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Mehrfamilienhaus in Gland VD
Avenue du Mont-Blanc, Gland

Kategorie:
Wohnen (ab 3 Wohneinheiten)
Fertigstellung:
2016
Gebäudekosten BKP 2:
2.6 Mio. CHF

Das kleine Haus

Das Genfer Büro Collinfontaine architects stellt eine gelungene Alternative zur Zersiedelung vor. Das Mehrfamilienhaus in Gland VD verbindet auf raffinierte Weise Wohn- und Arbeitsräume.

Direkt an einer Einfallstrasse der Gemeinde Gland gelegen, profitiert dieser ungewöhnliche Bau von seiner strategisch günstigen Lage. Durch den exponierten Standort an der Kreuzung zwischen der Avenue du Mont-Blanc und der Rue de l’Etraz erfreut sich der Bau einer grossen Präsenz.

Ziel des Projekts ist, einen neuen Lebensraum in einem heterogenen städtischen Kontext entstehen zu lassen. Da die Morphologie des zeitgenössischen Wohnens oftmals baurechtlichen Auflagen wie die Beachtung des Baufeldes oder die Parzellengrösse unterliegt, geht dies in der Regel zu Lasten der Architektur. Demzufolge versuchten die Architekten, diese Einschränkungen für sich nutzbar zu machen, um die endgültige Form des Projekts zu definieren. An der Stelle, wo früher das alte Einfamilienhaus stand, das für dieses Unterfangen abgerissen wurde, entsteht nun trotz der geringen Grundstücksfläche und der Höhenbegrenzung eine gänzlich neue Situation und räumliche Vision. Durch die Lage der Parzelle kommt nur eine Strassenrandbebauung in Frage. Dies bestimmte die Orientierung des Gebäudes nach Südosten / Nordosten, aber auch die Sonneneinstrahlung, um angenehme und natürliche Lichtverhältnisse zu schaffen.

Die baurechtlichen Einschränkungen machten sich Collinfontaine architectes zunutze, indem sie diesie als gestalterische Vorgabe umdeuteten. Das Projekt zeigt, dass es durchaus möglich ist, qualitativ hochwertige Architektur unter Einhaltung der geltenden Bauvorschriften zu schaffen.

Das kleine Haus als Metapher
Die äussere Geometrie des Gebäudes wird durch zwei grundlegende Punkte bestimmt: einerseits soll die Erinnerung an das abgerissene Einfamilienhaus bewahrt bleiben, und andererseits soll der Entwurf auf Kinderzeichnungen verweisen. Das Motiv des kleinen Häuschens, das in der kollektiven Vorstellung verankert ist, wollten die Architekten neu interpretieren.

Grosse, identische Fenster verbinden zwei aufeinanderfolgende Ebenen und verleihen der Fassade einen besonderen Rhythmus. Die Panoramafenster sind höher als breit (2,4 x 4 Meter) und sorgen für reichlich natürliches Licht in jedem Raum. Sie sind die Hauptkomponenten der Fassade. Diese übergrossen Öffnungen ermöglichen, sowohl den Massstab als auch das Volumen des Gebäudes zu dekonstruieren. Das Dach der Konstruktion weist eine Neigung von 90 Prozent auf, wodurch die geometrische Gestaltung des Hauses verstärkt wird. Für die Fassade wählten die Architekten einen grobkörnigen Putz aus zwei Farbtönen. Durch diese farbliche Raffinesse ändert sich die Wahrnehmung des Hauses, je nachdem, ob der Betrachter sich in der Nähe des Gebäudes oder weiter entfernt befindet. Die reliefartige Obrfläche reagiert auch unterschiedlich auf das Sonnenlicht. Je nach Tageszeit und Wetter wird das Gebäude unterschiedlich wahrgenommen.

Die Innenwelt
Herzstück des Projekts, das sich über mehrere Ebenen hin entwickelt, ist das Erdgeschoss: Es umfasst den Haupteingang sowie eine ebenerdige Ladenfläche mit einem grosszügigen, schattigen Aussenbereich. Die Tragkonstruktion besteht aus Stahlbeton. Der imposante Eingangsbereich wird von einem grossen Spiegel und einer grossen anthrazitfarbenen Fussmatte geprägt. Ein Betonelement an der Wand dient als Halterung für die Briefkästen aus dunkel gebeizter Esche. Die Wände und Treppen sämtlicher den Bewohnern zugänglichen Gemeinschaftsräume sind aus grobem Beton, während die Türbogen und das Geländer aus dunkel gebeiztem Eschenholz sind. Wie ein Band zieht es sich nach oben und verbindet alle Etagen miteinander.

Drei eingeschossige Wohnungen mit je drei Zimmern (Musterentwurf: 80 Quadratmeter) bilden die oberen Ebenen. Jede Wohnung ist anders gestaltet, denn die grosszügigen Öffnungen in der Fassade verleihen jedem Stockwerk einen eigenen Rhythmus. Die Materialien verstärken den Lichteinfall: Der Boden besteht aus hellen Terrazzoplatten, Wände und Decken sind weiss. Die ebenfalls hellen Küchen sind mit einer Arbeitsplatte aus schwarzem Granit ausgestattet.

Im Aussenbereich ist die Landschaftsgestaltung durchdacht und minimalistisch, insbesondere durch zwei Bäume, die den Bereich verschönern. Eine niedrige Betonmauer definiert klar die Grenzen des Grundstücks und wird durch ein metallisches Eingangstor ergänzt.

Text: Renzo Stroscio

Montana Bausysteme AG

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Grundriss 1. Obergeschoss Mehrfamilienhaus in Gland VD von collinfontaines architectes Sàrl
Grundriss 1. Obergeschoss
Schnitt Mehrfamilienhaus in Gland VD von collinfontaines architectes Sàrl
Schnitt
Fassadenabwicklung Mehrfamilienhaus in Gland VD von collinfontaines architectes Sàrl
Fassadenabwicklung
Situation in Gland Mehrfamilienhaus in Gland VD von collinfontaines architectes Sàrl
Situation in Gland