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Kantonales Kunstmuseum (MCBA) in Lausanne
Place de la Gare 16, Lausanne

Kategorie:
Kultur und Kult
Fertigstellung:
2019
Grundstücksfläche:
25'000 m²
Geschossfläche:
12'000 m²
Gebäudevolumen:
83'000 m³
Gebäudekosten BKP 2:
83 Mio. CHF

Text: Renzo Stroscio

Radikale Nüchternheit

Das neue Kantonale Kunstmuseum (MCBA) in Lausanne stammt aus der Feder des Architekturbüros Barozzi Veiga. Der Monolith aus Backstein erinnert an die bedeutende Geschichte des Ortes als Lokomotivhalle und bewahrt die Atmosphäre seiner industriellen Vergangenheit.

Im Herzen der Olympischen Hauptstadt, auf einem ehemaligen Bahngelände, erweist sich dieses mutige Kulturprojekt auch als städtebauliches Grossprojekt. Die Grundidee beruht auf einer Neuordnung des Ortes – ein zentrales Element des Vorschlags der Architekten Fabrizio Barozzi und Alberto Veiga, die 2011 den Wettbewerb für sich entschieden. Der Bauherr, der Kanton Waadt, wünschte sich zum einen ein neues Gebäudes für das MCBA und zum anderen die Entwicklung dieses Grundstücks als musealen Angelpunkt für die Stadt.


Städtische Einbindung
Die äusseren Planungsperimeter des Baus beschränkten sich nicht nur auf die Fassaden des Gebäudes, sondern integrierten auch die Umgebung. Daher mussten von Anfang an mehrere Faktoren berücksichtigt werden. Zunächst die direkte Beziehung der städtischen Umgebung mit dem Bahnhofsplatz: Die Architekten setzten das Gebäude parallel zu den Schienen, so dass ein öffentlicher Platz entsteht, der einerseits lärmgeschützt ist, andererseits das Areal mit der Umgebung verbindet. Dann die Gestaltung des Museums: Das Originalgebäude war durch eine logische Funktionalität geprägt und nicht dafür vorgesehen, Museumräume zu beherbergen. Dadurch waren erhebliche Eingriffe in die verschiedenen ursprünglichen architektonischen Strukturen und Elemente notwendig. Tatsächlich, wie einer der Architekten im Interview erklärte, entsprach das Gebäude nicht den aktuellen Normen und Anforderungen für diese Art von Nutzung.


Ein neues Gebäude mit Bezug zum Vorgänger
Es war von ausgeschlossen, die Bausubstanz als solche zu erhalten. Deshalb wurde ein neues Gebäude errichtet, das an die Vergangenheit erinnert und einige spezifischen Elemente hervorhebt. So bilden beispielsweise die grossen Spannweiten und Arkaden zusammen ein starkes und symbolisches Bild. Auch das Mittelschiff der historischen Lokomotivhalle ist erhalten geblieben. An der Ostfassade erinnert die Anordnung eines dünnen Edelstahlprofils an die Existenz eines der Seitenschiffe. Die neue Morphologie des Gebäudes zielt auf eine nüchterne, minimale und kompakte Lesbarkeit ab. Das Ergebnis ist ein zweckmässiges, monolithisches Gebäude mit einer Fläche von 12 000 Quadratmetern, das sich durch seine Materialität auszeichnet. Rund 800 000 Backsteine in einem Grauton erinnern an die Molasse aus der Vergangenheit des Industriegeländes, sie bilden die Aussenhülle. Bei der Verlegearbeit wurde darauf geachtet, die Fuge zwischen den Backsteinen von Hand zu ziehen. Diese traditionelle Technik, kombiniert mit der Porosität des Backsteins, erzeugt bei allen drei monolithischen Fassaden den gleichen reliefartigen Effekt. Zum Platz hin bricht die durch ein Spiel von vertikalen, wiederkehrenden Elementen «aufgelockerte» Fassade die Massivität des Gebäudes und öffnet sich mit transparenten Fensterausschnitten.

Eine vertikale Verteilung
Im Inneren ist der Terrazzo-Bodenbelag eine Mischung aus vor Ort gegossenen Zement und Quarz, die Wände sind mit abgetöntem Kalkstreichputz versehen, der von Hand aufgetragen wurde. Der Haupteingang des Museums ist ein spektakulärer Saal mit einer Gesamthöhe von 21 Metern, der als Hauptzugang dient und von dem die vertikale Erschliessung zu den wichtigsten Räumen führt. Im Erdgeschoss befinden sich alle öffentlichen Funktionen: das Foyer, die Kasse, die Buchhandlung, das Restaurant, ein Auditorium und ein temporärer Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst. In den beiden Obergeschossen befinden sich auf beiden Seiten der Haupthalle die Museumsräume, im Westen diejenigen mit der permanenten Sammlung und im Osten jene für die Wechselausstellung. Jeder dieser Teile kann an die Bedürfnisse der jeweiligen Ausstellungen angepasst werden. Die Erschliessung des Gebäudes durch das Foyer und die zentrale Treppe ermöglicht dem Besucher eine klare und einfache Wegführung.


Die natürliche Beleuchtung, ein Hauptanliegen
Hohe Fenster, mit Blick auf den Platz im Norden sorgen dafür, dass viel Licht in die öffentlichen Räume im Erdgeschoss kommt. Sowohl die Verwaltungsfunktionen als auch die nach aussen offenen Werkstätten profitieren von der natürlichen Beleuchtung. Einige der Ausstellungsräume im ersten Stock werden seitlich, von Norden her, beleuchtet, der optimale Lichteinfall, um Kunstwerke zu präsentieren und ihre Erhaltung zu garantieren. Die Nordfassade ist durch feste vertikale und senkrechte Lamellen vor der Sonne geschützt. Die oberen Räume verfügen über Zentilicht, das gedämpft wird durch Dachoberlichter, welche das Licht filtern und vor der Sonne schützen; von aussen schützen Lamellenstoren. In allen Räumen ermöglicht ein Regelsystem eine feine Dosierung des natürlichen Lichts und eine bedarfsgerechte Verdunkelung der Museumsräume.


Kohärente Aussenanlagen
Die historischen Erinnerungen an den Ort wurden erhalten und sind in den Aussenanlagen gut lesbar. Im Gesamten betrachtet, reagiert der Entwurf intelligent auf die Herausforderungen, denen sich ein solcher Bau auf einer Industriebrache stellen muss. Darüber hinaus bindet das Projekt ökologische Gedanken ein. Vor diesem Hintergrund wurden zurückgeschnittene, hohe Bäume auf dem Gelände gepflanzt, um so die Beziehung zwischen dem Bahnhofsplatz und dem Museumsplatz zu verstärken.

Erdberührte Dämmsysteme

Erdberührte Dämmsysteme


Dämmsysteme gegen Erdreich, Perimeterdämmungen, Bodendämmungen


Pittsburgh Corning (Schweiz) AG

Pittsburgh Corning (Schweiz) AG


Schöngrund 26
6343 Rotkreuz
Sottas SA

Sottas SA


Rue de l'Industrie 30
1630 Bulle

Architekt/Planer

Estudio Barozzi Veiga S. L.


Calle Bailén 36, 1º 2ª
08010 Barcelona
0932 152 761
Diverses

Fruehauf Henry & Viladoms SA


Chemin Renou 2
1005 Lausanne
021 552 03 70
Bauingenieur

Ingeni SA Lausanne


Bureau d'ingénieurs
Rue du Jura 9
1004 Lausanne
021 644 22 22

Grundriss Erdgeschoss Kantonales Kunstmuseum (MCBA) in Lausanne von Estudio Barozzi Veiga S. L.
Grundriss Erdgeschoss
Grundriss 1. Obergeschoss Kantonales Kunstmuseum (MCBA) in Lausanne von Estudio Barozzi Veiga S. L.
Grundriss 1. Obergeschoss
Grundriss 2. Obergeschoss Kantonales Kunstmuseum (MCBA) in Lausanne von Estudio Barozzi Veiga S. L.
Grundriss 2. Obergeschoss
Schnitt Kantonales Kunstmuseum (MCBA) in Lausanne von Estudio Barozzi Veiga S. L.
Schnitt
Schnitt  Kantonales Kunstmuseum (MCBA) in Lausanne von Estudio Barozzi Veiga S. L.
Schnitt
Situationsplan Kantonales Kunstmuseum (MCBA) in Lausanne von Estudio Barozzi Veiga S. L.
Situationsplan