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Hotel Frutt Family Lodge & Melchsee Apartments
Untere Frutt , Melchsee-Frutt

Kategorie:
Gastgewerbe und Tourismus
Fertigstellung:
2015
Gebäudeanzahl:
4
Stockwerke:
5
Untergeschosse:
1
Parkplätze:
4
Anzahl Wohnungen:
43
Grundstücksfläche:
5270 m²
Geschossfläche:
12'260 m²
Gebäudevolumen:
36'890 m³

Gebäudeteile und Nutzungskonzept: Hotel und Ferienwohnungen in einer Anlage

Der Gebäudekomplex umfasst ein Vier-Sterne-Hotel und Ferienwohnungen. Beide Nutzungen sind über den gemeinsamen Empfangshof und Sockelbau erschlossen. Das Hotel befindet sich im östlichen, die Wohnungen im westlichen Teil der Anlage.
Der Hoteleingang an der Ostseite des Hofs und die Rezeption bilden den Dreh- und Angelpunkt des Hotels: Im Süden schliessen das Restaurant und die Bar an mit Panoramaaussicht und Terrasse zum See. Im Norden liegt am Hof der Raum für die Kinderbetreuung, Richtung Hang folgen die Verwaltungsbereiche.
In den zwei darüber liegenden Giebelbauten befinden sich die Hotelzimmer mit Aussicht zum See oder auf den Hof.
Ein Stockwerk tiefer, im Untergeschoss Richtung See, befinden sich Wellness, Kino, Bowlingbahn und weitere Zimmer. Zum Wellnessbereich zählen Schwimmbecken, Saunabereich, Ruheraum und ein Wärmebad mit Panoramaaussicht.

Die beiden westlichen Giebelbauten umfassen die 43 Ferienwohnungen. Sie verfügen über separate Eingänge vom Hof. Im Sockelgeschoss befinden sich die zweigeschossigen Wohnungen mit eigener Terrasse. Die Wohnungen mit 2.5 bis 4.5 Zimmern in den oberen Baukörpern verfügen zum Teil über Erker und französische Balkone. Alle Wohnungen wurden im Geschosseigentum verkauft, können jedoch über das Hotel an Gäste vermietet werden.

Architektur: zwischen alpiner Tradition und Moderne

Eingefügt in Ortsbild und Landschaft: Schlussteine am See

Der Ort Melchsee-Frutt liegt am Melchsee auf rund 1900 Meter über Meer. Der Neubau des «Frutt Family Lodge & Melchsee Apartments» liegt direkt am Seeufer. Die vier Baukörper bilden als markante Schlussteine den Übergang des Ortes zum See. Die Architektur nimmt die ortsübliche Bauform des freistehenden Giebelhauses auf, die vier Baukörper ruhen jedoch auf einem verbindenden Sockel. Mit ihren flachen Giebeln und unterschiedlichen Fenstern erinnern sie an grosse Steinbauten in den Alpen wie Berghütten oder Hospize. Jedoch scheinen die schweren Bauten über dem verglasten Sockelbau zu schweben – gleich dem Spiegelbild der Berge im See.
Winkel und Erker verleihen den Volumen Plastizität. Das Auf und Ab der Dächer und die warmgraue Farbgebung lassen die Baukörper wie riesige Findlinge wirken und mit den Bergen zu einer alpinen Silhouette verschmelzen.

Der Hof als Empfangsgeste

Von Norden betritt man den Hof. Vor der windigen Rauheit der Bergwelt geschützt, ist er Ort des Empfangs und Bindeglied zwischen Aussen und Innen. Monolithe aus Beton bilden Treppen, Rampen und Sitzbänke. Zwischen den Baukörpern ergeben sich Ausblicke in die Bergwelt. Die verglaste Hoffassade lässt Aussen und Innen verschmelzen und Blicke kreuzen. Die Eingänge zu den Bauten befinden sich geschützt unter den vorragenden mächtigen Baukörper.

Räumliches Konzept und Innenarchitektur: die veredelte Berghütte

Wie das Äussere folgt auch das Innere dem Bild der veredelten Berghütte. Astiges Eichenholz und Naturstein geben den atmosphärischen Grundton vor. Aussen die raue Bergwelt, innen die Gemütlichkeit eines zeitgemässen, alpinen Stils. Die lebendige Formensprache setzt sich fort: Weite und enge Raumfolgen wechseln sich ab, schaffen Sichtachsen und gemütliche Ecken. Wo der Innen- und Aussenraum sich treffen, greifen sie ineinander: Sonnenlicht durchflutet die Räume – und der Blick schweift in die Weite der Bergwelt.

Restaurant und Bar: Gemütlichkeit und Bergpanorama

Südlich der Rezeption und durch eine grosse Flügeltüre von dieser getrennt, befinden sich Restaurant und Bar. Unter einem markanten Dach reihen sich hier Stübli, Restaurant und Bar, begleitet von der Aussicht zum See. Die hölzerne Struktur des Sockelbaus wird sichtbar: Kräftige Stützen und das Auf und Ab des Daches gliedern den Raum. In Richtung Titlis bildet das Stübli mit seinem Eckpanorama den Auftakt. Bindeglied ist das grosszügige Restaurant mit Ausgängen zur Sonnenterrasse am See. Im Westen bildet die Bar mit Lounge und einem mächtigen Kamin den Abschluss.

Wellness: eine eigene Welt

Von der Rezeption über die Haupttreppe nach unten erreicht man den Wellnessbereich. Die lebendige Formensprache findet ihren Höhepunkt. Gleich den karstigen Bergen und Höhlen der Frutt schafft die Architektur ein körperliches und räumliches „Naturerlebnis“:
Die Umkleiden betonen mit dunklen Hölzern und Steinzeug den intimen, geborgenen Charakter der Vorbereitung auf Bad und Sauna. Im Hauptbad kehrt sich die Wahrnehmung: Schrägen und Winkel aus Stein schaffen eine eigene Welt. Ein grosses Oberlicht flutet tagsüber Raum und Becken mit Licht. Speier lassen das Wasser in Hauptbecken und Kleinkindbecken plätschern. Warme Gneissteine aus dem Onsernonetal und Sitzlandschaften aus heller Eiche laden zum Ruhen ein. Ein Trinkbrunnen löscht den Durst. Abends erlischt das Oberlicht – dafür beginnen Schwimmbecken und Möbel zu leuchten.
Dem Hauptbad folgt das kleinere Wärmebad mit Aussicht auf Berge und See. Es markiert den Abschluss des Bades und einen Übergang zum Saunabereich.
Dampfbad, Biosauna und Finnische Sauna bilden getrennt vom Bad einen eigenen Bereich. Kleinräumige Raumabfolgen, astige Eiche an Wänden und Decke und warme Beleuchtung schaffen eine introvertierte Atmosphäre. Hellere und dunklere Raumpartien wechseln ab. Ein tagsüber von Oberlicht beleuchteter Entspannungsraum ist Abschluss und Bindeglied zugleich: an den Seiten des Pentagons liegen die Zugänge zur kleinen Frischluftterrasse, zum Wärmebad und zum Ruheraum mit Blick über See und Berge.

Family Suiten: Flexibilität für Paare und Familien

Die 10 Familiensuiten können als klassische, grosszügige Suite wie auch als Familiensuite für bis zu fünf Personen genutzt werden. Wohnraum, Schlafzimmer und Badezimmer sind durch schliessbare Flure verbunden – der Gast entscheidet, welche Räume verbunden bleiben und wo die Türe geschlossen wird. Der Wohnraum verfügt über zwei Schrankbetten, welche den Raum in eine Juniorsuite mit Sofaecke und Schlafbereich umwandeln lassen. Mit einem beigestellten Kleinkindbett ergeben sich so fünf Schlafgelegenheiten. Die Badezimmer sind in drei Kammern für Bad, Duschen und WC getrennt und können so von verschiedenen Familienmitgliedern gleichzeitig benutzt werden.

Konstruktion und Materialien

Tragwerk: massiver Beton und Dächer aus Holz

Ein massiver Betonbau bildet die Grundstruktur der Sockelgeschosse und oberen Baukörper.
Die bis zu fünfgeschossigen Baukörper sind als Betonmassivbau ausgeführt. In den Obergeschossen sind die Erschliessungskerne und Aussenwände tragend. Neben den Vertikallasten nehmen sie Windlasten von Stürmen von über 200 km/h auf. Im Erdgeschoss werden die Lasten auf innenliegende Betonscheiben umgeleitet, die wiederum auf dem massiven Untergeschossbau ruhen.
Das Erdgeschoss ist, wo nur eingeschossig, als Ingenieurholzbau ausgeführt. Die Holzelementdecken sind teils mit Stahlträgern verstärkt und lasten auf Stahlstützen sowie tragenden Betonwänden.
Die Dachtragwerke der Giebelbauten sind als Holzbalkenkonstruktion ausgeführt.

Verputzte Baukörper: Berghütte und Findling zugleich

Die Fassaden der Baukörper folgen dem Gestaltungsbild alpiner Putzbauten und sind daher in einem mineralischen, groben Rauputz ausgeführt. Die Farbtöne sind lokalen Gesteinen entlehnt. Auf über 1900 Metern über Meer ist zudem ein robustes und sicheres Fassadensystem essentiell, das den harten Wetterbedingungen trotzt. Für das Objekt wurde von Sarna-Granol das Fassadensystem K5 EPS 030 GR 240 mm mit einem mineralischen Rauputz 4-5 mm gewählt. Die hydrophile Keim-Silikatfarbe wurde in einem zweiten Gang wässrig mit einem leicht unterschiedlichen Ton lasiert und erhält so seine lebendige Flächigkeit. Der Anstrich enthält keine Biozide.
Die Holz-Aluminium-Fenster von der Holzbau Bucher AG sind innen natur Fichte belassen. Die äusseren Profile empfinden mit ihren unterschiedlich dunklen, braunen Metallicbeschichtungen gestalterisch alte Holzfenster nach.


Verglaster Erdgeschosssockel: Leichtigkeit von Aussen und Aussicht von Innen

Der verglaste Sockelbau ist als Pfosten-Riegel-Fassade in Holz und Metall ausgeführt, die an die Winkelformen in Grund- und Aufriss angepasst wurde. Die Materialisierung orientiert sich an den Fenstern der Obergeschosse. Wo keine transparente Verglasung nötig ist, sind die Flächen zwischen den Pfosten mit schwarz hinterlackiertem Glas gefüllt. Die innen sichtbaren Pfosten, Riegel und Fensterbretter aus Fichte wurden teils gebürstet, um die Maserung des Holzes hervorzuheben.

Oberirdisches Untergeschosses: der Steinsockel

Die Fassade des zum See gerichteten Untergeschosses ist mit Natursteinblendern verkleidet (System K-Kerag von Sarna-Granol). Das rustikale Mauerwerksbild entspricht dem Sockel des Vorgängerbaus. Fensterbänke, -laibungen und -stürze wurden mit Stahlton-Elementen verstärkt, um dem massiven Charakter des Sockels zu betonen.

Bedachung: Bautraditionen und Eingliederung in die Landschaft

Die Dächer sind analog zu traditionellen Schiefer- und Blechdächern mit grau einbrennlackierten Blechschindeln der Firma PREFA gedeckt. Die grossformatigen Schindeln haben eine matte, nicht reflektierende, mehrtönig graue Farbe. Diese harmoniert mit den Tönen der Fassaden. Materialität und Farbtöne dienen somit der gestalterischen Einfügung der Bauten in die steinig graue Landschaft.
Das Dach über dem Erdgeschoss erhielt eine Steinschüttung aus den Bruchsteinen des Aushubs. Es wird so zum landschaftlichen Element, auf dem sich mit der Zeit ein Bewuchs durch Moos, Flechten und Blumen bilden kann.


Innenausbau: Holz und Stein

Im Innenausbau dominiert Eiche, massiv oder furniert, zum Teil gebürstet oder thermobehandelt. Auf den Böden wechseln, je nach Beanspruchung, Tessiner Onsernone-Gneis, Riemen-Eichenparkett und Teppich. Der massive Kamin in der Lounge wurde mit Natursteinblendern verkleidet.

Nachhaltiges Energiekonzept: Energiegewinnung aus Seewasser

Das Energiekonzept der Anlage ruht auf drei Pfeilern: Energieerzeugung aus nachhaltigen, nicht fossilen Quellen. Minimierung von Wärmeverlusten. Maximierung von Wärmerückgewinnung.
Die primäre Energie wird mittels Wärmepumpe co2-neutral aus dem Seewasser gewonnen. Die Firma Cofely AG baute auf der Melchsee-Frutt hierzu einen Energie-Ring: Die Wärmepumpe entzieht dem Seewasser die Wärme und heizt damit die «Frutt Family Lodge», die «Melchsee Apartments» und über den Verbindungstunnel auch die «Frutt Lodge & Spa». Für Heizspitzen und bei Ausfällen der Seewasserpumpe steht eine Ölheizung zur Verfügung. 90% des Energiebedarfes beider Hotels werden mit der Wärmepumpe abgedeckt. Somit werden jährlich ca. 180‘000 l Heizöl weniger verbrannt und 450 t weniger CO2 ausgestossen.

Die Wärmedämmungen der Gebäudehülle weisen U-Werte von 0.12 W/m²K auf und unterbieten damit die Anforderungen an den Minergiestandard um 20 %. Sämtliche Räume sind mit einer kontrollierten Lüftungsanlage ausgerüstet.

Im Gebäude anfallende Abwärme aus kontrollierter Lüftung, Kälteanlagen und Abwässern wird zurück gewonnen und reduziert den primären Energiebedarf weiter.

Publikation
Kristalline Kuben, NZZ, 18.2.2016 ///
Von der Ruine zum Resort, Hochparterre, No. 3/16 ///
swiss-architects, Bau der Woche, eMagazin #06|16 ///
Architektur-Jahrbuch 2016 der Schweizer Baudokumentation

Krüger + Co. AG im Architektur-Jahrbuch 2016
Krüger + Co. AG im Architektur-Jahrbuch 2016

Produktinformation der Krüger + Co. AG im Projekt Hotel Frutt Family Lodge, Melchsee-Frutt (OW)

Architektur-Jahrbuch 2016
Architektur-Jahrbuch 2016

Produktinformation der Sarna-Granol AG zum Projekt Hotel Frutt Family Lodge (OW)


Krüger + Co. AG
Krüger + Co. AG
Winterhaldenstrasse 11
9113 Degersheim
Sarna-Granol AG
Sarna-Granol AG
Hochhaus
6060 Sarnen
FeuerschutzTeam AG
FeuerschutzTeam AG
Kirchstrasse 3
5505 Brunegg
Hodel Trennwände AG
Hodel Trennwände AG
Hochstrasse 1
6213 Knutwil
MÜLLER-STEINAG ELEMENT AG
MÜLLER-STEINAG ELEMENT AG
Bohler 5
6221 Rickenbach LU
O. Küttel AG
O. Küttel AG
Industriestrasse 10
6010 Kriens
Saint-Gobain Weber AG
Saint-Gobain Weber AG
Täfernstrasse 11b
5405 Dättwil AG

Architekt/Planer

architekturwerk ag
Rütistrasse 27
6060 Sarnen
041 666 28 00
Architekt/Planer

Philip Loskant Architekt Eth/Sia
Seebahnstrasse 85
8003 Zürich
044-4402771
Innenarchitekt

Matthias Buser
Steinwiesstrasse 76
8032 Zürich
044 262 53 36

Situationsplan Hotel Frutt Family Lodge & Melchsee Apartments von architekturwerk ag
Situationsplan
Schwarzplan mit Dorf und See Hotel Frutt Family Lodge & Melchsee Apartments von architekturwerk ag
Schwarzplan mit Dorf und See
Erdgeschoss mit Legende Hotel Frutt Family Lodge & Melchsee Apartments von architekturwerk ag
Erdgeschoss mit Legende
Obergeschoss mit Legende Hotel Frutt Family Lodge & Melchsee Apartments von architekturwerk ag
Obergeschoss mit Legende
Untergeschoss/Seegeschoss Hotel Frutt Family Lodge & Melchsee Apartments von architekturwerk ag
Untergeschoss/Seegeschoss
Untergeschoss/Seegeschoss mit Legende Hotel Frutt Family Lodge & Melchsee Apartments von architekturwerk ag
Untergeschoss/Seegeschoss mit Legende
Erdgeschoss Hotel Frutt Family Lodge & Melchsee Apartments von architekturwerk ag
Erdgeschoss
Obergeschoss/Regelgeschoss Hotel Frutt Family Lodge & Melchsee Apartments von architekturwerk ag
Obergeschoss/Regelgeschoss
Schnitt Ost-West  Gebäude &Hof Hotel Frutt Family Lodge & Melchsee Apartments von architekturwerk ag
Schnitt Ost-West Gebäude &Hof
Ansicht Süd von See Hotel Frutt Family Lodge & Melchsee Apartments von architekturwerk ag
Ansicht Süd von See
Schnitt Wellness Hotel Frutt Family Lodge & Melchsee Apartments von architekturwerk ag
Schnitt Wellness
Detail Fassadenkonstruktion Hotel Frutt Family Lodge & Melchsee Apartments von architekturwerk ag
Detail Fassadenkonstruktion
Grundriss Wellness mit Legende Hotel Frutt Family Lodge & Melchsee Apartments von architekturwerk ag
Grundriss Wellness mit Legende