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Erweiterung Primarschule Täuffelen
Käsereistrasse 5, Täuffelen

Kategorie:
Unterricht, Bildung und Forschung
Fertigstellung:
2018
Gebäudeanzahl:
1
Stockwerke:
3
Untergeschosse:
1

Konsequente Beschränkung

Die Erweiterung der Primarschule Täuffelen am Bielersee bei Bern ist von Morscher Architekten als selbstverständliche Einfügung in die bestehende Dorfstruktur gedacht. Zu diesem Gedanken gehört für die Planer in diesem Fall unbedingt auch die Beschränkung auf wenige Materialien und klare Formen.

Die Gegend um die drei grossen Jurarandseen Neuenburgersee, Murtensee und Bielersee wenige Kilometer westlich von Bern kann man getrost als beschaulich und malerisch bezeichnen. Bis auf die Städtchen Biel, Neuenburg oder Yverdons-les-Bains findet man hier vor allem eine kleinteilige bauliche Struktur vor, was die Seenlandschaft nicht zuletzt zu einem guten Ausflugsziel macht. In der Gemeinde Täuffelen, am Ostrand des Bielersees, befindet sich im Dorfzentrum eine denkmalgeschützte Schulanlage aus dem Jahr 1936. Damals herrschte in der Schweiz eine neue, eher sachliche Auffassung von Schulhausarchitektur vor. So ist das bestehende Haus im Grunde ein Riegelbau, an dessen schlichter Fassade die Raumaufteilung dahinter klar und schnörkellos ablesbar ist. Einziges formales Highlight ist ein markanter Erker über dem Haupteingang mit runden Ecken, entsprechend runden Eckfenstern und schmaler Dachkante, der an den Stil des Bauhauses erinnert. Eine grosse Qualität an diesem Ort sind grosszügige Freiräume vor und hinter dem Schulgebäude.

Massstabsgerechter Baustein
Diese gut funktionierende Anlage sollte nun durch einen benötigten Erweiterungsbau ergänzt werden, der mit dem alten Schulhaus und der Turnhalle ein neues Ensemble bilden soll und die grosszügige räumliche Qualität des Ortes erhält. Künftig sollten zeitgenössische Unterrichtsformen in einem attraktiven Rahmen möglich sein, so der Wunsch des Bauherrn zu Beginn des Projekts. Mit dieser Bauaufgabe, die einen durchaus sensiblen Umgang mit dem Ort verlangte, wurden Morscher Architekten aus Bern betraut. Ihr städtebauliches Konzept sieht einen länglichen, dreigeschossigen Baukörper entlang der Strasse Burrirain vor, die das gesamte Gelände der Schule flankiert. Hier positioniert bildet der Neubau eine Raumkante an der Strasse, zusammen mit dem Bestandsbau wird auf der anderen Seite der Aussenraum L-förmig eingerahmt. Zwischen beiden Gebäuden spannt sich ausserdem der Schulhof auf.

In Proportion und Massstab orientiert sich der neue Baukörper am Bestandsbau, er soll sich somit wie selbstverständlich ins Dorfgefüge einfügen. Prägend für den eingefassten Aussenraum ist ein gewisser Höhenunterschied im leicht abschüssigen Terrain, der durch eine grosszügige und begrünte Treppenanlage überwunden wird. Es entstehen Ebenen mit unterschiedlichen Aufenthaltsqualitäten und Identitäten. Der Neubau spielt dabei eine wichtige Rolle, indem er durch seine Zugänge zwischen den Niveaus elegant vermittelt: Er kann unten von der Strassenseite aus und ein Geschoss höher von der Seite des Bestandsbaus aus betreten werden.

Prägnante Reduktion
Dem Bestandsbau entsprechend ist der Neubau als Massivbau konstruiert. Seine Fassade besteht aus vorfabrizierten Betonelementen, die auf einem einheitlichen Raster beruhen, nicht zuletzt um wirtschaftlich in Herstellung und Unterhalt zu sein. Eine schlichte, aber prägnante Plastizität in der Fassade erreichen die Architekten durch Vor- und Rücksprünge, die je nach Lichteinfall ein Schattenspiel erzeugen. Die warmtönigen Fenster lugen wie eine zweite, hinter dem Beton verborgene Schicht hervor und verraten durch ihre Materialität bereits etwas von der Atmosphäre im Innenraum.

Das Raumprogramm sieht Platz für zwei Kindergärten- sowie vier Klassenzimmer mit Gruppen- und Spezialunterrichtsräumen vor. Neue Brandschutznormen haben es erlaubt, die Klassenzimmer über andere, möblierte und genutzte Flächen zu erschliessen. Somit sind im Grundriss quasi keine Korridore zu finden. Vielmehr sind alle Räume fliessende, flexibel nutzbare Raumlandschaften.

Reduzierter Materialeinsatz
Ins Auge fällt dabei neben der hohen formalen Klarheit vor allem der konsequent reduzierte Materialeinsatz. «Die Beschränkung auf möglichst wenige Materialien und das Zusammenspiel von Beton, den warmen Tönen von Boden, Fenstern und Decken erzeugen eine ruhige Atmosphäre», erläutert der Architekt Cornelius Morscher. So findet man drinnen im Wesentlichen Beton und Holz. Die Decken bestehen in den multifunktionalen Bereichen aus Holzlamellen und in den Klassenzimmern aus Betonrippen, in denen die technische Installation und die Raumakustikelemente integriert sind.

Der Boden besteht aus einem Hartsteinholzbelag, ein Material, das man eigentlich aus Industrie- und Gewerbebauten kennt, wo es dank des hohen Anteils an Holzfasern die Bauvorschriften für Gebäude mit ständigen Arbeitsplätzen und die Anforderungen der Gesundheitsvorsorge erfüllt. Steinholzböden sind druckfest, fusswarm, dauerhaft, gleitsicher und bieten ein gutes Preis-Leistungsverhältnis, weswegen bereits die Architekten des Bauhauses gerne mit dieser günstigen Alternative zum herkömmlichen Unterboden bauten.

Mit dem Erweiterungsneubau der Primarschule in Täuffelen ist Morscher Architekten ein Gebäude gelungen, das die architektonisch recht sachliche Vorgabe des Bestands geschickt in die Gegenwart übersetzt und neu interpretiert. Für Schüler und Lehrer schaffen sie eine hohe Raumqualität und schlussendlich eine neue Identität mit dem Ort und der Institution.

Text: Thomas Geuder

Uniakustik Fine SW WZ

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Mehrschicht-Akustikplatten bestehen aus Steinwolle und einer Weisszement gebundenen Holzwolle-Akustikplatte. Dank dieser Kombination erreichen diese Verbundelemente hervorragende Schallabsorptionswerte über den gesamten Frequenzbereich von 125 bis 4000 Hz. Dank einer stabilen, dauerhaften und nicht brennbaren Oberfläche sowie einer schadstofffreien Zusammensetzung eigenen sich die Platten für alle Anwendungen im Gebäudeinneren oder nicht direkt der Witterung ausgesetzten Aussenbereichen.


Dietrich Isol AG

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3700 Spiez
Feller AG

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Bergstrasse 70
8810 Horgen
Saint-Gobain Weber AG

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Täfernstrasse 11b
5405 Dättwil AG

Architekt/Planer

Morscher Architekten BSA SIA AG


Güterstrasse 8
3008 Bern
031 398 77 77
Bauunternehmer

Marti AG Bern


Bauunternehmung
Bernstrasse 13
3302 Moosseedorf
031 858 44 44

Schwarzplan Erweiterung Primarschule Täuffelen von Morscher Architekten BSA SIA AG
Schwarzplan
Situation Erweiterung Primarschule Täuffelen von Morscher Architekten BSA SIA AG
Situation
Niveau 0 Erweiterung Primarschule Täuffelen von Morscher Architekten BSA SIA AG
Niveau 0
Niveau 1 Erweiterung Primarschule Täuffelen von Morscher Architekten BSA SIA AG
Niveau 1
Niveau 2 Erweiterung Primarschule Täuffelen von Morscher Architekten BSA SIA AG
Niveau 2
Schnitt Erweiterung Primarschule Täuffelen von Morscher Architekten BSA SIA AG
Schnitt
Detail Fassade Erweiterung Primarschule Täuffelen von Morscher Architekten BSA SIA AG
Detail Fassade
A0-Plakat Erweiterung Primarschule Täuffelen von Morscher Architekten BSA SIA AG
A0-Plakat