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Hotel Zwiback in Dübendorf
Am Wasser 3, Wallisellen

Kategorie:
Gastgewerbe und Tourismus
Fertigstellung:
2016
Stockwerke:
5

Zu Gast in der Genossenschaft

Im Norden Zürichs entstand auf dem Grundstück der ehemaligen Seidenzwirnerei Zwicky & Co. AG ein neues Quartier. Die Architekten Schneider Studer Primas planten das Hotel Zwiback als Teil eines lebendigen Genossenschaftsbaus.

Die Lage des Hotels Zwiback scheint Fluch und Segen zugleich zu sein – man könnte sagen, sie ist verzwickt. Die gute Auslastung von 75 Prozent hat sicherlich auch damit zu tun, dass Booking.com verspricht, der Gast sei hier vom Zentrum der Stadt wie auch vom Flughafen Zürich nur neun Kilometer entfernt. Luzern und St. Gallen trennen jeweils nur 70 Kilometer von der Unterkunft. Diese Distanzen lassen sich dank der neuen Glattalbahn mit dem öffentlichen Verkehr, aber auch mit dem Auto sehr gut bewältigen. Der Autobahnzubringer liegt direkt vor der Tür, was manchen User von Booking.com vermutlich eher verunsichert und schlaflose Nächte befürchten lässt.

Verzwickte Lage
Das Hotel ist Teil der Wohnsiedlung Zwicky Süd, die von den Architekten Schneider Studer Primas geplant, ausgeführt und 2016 fertiggestellt wurde. Zwicky Süd ist das Baufeld E des Zwickyareals im Norden Zürichs. Es wurde nach einem revidierten Gestaltungsplan aus dem Jahre 2011 von der traditionsreichen ehemaligen Seidenzwirnerei Zwicky & Co. AG in mehreren Etappen zu einem neuen lebendigen und urbanen Quartier mit vielfältigem Wohn- und Arbeitsraum umgewandelt. 125 Wohnungen, also etwa die Hälfte des Baufelds, werden von der Genossenschaft Kraftwerk 1 vermietet. In der dritten Siedlung der bald 25 Jahre jungen Baugenossenschaft sollten nicht nur neue Wohnformen entwickelt werden. Inmitten eines Netzes aus Autobahn und Nationalstrassen werden auch die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft in der Siedlung angestrebt. Die Siedlung ist autoarm. Es steht nur eine begrenzte Anzahl an Parkplätzen zur Verfügung. Die Bewohner müssen den Besitz eines Autos aus medizinischen oder berufsbedingten Gründen rechtfertigen.

Geschickt haben die Architekten die Siedlung so konzipiert, dass sie mit drei verschiedenen Gebäudetypen einerseits auf die Lärmbelastung reagieren, andererseits aber auch eine Kompaktheit und soziale Dichte entsteht, die an diesem Unort die nötige Urbanität schafft. Die Erscheinung der äusseren Scheiben, die mit Laubengängen und unzähligen Balkons versehen sind, erinnert an Urlaub und Feierabend. Aber nur in der östlichsten Ecke der Überbauung ist auch wirklich ein Hotel zu finden. Hier sind die Werte der Lärmimmission wegen der exponierten Lage zu hoch, um Wohnnutzung einzuplanen, doch nicht zu hoch für eine Hotelnutzung. Auf fünf Etagen gibt es jeweils zwei bis drei Zimmer und eine Suite, wo die Gäste für einige Nächte dank kontrollierter Lüftung und gut isolierenden Fenstern ausreichend Ruhe finden. Sicherlich ist es nicht weniger ruhig als in den anschliessenden Kleinwohnungen der Scheibe. Einzig grössere Balkone wurden hier weggelassen. Raucher können eine schmale Aussenzone benutzen, wo auch Kleidungsstücke zum Lüften ans Geländer gehängt werden können.

Zu Gast bei einem Experiment
Nachdem die Investoren für das Baufeld E feststanden, waren Ideen gefragt: Nun war es wichtig, eine gute Mischnutzung in dieser Lage zu erreichen. Ein grosser Gewerbeanteil musste eingeplant werden. Mit den erreichten 18 Prozent ist dies gelungen. Mit einer sozialen Einrichtung, der Stiftung Altried, konnte dieser Planungsperimeter abgedeckt werden. Ihr Integrationsprojekt Zwiback führt das Hotel und das Bistro, das gleichzeitig Siedlungstreff, Hotel-Rezeption und ein integratives Arbeitsplatzkonzept für 14 Menschen mit einer Beeinträchtigung ist. Bewusst wurden diese Synergien in die innovative Siedlungsform eingebunden, aber auch die Hotelgäste lernen die Hintergründe ihres Heims auf Zeit kennen. Zudem profitieren sie von einem guten Preis-Leistungsverhältnis, da das Hotel als Institution geführt nicht gewinnorientiert ist.

Das Wohnzimmer auf Zeit
Das Bistro, wo sich Quartier-Bewohner, Personen aus den umliegenden Firmen, Ateliers, Büros, Kinderkrippe, Schüler des Lycée und Passanten zum Mittagessen oder einfach zum Kaffee treffen, ist für die Hotelgäste nicht einfach nur eine Rezeption, sondern ihr eigentliches Wohnzimmer auf Zeit. Es gibt dementsprechend Sitzmöglichkeiten unterschiedlicher Ausprägung, entweder am langen Holztisch mitten im Raum oder an der gepolsterten Eckbank neben dem raumhohen Fenster. Die Architekten haben Möbel entworfen, die als Raumtrenner, aber auch als Geschirraufbewahrung, Vitrine oder Kassennische dienen. Die erstaunlich gute Akustik wird durch die kunstvoll gestaltete Decke erreicht. Dass kostengünstig gebaut wurde, wird nicht versteckt: Beispielsweise sind die Wände aus geschlämmtem Sichtbackstein, und die Betondecke des Schalungstyps 2 ist zwischen den ockerfarbenen nachhaltigen Holzwolle-Akustikplatten zu sehen. Der einfache, angeschliffene Hartbetonboden glänzt edel und scheint durch die grossen Fensteröffnungen nahtlos in den Aussenraum überzugehen.

Cooles Understatement im Schlafzimmer
In die 14 Hotelzimmer gelangt man über den Hauseingang des Nebenhauses des Bistros. Mit dem Lift gelangt man zu den zwei Laubengängen, welche beide auch von den Hausbewohnern benutzt werden. Man könnte ebenso zu Fuss über eine Treppe und das Dach der Siedlungshalle in den ersten Stock steigen, vorbei am Fahrradabstellplatz und einem öffentlichen Pingpongplatte. Wieder vermischen sich die Nutzungen der Hotelgäste und der Bewohner.

Beim Betreten des Zimmers wird es klar, dass es sich hier um kein Zimmer einer billigen Hotelkette handelt. Designer-Möbel stehen vor schwarzen und goldig gestrichenen Zimmerwänden. Am Fenster wartet ein gemütlicher Ledersessel von dem Brasilianer Paolo Mendes da Rocha und daneben ein Arbeitstisch mit einem einfachen Holzstuhl von Sergio Studer, der auch schon im Bistro zum Einsatz gekommen ist. Die Betten wie auch die dazugehörenden Nachttische können je nach Zimmerbelegung als Doppel- oder mit gebührendem Abstand als Einzelbetten an einer Rückwand aus Eiche positioniert und fixiert werden. Das stabile aber filigrane, schwarze Metallgestell ist 1954 vom Schweizer Hans Gugelot entworfen worden. Darüber hängen jeweils ausgesuchte Fotografien aus dem Archiv der ETH. Der alte Flughafen Dübendorf in Aufnahmen aus der Zeit der Pioniere ist darauf abgebildet. Man ist angekommen.

Text: Claudia Frigo Mallien

Architekt/Planer

Schneider Studer Primas GmbH


Pfingstweidstrasse 6
8005 Zürich
044 521 23 10
Bauingenieur

Schällibaum AG


Ingenieure und Architekten
Bahnhofplatz 11
9100 Herisau
071 354 80 40
Landschaftsarchitekt

Lorenz Eugster Landschaftsarchitektur und Städtebau GmbH


Hardstrasse 69
8004 Zürich
Bauphysiker

Kopitsis Bauphysik AG


Zentralstrasse 52a
5610 Wohlen AG
056 201 44 44
Bauphysiker

Ernst Basler + Partner AG


Mühlebachstrasse 11
8032 Zürich
044 395 16 16
Totalunternehmer

Senn Resources AG


Davidstrasse 38
9000 St. Gallen
071 227 30 10

Erdgeschoss Bistro Hotel Zwiback in Dübendorf von Schneider Studer Primas GmbH
Erdgeschoss Bistro
Drei Doppelzimmer Hotel Zwiback in Dübendorf von Schneider Studer Primas GmbH
Drei Doppelzimmer