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Forsthaus Chopfholz
Chopfholzstrasse, Rüschlikon

Kategorie:
Kultur und Kult
Fertigstellung:
2012
Gebäudeanzahl:
1
Stockwerke:
2
Grundstücksfläche:
89'064 m²
Geschossfläche:
80 m²
Nutzfläche:
75 m2
Gebäudevolumen:
606 m³
Gebäudekosten BKP 2:
850'000 CHF

Das Forsthaus Chopfholz liegt am linken Zürichsee Ufer, auf einer Waldlichtung am höchsten Punkt der Gemeinde Rüschlikon. Es bietet Waldspaziergängern einen überdachten Rastplatz mit Blick auf den Zürichsee an und kann von RüschlikonerInnen für Feste gemietet werden. Das neue Waldhaus wurde von der Gemeinde als Ersatz für die im Jahre 2009 niedergebrannte Hütte in Auftrag gegeben. Um zwischen den hochstämmigen Tannen zur Geltung zu kommen, steht das Forsthaus mit hohem, spitz zulaufendem Satteldach auf dem Waldboden. Da das Dach dadurch den größten Teil der Gebäudeansichten ausmacht, wurde Wert auf eine lebhafte Wirkung der Dachhaut gelegt. Auf den dunklen Blechrauten bilden sich die komplexen Schatten der Bäume ab, der Regen lässt die Rauten glänzen, im Sonnenlicht leuchten sie hell auf, das Dach ist ein einziges, großes Strickwerk von ineinander gehängter Einzelrauten. Die Holzfassade ist mit Nadelholzteer behandelt, welches der Hütte zusammen mit dem dunklen Dach ein durchgehend schwarzes Gewand verleiht. Die Farbigkeit des Waldes kontrastiert so vor allem im Herbst wunderbar mit dem Waldhaus. - Einzig die Fenster sind weiß umrahmt und verleihen der Hütte auch aus der Ferne, durch das Dickicht hindurch, ein Gesicht. Dem vom Satteldach geprägten Volumen wurde seeseitig eine überdachte Terrasse herausgeschnitten und gegen Norden zeichnet sich die ins Obergeschoss führende Treppe ab. Zwei Giebelaugen, eine massive Eichenstütze beim Eingang, figurenhafte Kamine und eine Dachgaube schmücken die grundsätzlich zurückhaltend in Erscheinung tretende Hütte.


Projektbeschreibung
Situation, Architektur und Ausdruck: Das Forsthaus Chopfholz liegt am linken Zürichsee Ufer auf dem höchsten Punkt der Gemeinde Rüschlikon auf einer Waldlichtung. Es bietet SpaziergängerInnen einen überdachten Rastplatz mit Blick auf den Zürichsee und kann von Ortsansässigen für Feste gemietet werden. Um sich zwischen den hochgewachsenen Bäumen zu behaupten, wurde das Forsthaus mit einem imposanten, spitz zulaufenden (55°) Satteldach versehen. Die Dachhaut besteht aus anthrazitfarbenen Blechrauten, welche wie lebendig wirkend auf Sonnenlichteinstrahlung, den Schatten der Bäume und den Regen reagieren. Aus dem Gebäudevolumen wurde seeseitig eine überdachte Terrasse herausgeschnitzt, gegen Norden zeichnet sich die ins Obergeschoss führende Treppe ab. Zwei Giebelaugen, eine massive, einladende Eichenstütze am Eingang, an Figuren erinnernde Kamine und eine Lukarne schmücken die im Grundsatz zurückhaltend in Erscheinung tretende Hütte und nehmen das Märchenhafte auf, welches den Wäldern innewohnt. Die Holzfassade ist mit skandinavischem Nadelholzteer behandelt, welches der Hütte, zusammen mit dem dunklen Dach, ein durchgehend schwarzes Gewand und den unverwechselbaren, rauchigen Duft verleiht. Die Farbigkeit des Waldes kontrastiert so vor allem im Herbst reizvoll mit der Fassade. - Einzig die hölzernen Fensterrahmen wurden weiss gestrichen und lassen die Hütte so auch aus Distanz, durch das Dickicht hindurch, wirken. Im Innern empfängt das Waldhaus die Festgemeinschaft in einem grosszügigen, hellen Saal.
Dem Vorbild der „Urhütte“ folgend besteht das Forsthaus primär aus einem einzigen Hauptraum mit Küche(Herd) und einer archaisch anmutenden Feuerstelle. Daneben bietet sie ein kleines Obergeschoss mit Nebenräumen, welches optisch über eine quadratische Öffnung mit dem Saal verbunden ist. Eine rollstuhlgängige Toilette am Eingang komplettiert das Raumangebot.
Die Statik des Festsaales wurde so konzipiert, dass neben den Wänden keine statischen Elemente sichtbar sind. Es wurde bewusst eine gewisse Abstraktion gesucht, die Gäste sollen unter einem grossen, hölzernen Hut an massiven Holztischen sitzen, wohlbehütet von dem mächtigen Kamin. Die Innenverkleidung, bestehend aus nahezu astreinem, unbehandeltem Weißtannentäfer (21/105 mm), welches fugenlos mit Nut und Kamm verbunden, horizontal verlegt ist, unterstützt diese Abstraktheit. Gleichzeitig schafft das Tannenholztäfer durch seine Haptik und den Geruch wieder Vertraut- und Geborgenheit. Erscheint die Holzverkleidung gegen außen dunkel und witterungsbeständig, so begegnet einem das Holz im Innern in seiner Reinheit, verletzbar weich, samtig glänzend und warm. Das Forsthaus stellt eine zeitgenössische Variante einer rar gewordenen Bauaufgabe dar, es ist komfortabler ausgestattet als seine Vorläufer, fühlt sich in seinem Wesen aber voll und ganz dem Wald verpflichtet.
Konstruktion und Statik: Die tragenden Innen- und Außenwände, sowie die Decken und Dachelemente des Forsthauses bestehen aus vorfabrizierten Holzelementen. Die Elemente setzen sich aus einer Ständerkonstruktion (meist 60/220 mm) zusammen, welche zur Aussteifung beidseitig mit einer diagonal montierten 22 mm Massivholzschalung beplankt ist. Die Hohlräume sind mit Zellulosedämmung (rezykliertem Altpapier)
ausgeblasen. Die Last der Decke über dem aussenliegenden Sitzplatz wird mittels der äusseren, kalten Sparrenlage an den Giebel zurückgebunden und über die Aussenwände und den Stützen zwischen den Schiebefenstern abgetragen. Ein Teil der durch die Auskragung entstehenden Lasten, insbesondere im Bereich des Einganges mit dem kragenden Treppenkörper nimmt die Eichenstütze auf. Die Last der Nordfassade wird übers Dach auf die Längsfassaden übertragen. Das markante Dach übernimmt damit auch wesentliche Aufgaben der Statik.

Beschreibung der Besonderheiten
Die gut sechs Meter hohe Feuerstelle besteht im Kern aus einer handelsüblichen Brennzelle mit gebogenem Schutzglas und einem isolierten Rauchrohr. Die Karosserie dieser beiden technischen Elemente stellt eine vom Kunstschlosser als Einzelstück gefertigte Stahlkonstruktion mit Blechverkleidung dar. Ähnlich der Unterkonstruktion eines Bootrumpfes, setzt sich das Traggerüst der Verkleidung aus feinen vertikalen und horizontalen Stahlrippen zusammen, welche an den Kreuzungen jeweils zur Hälfte ausgenommen sind und sich somit aussteifend ineinander verzahnen. Mit diesem Gerüst wurden 2,5 mm dicke, an den Kanten auf Gehrung geschnittene Stahlsteifen, punktverschweißt (unsichtbar). Die Stahlstreifen bilden die sichtbare Hülle. Um die lebendige Oberflächenstruktur zu erhalten, wurden die Stahlstreifen tagelang der Wirkung von Säure ausgesetzt, später abgelaugt und zum Schluss mit graphithaltigem Öl abgerieben. Das Schnittmuster der Stahlrippen und Streifen für das Laserschneidegerät, wurde aufwendig mittels 3D-Model gezeichnet. Nur so konnte die Abwicklung der aus doppelt gewölbten Flächen bestehenden Form erfasst, und schließlich realisiert werden.


Publikation
Zürichseezeitung, 26. September 2012, Zürichseezeitung, 1. November 2012, Seesicht, November/Dezember 2013, Hochparterre, 08/2013, Vues du Zinc, Ausgabe 9 Dezember 2014, Schweizer Baudokumentation: Architektur-Jahrbuch 2016
Architektur-Jahrbuch 2016 der Schweizer Baudokumentation

Architekt/Planer

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Forsthaus Situation 1:1'500 Forsthaus Chopfholz  von GOA Gerber Odermatt Architekten
Forsthaus Situation 1:1'500
Forsthaus Situation 1:500 Forsthaus Chopfholz  von GOA Gerber Odermatt Architekten
Forsthaus Situation 1:500
Forsthaus Grundrisse 1:67 Forsthaus Chopfholz  von GOA Gerber Odermatt Architekten
Forsthaus Grundrisse 1:67
Forsthaus Quer- und Längsschnitt 1:67 Forsthaus Chopfholz  von GOA Gerber Odermatt Architekten
Forsthaus Quer- und Längsschnitt 1:67
Forsthaus Querschnitte Forsthaus Chopfholz  von GOA Gerber Odermatt Architekten
Forsthaus Querschnitte
Forsthaus Fassadenansichten 1:100 Forsthaus Chopfholz  von GOA Gerber Odermatt Architekten
Forsthaus Fassadenansichten 1:100
Forsthaus Detailschnitt 1:50 Forsthaus Chopfholz  von GOA Gerber Odermatt Architekten
Forsthaus Detailschnitt 1:50
Forsthaus Details Feuerstelle Forsthaus Chopfholz  von GOA Gerber Odermatt Architekten
Forsthaus Details Feuerstelle