wie die Küche, Ess- und Wohnbereich befinden sich um den Stückholzheizofen und den offenen Kamin. Die ganzjährig benutzen Zimmer, als nächste Schicht direkt daneben, profitieren von der Abwärme. Die saisonal genutzten Räume sind dabei nicht aktiv beheizt, sondern nutzen die passive Solarenergie. Die Kühlung und die Frischluftzufuhr erfolgen durch eine sporadische Querlüftung.

Die Länge des Gebäudes wird mit dem Korridor und einer weiteren Sichtachse ausgespielt und schafft dadurch einmalige Sichtbezüge. Trotz der Länge von etwas über 55m, entstehen die unterschiedlichsten Räume. Ebenso wichtig für eine möglichst differenzierte und auf die saisonale Nutzungen abgestimmtes Programm sind die Aussenräume. Sie ermöglichen in den Übergangsphasen zusätzliche Aufenthaltsräume und können als Verbindungen und Abkürzungen im und um das Haus genutzt werden.

Das Arbeiten und Leben verschmelzen räumlich und auch atmosphärisch. Man hat von jedem Zimmer stets den Überblick über das Wachstum des Gartens, den Zustand der Platzen und die Landschaft. Das Gemeinschaftliche Leben steht im Mittelpunkt, das Gebäude ermöglicht aber auch den Rückzug in die Individualzimmer oder in eine der vielen Nischen.

Struktur & Aufbau

Die Struktur des Gebäudes wurde auf einem klar definierten Raster entwickelt. Dazu haben verschiedene Faktoren geführt. Ziel war es, ein möglichst modulares, konsequentes und weitgehend im Eigenbau erstellbares Gebäude zu entwickeln. Durch die Verwendung von Bauholz aus dem Sägewerk des Weilers oder der unmittelbaren Umgebung wurden die möglichen Dimensionierungen eingeschränkt. Es wurde die Annahme getroffen, dass eine maximale Spannweite von etwas über 6m möglich ist und wirtschaftlich Sinn macht. Hinzu kam der Faktor, dass dies noch eine Länge ist, die von zwei Personen getragen und montiert werden kann. Die Konstruktion ist so konzipiert, dass diese unter Aufsicht eines Zimmermannes errichtet werden soll. Dabei sind auch die Verbindungen pragmatisch und ohne grosse Ausnahme über das ganze Gebäude anwendbar. Es sind einfache Holzdübel-Verbindungen für die Queraussteifungen und konventionelle Gewindestangen für die übrigen Verbindungen vorgesehen.

Material & Konstruktion

Wie bereits bei der Struktur ausgeführt, soll möglichst ein grosser Teil des Gebäudes durch Eigenleistungen der zukünftigen Bewohner ausgeführt werden. Der Rückgriff auf möglichst viel Holz als Baustoff hat entsprechend konstruktive Folgen. Die Wand-, Boden-, als auch die Dachaufbauten sind möglichst in einem geringen Schichtaufbau und entsprechend pragmatisch in ihrer Detailierung. Wie bei den vorstehend analysierten Gebäuden werden auf traditionelle Vorgehen gesetzt und keine toxischen oder geleimten Materialien eingesetzt. Auf aus Erdöl stammende Materialien wurde grösstmöglich verzichtet. Wie die Materialrecherche am Ende des Dossiers zeigt, wurde bei der Auswahl der Materialien auf den Treibhauseffekt und Energiebedarf bei der Herstellung Rücksicht genommen. So wird die Konstruktion mit Zellulosefasern, die aus recyceltem Altpapier produziert werden, gedämmt. Auf eine konventionelle Dampfbremse wurde verzichtet. Stattdessen wurde eine auf Zellulose basierende Dampfbremse verwendet.

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Sorge für die Erde.
Sorge für die Menschen.
Begrenze Konsum und Wachstum und teile Überschüsse.


Übersichtsplan Permatektur - Der Weiler als Impuls für die Entwicklung der Kulturlandschaft von
Übersichtsplan
Wohnebene (1:50) - Umgeben vom Permakulturgarten Permatektur - Der Weiler als Impuls für die Entwicklung der Kulturlandschaft von
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Axonometrie - Konstruktionsdetails - Systemschnitte Permatektur - Der Weiler als Impuls für die Entwicklung der Kulturlandschaft von
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Konstruktionsaxonometrie - Systemabläufe  Permatektur - Der Weiler als Impuls für die Entwicklung der Kulturlandschaft von
Konstruktionsaxonometrie - Systemabläufe
Schnittansicht (1:20) Permatektur - Der Weiler als Impuls für die Entwicklung der Kulturlandschaft von
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