Die führende Schweizer Informationsplattform für Bauprodukte, Architekturprojekte und Expertenprofile

Erweiterung Mitte Schulthess Klinik Zürich
Lengghalde 2, Zürich

Kategorie:
Fürsorge und Pflege
Fertigstellung:
2016
Gebäudeanzahl:
5
Stockwerke:
6
Untergeschosse:
2
Parkplätze:
93
Grundstücksfläche:
20'204 m²
Geschossfläche:
49'000 m²
Nutzfläche:
39200 m2
Gebäudevolumen:
170'000 m³
Gebäudekosten BKP 2:
80 Mio. CHF

Saint-Gobain Weber AG
Saint-Gobain Weber AG
Täfernstrasse 11b
5405 Dättwil AG
Tel. 056 484 24 24
Fax. 056 484 24 00
info@weber-marmoran.ch
www.ch.weber

Architekt/Planer

Grüter Strässle Architekten
Siewerdtstrasse 8
8050 Zürich
+443105503

Konzeption - Aus der Mitte heraus

Die Schulthess Klinik wurde 1995 an der Lengghalde 2 in Zürich erbaut. Erfreulich schnell konnte sie sich als führende Orthopädieklinik etablieren. Der Erfolg hatte nur einen einzigen Nachteil: Durch das stete Wachstum wurde das ursprüngliche Gebäude bald zu klein.

Mit den Jahren wurden diverse An- und Neubauten realisiert. Als direkte Folge entstand ein Ungleichgewicht zwischen den Betriebseinheiten. So war die Kapazität an Operationssälen zwar gut, doch es fehlte an Betten für die Patienten – und dies trotz kürzerer Aufenthaltsdauer.

Mehr Betten bedeuten zwangsläufig auch mehr Personal und Besucher – und daraus resultierend einen steigenden Bedarf an dienenden Räumen sowie gastronomischen Angeboten. Schnell wurde klar: Eine nächste Erweiterung musste umfassender sein.

Mit Testplanungen loteten wir vorab das bauliche Potential auf der vorhandenen Grundstücksfläche aus. Um einen optimalen Endzustand mit kurzen Wegen und einem funktionierenden Herz zu erhalten, entschied die Klinik nach reiflicher Überlegung, aus der Mitte heraus zu erweitern. Die Klinik-Leitung war bereit, die Nachteile einer langen Bauzeit und hoher Lärm- und Staubimmissionen in Kauf zu nehmen.
Der Lohn der Mühe entschädigt für vieles: Aus der Mitte heraus zu erweitern, stärkt den Zusammenhalt der Mitarbeitenden und schafft neue Möglichkeiten, um von innen heraus zu wachsen und zu blühen.

Die Umgestaltung verschiedenster Bereiche führte zu folgenden Teilprojekten:
• Die Halle als Zentrum in der Mitte
• Das neue Bettenhaus am Gebäudekopf gegen die Lenggstrasse
• Das Auditorium mit Schulungsräumen und Ganglabor
• Die Parkierung unter dem Aussenraum im Süden
• Die Erweiterung des Behandlungstraktes
• Die Restauration.

Dazu standen diverse Umbauten im Bestand an, und am Schluss musste der Aussenraum wieder in hoher Qualität wieder instand gesetzt und neu gestaltet werden. Aufgrund der Grösse der Klinik entschieden wir uns, die verschiedenen Bereiche in unterschiedlichen architektonischen Ausprägungen zu gestalten, um die Klinik aus der Mitte heraus abwechslungsreich immer wieder neu erlebbar zu machen. 

Gesicht - Architektur und Fassade

Die Erweiterung aus der Mitte heraus lösten wir durch Ergänzungen an mehreren Enden der bestehenden Gebäudesubstanz. Sämtliche Anbauten ordnen sich in der Silhouette den vorhandenen Volumina unter. Dennoch wurde uns bald bewusst, dass wir aufgrund der Grösse der Eingriffe die Klinik als Ganzes neu interpretieren mussten. Auch im Gesundheitswesen herrscht Wettbewerb und so stellt auch die auf Orthopädie spezialisierte Schulthess Klinik einen Anspruch an eine wiedererkennbare Architektur.

Die verglaste Halle zwischen Behandlungs- und Bettentrakt war und ist für die Klinik aus dem Jahre 1995 das Identifikationssymbol. Wir entwickelten das architektonische Konzept, die bestehenden Bauten aus dieser zentralen Einheit heraus zu extrudieren. Die Halle als Dreh- und Angelpunkt haben wir verlängert und durch einen langen Boulevard, der von der Lengghalden-Strasse zwischen den Gebäuden durch bis zum Ende des Parkes führt, verstärkt.

Die Geste des Boulevards verlangte nach einer Weiterführung der Fassade in den Zwischenraum der Halle und zwar sowohl im Ausdruck wie auch in der Materialität. Aus dem Bestand und der Nutzung heraus war die Struktur der Fassade mit ihren Lochfenstern weitgehend vorgegeben. Die Ausformulierung in Material und Ausgestaltung musste diversen, teilweise sehr unterschiedlichen Ansprüchen gerecht werden: Im Bettenzimmer soll ein Fenster möglichst Aussicht bieten, geöffnet und beschattet werden können, ohne dass Insekten lästig werden. Ein Fenster zur Halle oder im Behandlungsbereich muss hingegen fast gegenteiligen Anforderungen entsprechen. Wir entschieden uns für das Gestaltungsmittel einer übergeordneten, das Loch umfassenden Fensterzarge, um mehr Spielraum innerhalb der umlaufenden Zarge zu erhalten.

Für die Fassade suchten wir nach einem hochwertigen Material, damit wir die verschiedenen Gebäudeteile über das Material verbinden konnten. Unser Anspruch bestand darin, die Fassadenhaut dünnschichtig auf bestehende Innenfassaden sowie gedämmt auf neue Aussenfassaden aufbringen zu können. Darüber hinaus sollte das Material eine grosse Robustheit aufweisen, weil wir es im Bereich der Promenade bis zum Boden führen wollten.
Neben diesen rein technischen Anforderungen suchten wir nach einem Material, das aus der Distanz und von nahem eine spannende Wirkung erzielt und sich in der Anmutung möglichst weit vom Spitalcharakter entfernt.
Durch Zufall stiessen wir in der hintersten Ecke der Ausstellung von Plättli Ganz auf das keramische Material «Vertikal». Der Werkstoff faszinierte uns in vielerlei Hinsicht: Wegen der in Handarbeit aufgebrochenen Fläche, der Haptik sowie der Form ist das Wesen der Keramik sowohl sicht- wie auch spürbar. Bemusterungen bestätigten unsere erste Einschätzung und zeigten, dass die spezielle Form eine weitere, wundervolle Eigenschaft aufweist: Die unterschiedlich geneigten und bearbeiteten Oberflächen schaffen im Zusammenspiel mit der Sonne laufend neue Lichtstimmungen.
Ein Besuch im Herstellerwerk in Japan relativierte anfängliche Bedenken bezüglich der exotischen Herkunft des Materials. Wir stellten fest, dass es sich bei der Herstellung der Keramik um ein traditionelles Handwerk handelt, das in seiner Art einzigartig ist und nicht an einem beliebigen anderen Ort reproduziert werden kann. Leider verhinderten eng gefasste Schweizer Normen, dass die Fassade ohne Fugen ausgeführt werden konnte. Dies hat dem Material etwas Kraft geraubt. Nichtsdestotrotz weist die Fassade heute eine feine Stofflichkeit auf, die im Detail rauer wird und entsprechend strapazierfähig ist. Insgesamt glauben wir, dass es gelungen ist, der Klinik ein Gesicht zu verleihen, das Identität stiftet und wie die Kirschblüte Sinnlichkeit verströmt.

Bettenhaus - Wohnlich, aber dennoch als Spital erkennbar

Um Ausweichflächen für weitere Bauetappen zu erhalten, beschlossen wir zusammen mit der Klinik, die Bettenhauserweiterung als Erstes auszuführen. Die 42 neuen Bettenzimmer verteilen sich auf drei Geschosse und sind für eine Einzel- oder Doppelbelegung ausgelegt. Sämtliche Zimmer haben wir in der Verlängerung des bestehenden Bettenhauses angeordnet und in je eine Abteilung pro Geschoss organisiert.

Wir wollten kurze Wege erhalten und lange, fensterlose Korridore vermeiden. Damit wir ein möglichst kompaktes Neubauvolumen erzielen konnten, entschieden wir uns, die Gebäudetiefe zu vergrössern und über die Drehung einer Zimmerschicht einen sich öffnenden Gebäudeabschluss zu schaffen.

Die Überprüfung am Modell zeigte uns, dass die räumliche Qualität der Halle und das Erleben der Klinik durch die unterschiedliche Belichtung der Halle von verschiedenen Himmelsrichtungen im Gegensatz zum Durchschuss gestärkt wird.
Das neue Bettenhaus materialisierten wir bewusst in grosser Differenz zum Bestand. Dies erlaubte es uns, eine neue, andere Atmosphäre zu schaffen. Die Zimmer sollten gemäss Klinikstrategie zwar einen warmen, wohnlichen Charakter aufweisen, aber dennoch als Spitalzimmer mit entsprechenden Installationen erkennbar bleiben. Gestützt auf diese Vorgaben brachten wir die dienenden Räume im harten Sichtbetonkern unter. Die Zimmer können neu über zurückversetzte, in Nischen untergebrachte Türen betreten werden. Diese Wandtiefe schafft ein Übergang von der belebten Erschliessung und erzeugt Privatheit für die Patienten.
In den untersten zwei Geschossen erweiterten wir dem Bestand folgend die Arztpraxen sowie den Trainingsbereich der Physiotherapie.

Gebäudestatik - Versteckte Komplexität

Es ist bildlich vorstellbar, wie heikel die Erweiterung einer Klinik unter laufendem Betrieb ist, wenn der Chirurg im OP mit empfindlichsten Instrumenten arbeitet, während hinter dem Fenster schwere Bauarbeiten wie Spitzen, Bohren oder Betonieren stattfinden. Bereits in der Konzeption des Tragwerks haben wir darauf Rücksicht genommen.
Bei der Erweiterung des Bettentrakts nach Norden stellte die ständige Zugänglichkeit zur Einstellhalle eine besondere Knacknuss dar: Den Rückbau der vorhandenen Einfahrt und des bestehenden Untergeschosses sowie die Errichtung des Neubaus lösten wir durch eine geschickte Etappierung. Die Rahmenbedingungen aus Ästhetik, Statik und Abdichtung in Kombination mit der ständigen Aufrechterhaltung der Einfahrt bescherten dem bescheidenen Anbau eine hohe Komplexität.
Verschärfte Erdbebennormen zwangen die Bauherrschaft, eine Erdbebenüberprüfung der bestehenden Gebäude in Auftrag zu geben. Das Auflösen der zahlreichen Gebäudetrennfugen stellte dabei die wichtigste konstruktive Massnahme zur Ertüchtigung dar.
Beim Bettenhaus zogen wir den Schacht des neuen Bettenlifts heran, um die Horizontalstabilität des Gebäudes zu unterstützen. Ausserdem veranlassten wir, die Gebäudeabschnitte an den Decken mittels Stahllamellen schub- und zugfest zusammenzuschliessen.

Die Erweiterung aus der Mitte forderte uns in allen Disziplinen heraus und die Vielseitigkeit der gestellten Aufgaben machte das Projekt besonders spannend. Das sichtbar positive Ergebnis des Umbaus und der Erweiterung der Klink ist nicht zuletzt das Resultat der guten und einträchtigen Zusammenarbeit innerhalb des Planungsteams.

Auditorium - Das Licht unter die Erde geführt.

Den Park mit seinen wundervollen Kirschblüten erhalten und trotzdem Raum für ein Bewegungslabor, Schulungsräume, ein grosses Auditorium und Fahrzeugabstellplätze schaffen: eine auf den ersten Blick schier unlösbar erscheinende Aufgabe.
Die Lösung fanden wir eine Etage tiefer – unter dem Park. Belichtet werden die neu geschaffenen Räume über zwei in die Umgebungsgestaltung einbezogene Hofeinschnitte und ein langes Oberlicht. Die Lichtführung schafft eine unverwechselbare Raumstimmung, welche den neuen Gebäudeteil entscheidend prägt und charakterisiert.
Über den Boulevard erreicht man den zentralen Hof, an den Foyer, Auditiorium und Schulungsräume angegliedert sind. Die Räume wurden auch für die Zusammenarbeit mit der ETH konzipiert und bieten Platz und Infrastruktur für den fachlichen Austausch, Vorträge, Symposien, Kongresse, Bankette sowie Publikumsveranstaltungen. Das grosse Auditorium ist durch die sichtbare Tragstruktur und die horizontale Wandverkleidung, welche verschiedenste Ansprüche erfüllen musste, geprägt. Dank dem kräftigen Holzboden und dem seitlich einfallenden Licht entstand ein Raum mit angenehmer Atmosphäre, der unterschiedlichsten Ansprüchen gerecht werden kann.
Am zweiten Hof liegt das Bewegungslabor, in dem orthopädische Funktionen wissenschaftlich untersucht und beurteilt werden können.

Behandlungstrakt - Auf dem neusten Stand und bereit für die Zukunft

Die Erweiterung des Behandlungstraktes lösten wir durch eine schlichte Verlängerung des bereits existierenden Volumens nach Süden. Auch bei der inneren Organisation folgten wir dem bestehenden Gebäude und brachten in den vier Geschossen eine Vielzahl von Bereichen unter: zwei weitere Operationssäle, eine Tagesklink für ambulante Eingriffe, einen Aufwachsaal, Röntgenräume, Sterilisationseinrichtungen sowie eine Holding-Area für nüchtern eintretende Patienten mit direkter Anbindung an den OP-Bereich.

Mit dem auf der Ostseite angefügten Sterilgutkorridor verbanden wir die Operationseinheiten wie eine Spange zu einer eigenen, sterilen Zone. So gelang es uns auf einfache Art, die Betriebsabläufe im Operationsbereich zu optimieren und den hohen organisatorischen Anforderungen gerecht zu werden.
Der neue 2-Platz OP-Saal für Arthroskopie-Eingriffe und ein grosszügig bemessener OP-Saal wurden mit Apparaturen auf dem aktuellen Stand der Technik ausgestattet und bieten das räumliche Potential für Neuerungen und Weiterentwicklungen.

Die Erweiterung dieser Betriebseinheiten im laufenden Betrieb gestaltete sich aus nachvollziehbaren Gründen sehr diffizil. Sie stellte höchste Anforderungen an Gebäudetechnik und Ausstattung und verlangte eine minuziöse Vorbereitung, viel Engagement sowie Weitsicht und Know-how seitens aller Planer und Ausführenden.

Restauration - Der Geselligkeit Raum geben

Das gastronomische Angebot einer Klinik dient immer auch als Visitenkarte. Wer schon einmal in der Schulthess Klinik gegessen hat, weiss um deren hervorragende Küche.

Die Vergrösserung der Restauration verwirklichten wir bewusst über einen Zwischenschritt: Ein Provisorium im früher fertig gestellten Auditorium ermöglichte einen unterbruchsfreien Betrieb. Währenddessen vergrösserten wir das Restaurant auf der Eingangsseite und gliederten es neu in einen Personal- und einen Gästeteil. Gleichzeitig wurde zusätzlich die Produktionsküche saniert. Dazu stellte ein Küchenprovisorium die Verpflegung der Patienten und der Mitarbeitenden während der Bauzeit sicher.

Neu weist die Gebäudehülle eine zusammenhängende, grossflächig zu öffnende Fensterfront in der Fassade auf. Gegen die Halle ergänzten wir sie zusätzlich um einen Balkon. Auf diese Weise wird der Gastrobetrieb nach aussen geöffnet und belebt sowohl die Halle wie auch den Eingangsbereich. Der grösseren Besucherfrequenz tragen wir mit einem sogenannten Free Flow Konzept Rechnung: Dank diesem System können sich Gäste im Ausgabebereich frei bewegen und in aller Ruhe ihre Speisen auswählen.

Ergänzend schufen wir als zentralen Treffpunkt eine neue Cafeteria. Sie befindet sich auf dem Niveau des Boulevards in der Halle und überzeugt durch eine unverwechselbare, ruhige Atmosphäre. Bei der Gestaltung legten wir Wert auf ein angenehmes Ambiente mit hohem Wiedererkennungswert, welches sich vom restlichen Spital abzuheben vermag. Wirkt das Restaurant aussenbezogen und kommunikativ, so ist die Cafeteria im Gegenzug eher introvertiert, edel und bequem. Beide Räume verbindet, dass sie den kulturellen Aspekt des Essens und die vorhandene Gastronomiequalität unterstützen.



Schwarzplan Erweiterung Mitte Schulthess Klinik Zürich von Grüter Strässle Architekten
Schwarzplan
Orientierungsplan Erweiterung Mitte Schulthess Klinik Zürich von Grüter Strässle Architekten
Orientierungsplan
Grundriss EG und 1.OG Erweiterung Mitte Schulthess Klinik Zürich von Grüter Strässle Architekten
Grundriss EG und 1.OG
Grundriss 2.OG und 1.UG Erweiterung Mitte Schulthess Klinik Zürich von Grüter Strässle Architekten
Grundriss 2.OG und 1.UG
Grundriss 3.OG und 2.UG Erweiterung Mitte Schulthess Klinik Zürich von Grüter Strässle Architekten
Grundriss 3.OG und 2.UG
Schnitte und Ansichten Erweiterung Mitte Schulthess Klinik Zürich von Grüter Strässle Architekten
Schnitte und Ansichten