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Instandsetzung und Neubau Klybeckstrasse 37, Basel
Klybeckstrasse 37, Basel

Kategorie:
Wohnen (ab 3 Wohneinheiten)
Fertigstellung:
2018
Gebäudeanzahl:
1
Stockwerke:
6
Untergeschosse:
1
Anzahl Wohnungen:
4
Geschossfläche:
846 m²
Gebäudevolumen:
2749 m³

Schlichte Eleganz

Im belebten Kleinbasel hat das Basler Büro Stump & Schibli einen schmalen Neubau über sechs Geschosse in eine Baulücke eingepasst. Das Projekt zeichnet sich durch seine filigrane Gestaltung der Fassade und die freien Grundrisse der Etagen aus.

Der von der historischen Baulinie zurückgesetzte Neubau wirkt zwischen dem benachbarten Discounter und einer lauten Strassenkreuzung mit Tramhaltestelle erstaunlich ruhig.

Vor der Überbauung wurde das Grundstück als Biergarten von der benachbarten Eckkneipe genutzt. Diese gehört zu einem inventarisierten, aus dem Ende des 19. Jahrhunderts stammenden Eckgebäude, das sich im Besitz der «Einwohnergemeinde der Stadt Basel» befindet. Die Altbauliegenschaft wurde grundlegend saniert, und auch in Bezug auf Erdbebensicherheit auf den neuesten Stand gebracht.

«Immobilien Basel-Stadt» schrieb für diese Liegenschaft einen Wettbewerb im Generalplanerverfahren aus, für das sich 19 Teams beworben haben. Besonders überzeugen konnte das Baulücken-Projekt von Stump & Schibli durch seine Eleganz und Effizienz. Ausserdem entsprach der zu kalkulierende Kostenrahmen den Vorstellungen der Bauherren.


Tanzende Linien

Das strassenseitige Erscheinungsbild erinnert an Bauten aus Paris oder Mailand. Die Fassade ist in vier aufstrebende, tragende Pfeiler aus wassergestrahltem Beton und dazwischenliegende französischen Fenster unterteilt. Die davor liegenden filigran wirkenden Geländer aus schmalen Stahlprofilen scheinen vor den Glasflächen zu schweben. Leicht wie Büroklammern meint man sie vor den Faltschiebeläden aus natureloxiertem Aluminium tanzen zu sehen.

Weitergeführt wird diese unprätentiöse Schönheit im angepassten Farbkonzept des Altbaus (mit der seitlichen, eingeschossigen Erweiterung aus den 1930er-Jahren), dessen Fassade in verschiedenen Grautönen abgestuft ist. Eine wohltuende Geschlossenheit und Eleganz, die in der Nachbarschaft gänzlich zu fehlen scheint.

Die Nutzungen über die sechs Geschosse sind vielfältig: Das sehr hohe, lichtdurchflutete Erdgeschoss wird als Büro genutzt, in dem sich ein Architekt eingemietet hat. Es ist nicht nur durch einen städtisch geprägten Vorgarten geschützt, sondern kann auch einen kleinen, aber begrünten Innenhof mitbenutzen.

Darüber sind drei 3,5-Zimmer-Wohnungen, konzipiert als Einspänner, übereinander gestapelt. Nach oben schliesst das Haus mit einer Maisonette-Wohnung mit beidseitigen Terrassen ab.

Wohnen in Zonen

Der Regelgrundriss über die drei oberen Stockwerke ist von schlichter Eleganz. Der Grundriss ist in Ost-/ Westrichtung ausgerichtet. Analog zu den drei grossen französischen Fenstern auf der Strassenseite sind die Wohnungen in drei breite Raumschichten für unterschiedliche Bereiche geteilt:
Die an den Altbau angrenzende erste Raumschicht, die im hofseitigen Teil mit Lift und Treppenhaus den Neubau erschliesst, schafft zur Strassenseite hin noch Platz für eine Küche, die übereck angeordnet ist.

Die mittlere Schicht ist ein durchgehender Raum von ungefähr 11 x 3 Metern, nutzbar als Wohn- und Essbereich für die etwa 75 Quadratmeter grosse Wohnung. An beiden Seiten begrenzen ihn französische Fenster, Licht fliesst durch den Raum. Bei Bedarf kann der Raum mit Faltschiebeläden, die hinter den corbusianischen Lüftungsflügeln versteckt sind, verdunkelt werden.

Das Schliessen und Öffnen von Wandflächen sind auch ein Thema im Inneren des Grundrisses: Raumhohe Schiebetüren lassen sich an den beiden Enden zur Fassade hin als Verlängerung der Wand bewegen.

Die nördliche Schicht des Grundrisses bestimmt eine mittige, mit dunklen Mo-
saikfliesen ausgekleidete Nasszelle, die ihn in zwei gleichwertige Räume teilt. Das Badezimmer ist bei Bedarf von zwei Seiten mit einer Pivottür zu schliessen. Zum Hof hin erweitert ein grosszügiger, gedeckter Balkon den Grundriss nach Westen, mit dem Ausblick auf einen der typischen Kleinbasler Hinterhöfe mit Gewerbebauten.

Ein Sitzplatz mit Blick auf den Hof

Die Rückseite des Neubaus wird von einem kleinen Hinterhof gefasst, der links von einer alten Bruchsteinmauer eingerahmt wird. Drei Flatterulmen werden ihn mit den Jahren zunehmend begrünen.

Auf der rückseitigen Hoffassade zieht es den Blick hinauf, wie auf einen grossen Kamin. Modelliert aus denselben Materialen wie zur Strassenseite, bestimmen die tragenden Elemente aus wassergestrahltem Beton und die bewegten Balkongeländer das Bild der Rückfassade. Sie fassen die Freisitze und Attikaterrassen von zwei Seiten.

Die Bewohner und Nutzer sind glücklich über diese Rückzugsmöglichkeiten, inmitten des belebten aber rheinnahen Quartiers. Mit Bravour haben Stump & Schibli Architekten das Baulückenthema gemeistert.

Architekt Daniel Hubner, Stump & Schibli über das Staketengeländer aus pulverbeschichtetem Stahl:
«An der Zusammenarbeit mit H. Meier Metallbau haben wir die Präzision und das Engagement für die Entwicklung unseres Staketengeländers besonders geschätzt. »

Architekt Daniel Hubner, Stump & Schibli über die Betonkosmetik:
«Die mangelhaften Arbeitsfugen und Kiesnester an der hydrogejetteten Sichtbetonfassade wurden mit profunder Kenntnis und viel Feingefühl reprofiliert und ausgeglättet.»

Text: Sibylle Hahner

Erstmals veröffentlicht im
Magazin der Schweizer Baudokumentation, 2020-2

Architekt/Planer

Stump & Schibli Architekten BSA


Architekturbüro
Clarastrasse 6
4058 Basel
061 273 88 50
Bauherr

Immobilien Basel-Stadt


Fischmarkt 10
4051 Basel
061 267 47 00
Spezialist

H. Meier Metallbau GmbH


Binningerstrasse 84
4123 Allschwil
061 481 10 86

Situation Instandsetzung und Neubau Klybeckstrasse 37, Basel von Architekturbüro<br/>
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Erdgeschoss Instandsetzung und Neubau Klybeckstrasse 37, Basel von Architekturbüro<br/>
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2. Obergeschoss Instandsetzung und Neubau Klybeckstrasse 37, Basel von Architekturbüro<br/>
2. Obergeschoss
4. Obergeschoss Instandsetzung und Neubau Klybeckstrasse 37, Basel von Architekturbüro<br/>
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Querschnitt Instandsetzung und Neubau Klybeckstrasse 37, Basel von Architekturbüro<br/>
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