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Frank LLoyd Wright Ambassador of Nature 02 I Aequilibrium zwischen Mensch und Natur
Phoenix

Kategorie:
Studentenentwürfe
Fertigstellung:
2018
Gebäudeanzahl:
7
Stockwerke:
2

Architekt/Planer

Barbara Ruech
Vorderrain 29b
6432 Sautens
0043 660 4947422
Universität / Fachhochschule

Universität Liechtenstein
Fürst Franz Josef-Strasse
9490 Vaduz FL
00423 265 11 11

N 33° 27‘ W 112° 4.2‘, Arizona

Unser Studio funktioniert wie ein Labor und eine Baustelle zugleich. Die Semesteraufgabe lautet – The Bathroom Exercise. Eine Vielfalt an vorgegebenen Grundlagen in Form von Frames erzeugen die Entwurfsgrundlage unseres Studios.
Der erste Frame setzt sich mit dem Standort – mit dem Ort der Inspiration im südlich gelegenen Bundesstaat Arizona auseinander.
Den zweiten Frame formt ein individuell ausgewähltes Kunstwerk „das Mile Long Drawing“ von Walter de Maria. Das Kunst- werk verbindet sich zugleich mit dem dritten Frame, mit einem literarischen Werk – Big Sur von Jack Kerouac. Die Person des Architekten Frank Lloyd Wright sowie die vorhergehende Reise in die Vereinigten Staaten definieren sich über den vierten Frame. Den letzten und wichtigsten Frame des Studios erzeugt das tägliche private Ritual. Die Auseinandersetzung mit dem Prozess des Entdeckens und Weiterentwickelns leitete mich zu folgender Frage: Wie muss ein Baderaum der Ruhe am einsamen Saguaro Lake in Arizona entwickelt werden, der den menschlichen Körper zurück in sein natürliches Gleichgewicht bringt und zugleich auf die Wasserknappheit in Arizona reagiert?

Nach Literaturrecherchen, Zeichnungen und Arbeitsmodellen folgten erste Ideen zum Konzept. Basierend auf einem Grundraster aus Tatami-Matten entstand eine Gebäudekomposition, verborgen hinter einfassenden Mauerlementen am Saguaro Lake. Das entstandene Raumgefüge ist eingebettet in einem wild gewachsenem Garten umrandet von einem mit Säulen begrenzten Laubengang für Spaziergänge im Areal. Das konzipierte Raumgefüge diskutiert das Thema der Besinnung gegenüber dem eigenen Körper und stellt ihn anhand von Maßstabsbezügen in den Mittelpunkt des Geschehens. Eine räumlich ineinander fließende Abfolge und Gliederung der Reinigung bringt den Mensch zurück in sein natürliches Gleichgewicht. Die Umgebung des wild gewachsenen Parks und die unberührte Berg- und Seelandschaft unterstreicht die Verbundenheit zur Natur.

Das Verständnis für das Mile Long Drawing vom Landartist Walter de Maria veranlasste bereits zu Beginn des Semesters die Anfertigung eines Denkmodels. Die erfassten Hauptthemen des Kunstwerkes „space, time, order and measurement“ [Fiesel, 2017] wurden im Model zum Aus-
druck gebracht. Die kreisförmige Betonplatte steht als Erinnerung, wie eine Ruine, an mein letztjähriges Semesterprojekt und beinhaltet das Thema des Maßstabes. Ein Mensch mit der Größe von 1,84 m entspricht im Maßstab eins zu sechs dem Durchmesser der runden Platte. Dabei wurde mir bewusst, dass der Körper den Mittelpunkt meines Projektes und den damit verbundenen Prozess bildet. Der Mensch erweckt den Raum und seine Nutzung zum Leben. Im Zuge des Entdeckens wurde das Modell zeichnerisch in einer Schnitt-Grundriss-Kombination dargestellt. Den weiß schattierten Querschnitten in den Plänen wird wie den weißen Kalklinien der Meile die Vergänglichkeit zugeschrieben. Während des Zeichenprozesses erinnerten mich die Risse der Betonplatte an eine Ruine, an ein Objekt das eine Geschichte aus der Vergangenheit in sich trägt.


We don’t see the world in frames. We frame things for particular time.
We see with our body and we see with all of our senses“ [Irwin, 2014].

Der Ort der Reinigung ist ein Bereich des Bewusstseins gegenüber des eigenen Körpers. Dabei nehmen wir die uns umgebende Hülle mit dem gesamten Körper wahr. Wie Irwin beschreibt, beginnen wir Dinge mit unseren Sinnen und mit unserem Körper zu sehen. Beim Ritus der Reinigung handelt es sich um mehr als nur um eine reine hygienische Pflege der einzelnen Körperteile. Die Faszination für die japanische Kultur brachte weitere Denkanstöße und Ideen mit sich. In dieser Arbeit ist mein Interesse von der Wasserknappheit, der Wahrnehmung und den Sinnen geprägt. Daher entwickelte ich einzelne Studien zu unterschiedlichsten Themen des Badezimmers. Die täglichen Beobachtungen im Badezimmer wendete ich für den Entwurf von spezifischen Räumen an. Anhand von Skizzen beschäftigte ich mich mit den Ideen zu den unterschiedlichsten Räumlichkeiten und deren Nutzungen. Diese Untersuchungen entstanden paralell zur Ausarbeitung der gesamten Gebäudestruktur .Jede einzelne Beobachtung diente als hilfreiches Werkzeug für die weitere Zusammensetzung der Gebäudekomposition.

Anhand analytischer und zeichnerischer Untersuchungen des vitruvianischen Menschen konnte ich feststellen, dass sich der gesamte Leib mit den Verhältnissen von Körperteilen beschäftigt. Dabei spielt der goldene Schnitt eine wesentliche Rolle. Ein Grundraster aus Tatami Matten und der vitruvianische Mensch waren die Ausgangslage meiner Arbeit. Mit diesem Grundkonzept zur Formenfindung begann ich rechteckige und quadratische Elemente anhand der Proportionen des goldenen Schnittes zu entwickeln. Es entstand eine Gebäudekomposition aus einer Vielfalt von ineinanderfließenden Räumen. Die Position der einzelnen Bereiche wurden vom Raster sowie vom goldenen und silbernen Schnitt bestimmt. Die vom vitruvianischen Menschen abgeleitenen Kreissegmente bilden unterteilende sowie bewegungsanregende Wandscheiben.


// Mithilfe des Prospektes kann das Projekt anhand von Darstellungen des Prozesses und den dazugehörigen Texten besser verstanden werden. //


"Der Zugang zum Baderaum"

Der hinter der hohen Mauer wild gewachsene Park und die darin situierte Gebäudekomposition des Bades wird über die Meile betreten. Eine Mauer mit einem vertikal angeordneten Schlitz zeigt sich als Gesicht des Ortes. Der Zugang über die gleißmäßig aufsteigende Treppe der Meile hat die Funktion eines Meditationsweges. Bereits am Eingang zum Ort wird der Besucher, wie in einem Film, an der Hand genommen. Die beiden Wände der Meile begleiten die Person bis zum Eingang und verringern sich mit dem Aufstieg in ihrer Höhe. Dabei entscheidet jeder einzelner Schritt über die Wahrnehmung der Landschaft. Die in der Gehlinie ersichtliche Mauer übermittelt die Botschaft einer undurchdringlichen Barriere. Der Schlitz, die einzige Öffnung ist mein Ziel. Der Aufstieg zum Baderaum gestaltet sich, in der anhaltenden Hitze Arizonas, langsam. Die Näherung und schlussendliche Durchdringung des Schlitzes bedarf einer Willensanstrengung. Bis der Besucher in der Nähe der Mauer war, hat sie einem verborgen was sich dahinter befindet. Wie ein Filmregisseur wird der Besucher in Atem gehalten. Das Passieren der Mauer gibt einem das Gefühl, sich in einer andere Welt zu bewegen. Inspiriert vom Film spielt der Weg zum Bad mit Blicken, Spannung, Auflösung und Anstrengung.


Publikation
https://issuu.com/universitaet_liechtenstein/docs/bsc_ru_cklblick_2017-2018/8

Grundriss  Frank LLoyd Wright Ambassador of Nature 02  I  Aequilibrium zwischen Mensch und Natur von Barbara Ruech
Grundriss
Ansicht, Nordost A-A Frank LLoyd Wright Ambassador of Nature 02  I  Aequilibrium zwischen Mensch und Natur von Barbara Ruech
Ansicht, Nordost A-A
Ansicht, Südwest B-B Frank LLoyd Wright Ambassador of Nature 02  I  Aequilibrium zwischen Mensch und Natur von Barbara Ruech
Ansicht, Südwest B-B
Schnitte D-D I C-C Frank LLoyd Wright Ambassador of Nature 02  I  Aequilibrium zwischen Mensch und Natur von Barbara Ruech
Schnitte D-D I C-C
Zentralperspektive Frank LLoyd Wright Ambassador of Nature 02  I  Aequilibrium zwischen Mensch und Natur von Barbara Ruech
Zentralperspektive
Schnitte E-E I F-F  Frank LLoyd Wright Ambassador of Nature 02  I  Aequilibrium zwischen Mensch und Natur von Barbara Ruech
Schnitte E-E I F-F
Detail I Dampfbad Frank LLoyd Wright Ambassador of Nature 02  I  Aequilibrium zwischen Mensch und Natur von Barbara Ruech
Detail I Dampfbad
Detail I Körperreinigung Frank LLoyd Wright Ambassador of Nature 02  I  Aequilibrium zwischen Mensch und Natur von Barbara Ruech
Detail I Körperreinigung
Detail I Toilette Frank LLoyd Wright Ambassador of Nature 02  I  Aequilibrium zwischen Mensch und Natur von Barbara Ruech
Detail I Toilette
Übersichtsplan I Schnitte und Ansichten Frank LLoyd Wright Ambassador of Nature 02  I  Aequilibrium zwischen Mensch und Natur von Barbara Ruech
Übersichtsplan I Schnitte und Ansichten