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Dreifachkindergarten in Würenlingen
Gartenstrasse 2, Würenlingen

Kategorie:
Unterricht, Bildung und Forschung
Fertigstellung:
2018
Gebäudekosten BKP 2:
6.8 Mio. CHF

Der Neubau des Dreifachkindergartens «Gartenstrasse» beendete das 50-jährige Provisorium eines Doppelkindergartens. Das neue, angemessen wirkende Gebäude schafft spielerisch Räume für die Kleinen.

Der Nachwuchs gewinnt
Die Aargauer Gemeinde Würenlingen erwartet in den nächsten Jahren einen Anstieg der Schülerzahlen. Also schrieb sie im Jahr 2014 unter der fachlichen Begleitung der Metron Raumentwicklung AG einen Projektwettbewerb im selektiven Verfahren aus.

Das dafür vorgesehene Baufeld in der Dorfzone war eine 2200 Quadratmeter grosse Parzelle der Gemeinde, ursprünglich ein Parkplatz, umgeben von Mehrfamilienhäusern am Fusse des Siggenbergs.

Unter den Teams, bestehend aus Architekten und Landschaftsarchitekten, konnte sich im Sinne der Nachwuchsförderung auch die jungen Architekten Malte Kloes und Christoph Reichen für die Teilnahme am Wettbewerb qualifizieren. Das Preisgericht zeichnete das Projekt mit dem ersten Preis aus und empfahl es zur Weiterbearbeitung und Ausführung.

Die Architekten überzeugten mit der Setzung des Gebäudes entlang der Gartenstrasse und mit der damit geschaffenen Abgrenzung des neuen Garten- und Spielhofes von der Strasse. Der Kindergarten sollte so einerseits als Spiel- und Aufenthaltsort der Kinder, andererseits aber auch als Filter und Schutz des öffentlich zugänglichen und von den umliegenden Häusern mitgenutzten Spielplatzes fungieren. Der ehemalige Parkplatz auf dem Grundstück wurde durch eine Tiefgarage mit 30 öffentlichen Parkplätzen ersetzt.

Der Kindergarten ist gekommen, um zu bleiben
«Zelthaus» war der spielerische Name des Wettbewerb-Projekts. An einen Zirkus erinnernd ist dieser Bau ein gelungener Akrobaten-Akt.

Ruhend und selbstverständlich wirkt das seit letztem Herbst eingeweihte Gebäude, das drei nebeneinander liegende, je 100 Quadratmeter grosse Kindergärten birgt.

Der von der Strasse her als eingeschossig wahrgenommene Bau wächst zur Gebäudemitte in die Höhe. Nach dem Eintritt der Kinder aus dem Garten in die eingeschossige Eingangszone öffnet sich der Innenraum zur doppelten Raumhöhe. Zuvor haben die Kleinen aber noch Zeit, sich umzuziehen und ihre Sachen an den feuerverzinkten Garderobenleisten in Sicherheit zu bringen. Die Leisten sind vor den grossen Innenverglasungen angebracht, die den Kindern während des Umziehens die Durchsicht in den Hauptraum gewähren.

Mit Hausschuhen bewaffnet treten sie dann auf den Fussboden aus lindgrünem Linoleum, während ihr Blick durch den vom Oberlicht hell ausgeleuchteten Kindergarten schweift. Aus den raumhohen, gegenüberliegenden Fenstern können sie auch wieder hinaus auf die Strasse blicken und sehen, wie zufällig die Nachbarin vorbeigeht oder der Bruder in das Schulhaus auf der anderen Strassenseite schlüpft. Die Kinder haben den Überblick. Jetzt sind sie bereit, das Abenteuer in Angriff zu nehmen, und sie können in die Höhe zum Raum unter dem Dach steigen. Eine Treppe hinter der Teeküche führt hinauf zu diesem Aussichtspunkt.

Die Akrobatennummer
Die Positionierung des Gebäudes entlang der Strasse brachte eine hohe Gebäudetiefe mit sich, um das Raumprogramm einhalten zu können. Auch auf das Layout der Tiefgarage hatte dies Konsequenzen, wodurch die Parkfelder in den ersten Planungsstufen etwas eng waren. Ein Kunstgriff des Statikers erlaubte, die Dimension der beim Einparken störenden Säulen zu minimieren.

Um die Deckenplatte möglichst wenig zu belasten, wurde das Dach des Kindergartens als Hallentragwerk ausgebildet. Vorgespannte Ortbetonträger, in Verbindung mit dazwischen gehängten, in Ortbeton ausgeführten Dachflächen, verteilen den Grossteil der Vertikallasten auf die Aussenfassade.

Die textil anmutende Betonfassade besteht nicht wie im ersten Moment angenommen aus Fertigelementen. Sie ist ebenfalls in Ortbeton ausgeführt und hat eine statische Funktion. Die Verkleidung der Schalungsplatten mit wellenförmigen Elastomer-Matrizen hinterliess auf dem Beton der Fassade ein vertikales Relief, welches das Auge täuscht und den Bau leicht wirken lässt.

Das Dach des Kindergartens ist vom Oberdorf her als Walmdach erkennbar und mit matt scheinenden Titanzinkschindeln eingedeckt. Es ragt rundherum grosszügig beschützend heraus. Die ebenso mit Titanzinkplatten verkleidete Untersicht des Vordachs glänzt edel.

Im Kindergarten wurde auf eine abgehängte Decke verzichtet. Der Beton von Decke und Träger bleibt sichtbar. Die Haustechnik wurde stattdessen in den Beton eingelegt. Das Rohe und Ehrliche der spannenden Konstruktion wird bewusst gezeigt. Jeweils zwei Träger unterteilen die drei Kindergärten in der Höhe, wodurch im Erdgeschoss nichttragende, hölzerne Einbauten die Räume bilden konnten. Sie können an der Strassenfassade geöffnet werden, um so die drei Kindergärten miteinander zu verbinden.

Eine feine, beinahe unsichtbare Mikroperforierung der Holzelemente genügt, um eine gute Akustik zu gewährleisten. Die Einbauten beherbergen nebst der Treppe ein Podest mit Spielecke und Stauraum, sowie darunterliegende WC-Anlagen und Archivräume. Aus der begehbaren Höhe des Zelthauses können die Kinder durch die kreisrunden, verglasten Aussparungen der Betonträger in den benachbarten Kindergarten spionieren. Sie haben alles im Blick.

Text: Claudia Frigo Mallien

Architekt/Planer

ARGE Malte Kloes & Christoph Reichen


Räffelstrasse 11
8045 Zürich
044 441 54 07
Bauführer

Schneider Spannagel Architekten AG


Poststrasse 6
5312 Döttingen
056 269 20 00
Landschaftsarchitekt

USUS Landschaftsarchitektur AG


Bäckerstrasse 40
8004 Zürich
044 503 58 80
Bauingenieur

Caprez Ingenieure AG


Weststrasse 182
8003 Zürich
043 268 60 70

Querschnitt und Längsschnitt Dreifachkindergarten in Würenlingen von ARGE Malte Kloes & Christoph Reichen
Querschnitt und Längsschnitt
Grundriss Erdgeschoss Dreifachkindergarten in Würenlingen von ARGE Malte Kloes & Christoph Reichen
Grundriss Erdgeschoss
Axonometrie Dreifachkindergarten in Würenlingen von ARGE Malte Kloes & Christoph Reichen
Axonometrie