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Ersatzneubau Wohnhaus Missionsstrasse, Basel
Missionsstrasse 14, Basel

Kategorie:
Wohnen (ab 3 Wohneinheiten)
Fertigstellung:
2019
Gebäudeanzahl:
1
Stockwerke:
7
Untergeschosse:
1
Anzahl Wohnungen:
12
Geschossfläche:
1415 m²
Gebäudevolumen:
4392 m³

Nah am Tor

An der Missionsstrasse in Basel wird ein Wohnhaus aus den 1970er-Jahren durch einen Neubau von Nord Architekten ersetzt. Die Nutzung bleibt die gleiche, aber die Qualität der zwölf Kleinwohnungen, die in die Lücke gesprungen sind, ist beeindruckend.

Einen Artikel über eine Baulücke zu schreiben, ist schnell getan. Eine Lücke ist schliesslich leer. Wenn ein Gebäude die Lücke wieder füllt, ist es keine Baulücke mehr. Und doch, es behält für eine Weile diesen Namen, der an die entsprechenden Ansätze im Entwurfsprozess und an die erforderlichen Bautechniken während der Bauzeit erinnert. Mit der Zeit verschwindet der Name und das Haus verbindet sich mit seinen Nachbarn zu einer Häuserzeile und strahlt wie das Lächeln eines Kindes. Nichts erinnert mehr an die zahnlosen Zeiten.
Die Missionsstrasse, an der unsere Baulücke liegt, war einst die erste Ausfallstrasse der Stadt. Sie war die Verbindung zwischen der Stadt, dem Jura und den Vogesen. Die wichtige Zufahrtsstrasse führt schnurgerade auf das Spalentor zu. In den Zeiten, als das Tor noch seinen Dienst tat, geriet, wer zu spät kam, regelrecht in Torschlusspanik.
Im neunzehnten Jahrhundert entstand vor dieser Baulücke, die mit markanten Rundtürmen und einem farbigen Dach bewusst akzentuiert wurde, eine dichte Folge von repräsentativen Neubauten der Universität. An der Strasse baute die Evangelische Missionsgesellschaft Basel ihr neues Haus als Solitär und auf der gegenüberliegenden Seite folgte eine erste Blockrandbebauung.

Wohnen an der Missionsstrasse

Im Hof des Blockrands ist ein grüner ruhiger Garten mit altem Baumbestand und einem Wohnhaus aus den 1970er Jahren angelegt. Der Hof liegt ein Geschoss tiefer als die inzwischen stark befahrene Missionsstrasse. Die bürgerlichen Häuser mussten im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts ersetzt werden. Die Nachbarschaft zum Gebiet der Universitätsbauten brachte eine Nachfrage an Kleinwohnungen mit sich, auch der Vorgänger unserer Baulücke war bereits ein Appartementhaus.
Nach einer Vorstudie zu dessen Ersatz lud die «Immobilien Basel-Stadt» auch das Büro Nord Architekten zur Teilnahme an einer Projektstudie ein. Ganz in der Nähe realisierte dieselbe Bauherrschaft kürzlich ebenso qualitätsbewusst die preisgekrönte Wohnüberbauung an der Maiengasse, hier allerdings keine Kleinwohnungen, sondern Familienwohnungen im Hof eines Blockrands.
Die Lücke, in die das neue Appartementhaus eingesetzt wurde, hat an der Missionsstrasse eine Breite von 10,17 Metern und misst zum Hof hin fast einen Meter mehr. Im Grundriss orientieren sich die Architekten am rechten Winkel des westlichen Nachbarn. Im Hof übernehmen sie die Gebäudegrenze des östlichen Nachbarn. Die Ecke des Ersteren ragt etwas hervor und beugt sich sogar leicht vor die Fassade des Neubaus.
In der Höhe übernehmen die Architekten die Trauf- und Kniestockhöhe der Nachbarn und entwickeln innerhalb dieses Volumens zwölf Kleinwohnungen. Um einen mittig angelegten Erschliessungskern schmiegen sich vom 1. bis 4. Obergeschoss acht 2-Zimmer-Wohnungen. Vom Parterre aus gelangt man in zwei ebenso symmetrisch angelegte Maisonette-Wohnungen, in denen im Untergeschoss mit direktem Ausgang zum Hof gewohnt wird. Auch über dem 4. Obergeschoss wohnt man zweigeschossig. Hier kann die Treppe zum Wohnraum im Dach über dem Treppenhaus positioniert werden, wodurch kein zusätzlicher Raum in der Wohnung beansprucht werden muss, wie es in den Wohnungen im Parterre der Fall ist.

Durchwohnen

Die Besonderheit der Anlage sind jedoch die acht Kleinwohnungen in der Mittelpartie des Hauses. Hier wird die Baulücke ausgenutzt, ohne dass Torschlusspanik entsteht. Ein Singleleben ist jedoch nicht zwingend nötig, denn die Zwei-Zimmer-Wohnung bietet genug Platz für Paare, und auch das Layout gewährleistet durch eine praktische Zonierung genug Abstand. Die in eine Betonnische eingelassene Schiebetüre ermöglicht bei geöffnetem Zustand das Gefühl des Durchwohnens. Die lange Wand zur Brandmauer hin ist im Gegensatz zum Sichtbetonkern und zum zementösen grauen Unterlagsboden weiss verputzt. Über die breiten Fensterfronten fliesst viel Licht der Wand entlang weit in die Wohnung hinein. Nur die Hälfte der Fenster wird von einem darüber liegenden Balkon überdeckt. Dieser ist eher tief und nicht so breit, gross genug, um an einem kleinen Tisch sitzend über die Strasse hinweg zum Spalentor zu sehen. Die Balkone zum Hof sind etwas grösser und verfügen an der Decke über umlaufende Vorhangschienen und Vorhänge, mit denen sich die Mieter gegen Einblicke und Sonnenstrahlen allseitig schützen zu können.
Innen sind die raumhohen Fenster, wie auch alle Türen, die Küche und die Einbauschränke in solider Eiche ausgeführt, die zusammen mit dem Beton die vorherrschenden Materialien darstellen und eine reduzierte Wirkung erzeugen. Kaum sichtbar handelt es sich bei der Laibung an der Fensterseite zur Brandmauer hin in Wirklichkeit um eine Ortbetonstütze. Zusammen mit dem Erschliessungskern übernimmt sie in der Ecke die tragende Funktion. Die verputzte Wand ist nicht tragend, sie dient lediglich zur Stabilisation. Da erdbebentechnisch in Basel keine Brandmauern gemeinsam genutzt werden dürfen, sondern eine Trennung zwischen den Häusern gewährleistet werden muss, war diese Massnahme nötig. Eine vier Zentimeter breite Fuge an der Aussenfassade verrät diesen Umstand.

Blick zurück

Wer das Haus an der Missionsstrasse 14 betritt, tut dies wie durch das Spalentor: Mitten in der symmetrischen Fassade aus hell geschlemmten Kalksandstein zwischen den Balkonen lädt ein eingezogener Vorraum ohne Vordach ein, einzutreten.

Ein Treppenlauf führt nun direkt ins Untergeschoss und ein Ausgang macht den halbprivaten Hof mit gemeinsamem Sitzplatz für die Mieter zugänglich. Ein beschaulicher Weg aus bewegt angeordneten Bodenplatten führt an einer alten Eibe vorbei in den hinteren Teil des Hofes. Hier im Garten Eden angekommen, erinnert nichts mehr an Lücken. Einzig der Blick zurück auf die grosse Eibe lässt erahnen, dass die Baustelleninstallationen und Baugrubensicherung nicht nur auf der stark frequentierten Missionsstrasse bei dieser Baulücke eine grosse Herausforderung gewesen sein musste.

Architekt Samuel Grieder (Nord Architekten Basel) zu den Küchen:
«Mit den Küchen bin ich rundum zufrieden. Insbesondere die geölten Furnieroberflächen sind sehr hochwertig.»

Architekt Samuel Grieder (Nord Architekten Basel) zur Pulverbeschichtung im Aussenbereich:
«Ebenfalls glücklich bin ich mit den Schlosserarbeiten. Im Aussenbereich
bietet die dunkelgrüne «IGP Dura xal»-Pulverbeschichtung je nach Licht ein
schönes Farbspiel.»


Text: Claudia Frigo Mallien



Erstmals veröffentlicht im
Magazin der Schweizer Baudokumentation, 2020-02




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Situation Ersatzneubau Wohnhaus Missionsstrasse, Basel von Nord GmbH Architekten BSA SIA
Situation
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Erdgeschoss
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2. Obergeschoss
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Querschnitt