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Papiermuseum Düren
Wallstraße 2-8, Düren

Kategorie:
Kultur und Kult
Fertigstellung:
2018
Geschossfläche:
1262 m²
Gebäudevolumen:
5303 m³

Text: Robert Mehl

In Düren bei Köln unterzog Architekt Klaus Hollenbeck das bestehende Papiermuseum einer radikalen Sanierung. Den einstigen Ölhandel aus den 1950er-Jahren ergänzte er um einen expressiven Ortbetonflügel und organisierte das Innere komplett neu.

Als Architekt Klaus Hollenbeck angefragt wurde, das Papiermuseum der Stadt Düren zu planen, war ihm nicht klar, was dort
eigentlich ausgestellt werden sollte – etwa Bücher? Doch er erkannte, dass Papier die Basis unserer gesamten heutigen Gesellschaft bildet. Ohne Papier gäbe es keine Urkunden, keine Landkarten, keine Ausweise, kein Geld.

Den Auftrag erhielt der Planer auf Basis einer Vorstudie, die Grundlage des realisierten Baus ist. Die in Düren wirtschaftlich sehr starke Papierindustrie zeigte sich von der Studie sehr angetan. Sie stellte der Stadt Spenden in Millionenhöhe in Aussicht, um das Museum umzubauen.

Leichtigkeit und Faltung
Administrativ ist das Papiermuseum dem benachbarten Leopold Hoesch Museum (LHM), einem klassizistischen Palais von 1905, zugeordnet. 2010 erhielt dieser Bau eine hochgelobte, zeitgemässe Erweiterung, geplant von Peter Kulka. Klaus Hollenbeck suchte nach einer Bauform, die daneben bestehen kann, gleichzeitig aber das Ensemble nicht sprengt. Im Museumsthema «Papier» fand er die formale Antwort: Leicht wie dieses sollte der Bau wirken. Er betonte den schwebenden Charakter mit einer schmalen schwarzen Sockelfuge. Bewusst rückte er zudem den Bau leicht von der Bauflucht ab, als wäre dieser durch sein geringes Gewicht verrutscht. Schliesslich erhielt die Putzfassade einen diagonal verlaufenden Knick, eine origamiartige Faltung.

Weniger leicht war hierzu die Baukonstruktion: Die östliche, dem LHM zugewandte Gebäudehälfte ist ein Ortbetonbau, bei dem diese Faltung schon im Rohbau angelegt wurde. Für eine Verdeutlichung der Schalelemente-Geometrie erstellten die
Architekten 1:20-Pappmodelle der Schalungen. Die teilweise geneigten Ortbetonwände erhielten eine klassische Mineralfaserdämmung mit aufgesetzter Metallunterkonstruktion, worauf man eine zementgebundene Faserplatte montierte. Die Plattenstösse wurden mit dünnen Gewebematten überbrückt, bevor man eine dünne Putzschicht darüber zog.

Die Westhälfte besteht aus einem Altbau, einem ehemaligen Ölhandel aus den 1950er- Jahren, an dessen gemauerten Aussenwänden man eine Stahlkonstruktion ansetzte, die bis zu 1,5 Meter auskragt.

Wasserzeichen und Prägung
Der Schriftzug «Papiermuseum Düren» wurde kaum erkennbar als leicht erhabene Putzarbeit angebracht und mit Klarlack überzogen – als bauliche Metapher für die Vorgänge Papier zu prägen oder mit Wasserzeichen zu versehen. Je nach Stand der Sonne erscheint die Wandfläche nun weiss und die Schrift grau oder beides invertiert; manchmal erkennt man die Schrift auch gar nicht. Ebenso vage liess Hollenbeck neben dem OG-Fenster das Stadtwappen von Düren anbringen, das man – flüchtig betrachtet – für einen QR-Code hält.

Beziehung zu Papier
«Papier ist emotional!», Klaus Hollenbeck wählte zusammen mit der Kuratorin Caroline Kaiser diesen Satz als erste Kernaussage der neuen Dauerausstellung; ihre zweite Feststellung attestiert, dass «jeder eine Beziehung zu Papier hat.» Diese anfangs trivial klingenden Erkenntnisse können in der Ausstellung vom Besucher selbst hinterfragt werden.

Die Ausstellung ist in fünf Bereiche gegliedert: Geschichte, Wertschöpfung, Visionen, Ordnung und Kunst. Im ersten Bereich wird die Geschichte des Papiers beleuchtet, der zweite Bereich fokussiert auf die Papierproduktion, die durch die Museumspädagogik aktiv nachvollzogen werden kann. Es gibt einen sogenannten «Holländer», ein Gerät zum Zerreissen der Fasern, eine riesige Schöpfbütte und schliesslich eine 500 Kilogramm schwere Papierpresse. Alle drei Geräte mussten statisch auf separaten Fundamenten stehen; zudem war für die bewusst um 20 Zentimeter erhöht angelegte «Wertschöpfungsinsel» eine eigene Drainage erforderlich. Gerade bei diesem Themenbereich war die Personalunion von Ausstellungsmacher und Architekt ausgesprochen vorteilhaft.


Buch zur Eintrittskarte
Mit der Eintrittskarte erhält jeder Besucher ein Buch als persönliches Geschenk. Es ist ein «Erklärbuch» anstelle eines typischen Audio-Guides oder eines Katalogs – als Hommage an die Buchkultur, für die Papier eben auch steht. Lediglich zu dem Ausstellungsbereich «Ordnung» finden sich darin keine Einträge. Er befasst sich mit der gesellschaftlichen Entwicklung, die nur auf der Basis von Papier möglich war: Landkarten, Ausweise, Papiergeld, Aktien und vieles mehr. Diese Elemente werden heute durch die Digitalisierung abgelöst. Deshalb erhält der Besucher diese Informationen exklusiv per Handy-App auf digitalem Weg.

Kontrovers wurde im Vorfeld diskutiert, was ein Besucher macht, wenn er kein Handy besitzt oder dies zu alt für die verwendete Software ist. Klaus Hollenbeck gibt die zeitgemässe Antwort: «Wenn man nicht mit der Zeit geht, ist man raus!»

Was zunächst unfassbar arrogant klingt, spiegelt letztlich unseren heutigen gesellschaftlichen Alltag wider – die Digitalisierung ist gnadenlos. Dies zu erkennen, soll ein moralischer Anstoss der Ausstellung sein. Und es soll eine Lanze für Papier als Kulturgut brechen, auf dem Buchstaben auch noch in Jahrhunderten lesbar sein werden.

Architekt/Planer

Hollenbeck Architektur


Gereonsdriesch 2-4
DE-50670 Köln
Bauleiter

Ingenieurbüro Detlef Bartsch


Kirberichshofer Weg 6
DE-52066 Aachen

Längsschnitt  Papiermuseum Düren von Hollenbeck Architektur
Längsschnitt
Grundriss Obergeschoss Papiermuseum Düren von Hollenbeck Architektur
Grundriss Obergeschoss
Grundriss Erdgeschoss Papiermuseum Düren von Hollenbeck Architektur
Grundriss Erdgeschoss
Situation Papiermuseum Düren von Hollenbeck Architektur
Situation