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Emancipation of the Periphery
Limmattal


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Schlieremerberg Territorial © Ringli / StähelinSchlieremerberg Detail © Ringli / StähelinSchäflibach Territorial © Ringli / StähelinSchäflibach Detail © Ringli / StähelinLuberzen Territorial © Ringli / StähelinLuberzen Detail © Ringli / StähelinNiderfeld Territorial © Ringli / StähelinNiderfeld Detail © Ringli / StähelinLayout Stellwände © Ringli / Stähelin
Kategorie:
Studentenentwürfe
Fertigstellung:
2016

Identity is like a mousetrap in which more and more mice have to share the original bait [...] (1)

Im Rahmen einer dem Entwurf vorausgehenden Analyse, wurde anhand von Karten, historischen Dokumenten und Plänen ein Buch verfasst, welches die Peripherie als eigenständiges Element im Schweizer Mittelland erfasst. Dem gesetzlich verankerten Föderalismus, der eine ganzheitliche Planung verunmöglicht, wurde mit dem Begriff des Territoriums begegnet. Unabhängig von politischen Strukturen, beschrieben wir die Agglomeration als eine Konstellation von Territorien, die eigenen Gesetzen und Regeln unterliegen. Unser Begriff des Territoriums beschreibt nicht nur die geographische Lage und Grenzen eines Gebietes, sondern schliesst gleichsam dessen Nutzer und Transformationsprozesse mit ein.

Die Landwirtschaft;
Die Natur;
Die Industrie;
Die Wohngebiete;


II. DAS LIMMATTAL

Anhand des Beispiels Limmattal kristallisierte sich das scharf begrenzte Nebeneinander dieser Territorien als Konstante heraus. Es ist dies der Gebiete inhärente Qualität und für uns der Reichtum des Limmattals. Diese Konstellation wird während der nächsten sechs Jahre einer grundlegenden Veränderung ausgesetzt werden:
Am 22. November 2015 verabschiedete das Stimmvolk des Kantons einen Kredit für den Bau der Limmattalbahn und stellte somit die Weichen für die nächsten 50 Jahre. Obwohl die Vorlage beim Stimmvolk grosse Zustimmung erfuhr, lehnten die direkt betroffenen Gemeinden die Vorlage ab.


II. WAS IST PASSIERT?

Die Vorgänge im Glatttal entgingen der Limmattaler Bevölkerung nicht. Seit 2010 verbindet eine Stadtbahn im Norden von Zürich den Flughafen mit dem Stadtzentrum. Der damit einhergehende Entwicklungsdruck der ein unüberschaubares Mass an schlecht funktionierenden öffentlichen Räumen, sowie eine generische Architektur der Linie provozierte, wurden seitens der Bevölkerung und Planer weit über die Kantonsgrenze hinaus kritisiert. Im Limmattal wird mit einer Bahn, die sich der baulichen Entwicklung unterordnet ähnliches verfolgt, Verdichtung und Entwicklung in der bereits heute stark frequentierten Talsohle ohne Achtung bestehender Potentiale und Qualitäten unweigerlich gefördert - eine Entwicklung in Richtung Bandstadt, die entlang der geplanten Linie entspringt.


III. EINE BAHN, EIN TAL

Da eine infrastrukturelle Verbesserung unumgänglich ist für ein Gebiet, das eine solche geographische und ökonomische Attraktivität aufweist, schlagen wir in unserem Diplomprojekt an vier exemplarischen Orte eine Linien- bzw. Haltestellenkorrektur vor. Im Vordergrund stehen die im ersten Semester beschriebenen Qualitäten. Die Bahn würde sich somit ihres passiven Charakters entledigen (dem blossen Reagieren auf ausgewiesene Entwicklungsgebiete) und zur aktiven Städtebauerin werden. Dabei wird ihre Fähigkeit ausgenutzt, kommunale Grenzen zu überwinden – ein Potential, das in der bestehenden Planung vernachlässigt wird. Bauliche Entwicklung würde so nicht vernachlässigt, sondern durch die Linienführung freigespielt wo sie problemlos vom Kontext aufgenommen werden kann und verhindert, wo dieser als schützenswert erachtet wird.


IV. BAUPLÄTZE

Schlieremerberg; Entlang dem Ausläufer der Albiskette in Schlieren werden an vier Punkten die Haltestellen repositioniert. Der visuelle Bezug zum erhöhten Plateau wird mit einem Weg entlang dessen Kante und einem neuen Durchstich und Aufgang ergänzt. Erschaffen wird damit eine Verknüpfung der Limmattalbahn mit dem Erholungsgebiet welches sich über den Üetliberg bis nach Thalwil erstreckt.

Luberzen; An der Grenze zu Urdorf führt die Linie der Limmattalbahn neu um das Industriegebiet Luberzen herum. Das noch funktionierende Industriequartier mit seinen tiefen Mieten und attraktiven Räumlichkeiten wird so geschützt. Zweitens wird an der Schwelle von Industrie- zu Wohngebiet eine dichte Bebauung ermöglicht. Diese vermittelt zwischen den Kubaturen von Industrie und Gartenstadt, markiert jedoch gleichsam die Grenze zum Quartier.

Schäflibach; Die Widersprüchlichkeit der Planung tritt hier wohl am stärksten zu Tage: obwohl die Bahn die Limmat tangiert, bleibt diese hinter Schallschmutzmauern verborgen. Unser Eingriff beinhaltet die Repositionierung einer Haltestelle an die Einmündung des seitlich zufliessenden Schäflibachs. An dieser Schnittstelle zwischen Bahn, Limmat und Wegnetz ermöglicht eine neue Holzbrücke den Zugang zum renaturierten Auenpark entlang des Flusses.

Niderfeld; Unser Vorschlag bietet eine Alternative zur bestehenden Planung auf dem Feld zwischen Dietikon und Spreitenbach. Im Gegensatz zu dieser wird der Rangierbahnhof als Potential für eine urbane und extrem dichte Bebauung gelesen. Die Linie der Limmattalbahn wird direkt an den Rangierbahnhof verlegt. Die folgende Bebauung weist somit entlang der Linie die höchste Dichte auf, die gegen das Feld abnimmt und in öffentlichen Nutzungen der neuen Stadt endet.


Das Potential der Bahn als öffentlicher Raum könnte so in entgegengesetzte Richtung weisen; eine neue Infrastruktur, die einzigartige Orte und deren inhärenten Qualitäten und Atmosphären verbindet. Die nun emanzipierte Agglomeration, eine erfahrbare Konstellation vielfältiger Territorien, würde so der Stadt ebenbürtig.


(1) Koolhaas, R. (Januar 01, 1996). Bigness oder das Problem der Größe. Arch+, 42-44.


Student

Florian Ringli


Student

Raphael Stähelin


Universität / Fachhochschule

ETH Zürich, Professur für Architektur und Konstruktion Prof. Adam Caruso


Stefano-Franscini-Platz 5
8093 Zürich ETH-Hönggerberg

Linienplan Limmattaltalbahn Emancipation of the Periphery von
Linienplan Limmattaltalbahn
Schlieremerberg Übersichtsplan Emancipation of the Periphery von
Schlieremerberg Übersichtsplan
Luberzen Übersichtsplan Emancipation of the Periphery von
Luberzen Übersichtsplan
Schäflibach Übersichtsplan Emancipation of the Periphery von
Schäflibach Übersichtsplan
Niderfeld Übersichtsplan Emancipation of the Periphery von
Niderfeld Übersichtsplan
Schlieremerberg Aufgang Haltestelle  Emancipation of the Periphery von
Schlieremerberg Aufgang Haltestelle
Schlieremerberg Ansicht Weg Emancipation of the Periphery von
Schlieremerberg Ansicht Weg
Luberzen Fassaden Industrie/Wohnen Emancipation of the Periphery von
Luberzen Fassaden Industrie/Wohnen
Luberzen EG Industrie/Wohnen Emancipation of the Periphery von
Luberzen EG Industrie/Wohnen
Schäflibach Ansicht Brücke Kopfbauten Emancipation of the Periphery von
Schäflibach Ansicht Brücke Kopfbauten
Schäflibach Seitenansicht Brücke Emancipation of the Periphery von
Schäflibach Seitenansicht Brücke
Schäflibach Grundriss Brücke Emancipation of the Periphery von
Schäflibach Grundriss Brücke
Niderfeld Schnitt Gebäude Emancipation of the Periphery von
Niderfeld Schnitt Gebäude
Niderfeld Ansicht Gleisfeld Emancipation of the Periphery von
Niderfeld Ansicht Gleisfeld
Schnitte Situation Haltestellen Emancipation of the Periphery von
Schnitte Situation Haltestellen