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Büro- und Produktionsgebäude
Albert-Einstein-Strasse 15-17, Winterthur

Kategorie:
Industrie und Handel
Fertigstellung:
2017
Gebäudeanzahl:
3
Stockwerke:
7
Untergeschosse:
1
Parkplätze:
103
Grundstücksfläche:
12'700 m²
Geschossfläche:
12'900 m²
Gebäudevolumen:
32'000 m³
Gebäudekosten BKP 2:
24.6 Mio. CHF

EIN ENSEMBLE FÜR ZWEI AUFTRAGGEBER

Die prägenden Parameter des Ortes – mit der rhythmischen Struktur der Platanenallee und der Visibilität vom Gleisfeld her – werden als Katalysatoren für den Entwurf genutzt und mit den betrieblichen Anforderungen in Einklang gebracht. Die einzel-nen Nutzungen sind in drei differenzierten Volumen zusammengefasst, die unterschiedliche Freiräume aufspannen und beide Unternehmen attraktiv adressieren.
Die 100 Meter lange Produktionshalle der Zimmerei Baltensperger AG fasst den Raum entlang der Frauenfelderstrasse. Im rhythmischen Zusammenspiel von Fassade, Struktur und Platanenallee entsteht an diesem Eingangstor Winterthurs ein Gebäude von hohem Identifikationswert. Richtung Gleisfeld wird das Volumen durch einen Hochpunkt adressiert und leitet zum fünfgeschossigen Bürogebäude der Baltensperger AG über.
Der Neubau der 3-Plan Haustechnik AG spannt mit der Setzung als flankierender Hochpunkt einen Platz auf, welcher eine klare Ankunftssituation und Adressierung mit Nähe zu den gemeinschaftlich genutzten Bereichen wie Cafeteria und Aula schafft. Gestalterisch differenziert sich dieses Volumen vom Produktionsbetrieb und ist als eigenständiger Bestandteil der Anlage erkennbar.
Die Fassaden bringen die Individualität der einzelnen Gebäude und die verschiedenen Bedürfnisse zum Ausdruck, sind aber gleichzeitig durch das in unterschiedlicher Form wiederkehrende Lamellenmotiv und die horizontale Gliederung miteinander verwandt. Mit der Zeit werden die Lamellen unterschiedliche Graustufen durchlaufen und mit den Glasfaserbetonelementen und der lasierten Lattung neue Farbspiele erzeugen.

NACHHALTIGE KONSTRUKTION

Die Konstruktionsprinzipien der drei Gebäude unterscheiden sich und sind alle individuell aus den spezifischen Nutzungsan-forderungen und städtebaulichen Rahmenbedingungen entwickelt. Die Qualität der Grundrisse und Räume, welche aus dem klaren Gebäude-Raster und der Konstruktionsart herauswachsen, wird durch eine einheitliche und hochwertige Materialisie-rung, die stets eine gewisse Rohheit des Materials preisgibt, unterstützt.
Die Zimmerei und Produktionshalle sind in einer Mischbauweise (Holz-Beton) ausgeführt, wobei diese grösstenteils aus Holzrahmenelementen besteht und Beton nur dort, wo er statische Vorteile bietet, eingesetzt wird.
Das angrenzende Bürogebäude mit einer Fassadenbekleidung aus vorvergrauter Weisstanne, ist oberhalb des Umschlag-platzes in einer Holz-Modulbauweise konstruiert. Diese Bauweise erfüllt nicht nur ästhetische, sondern auch ökologische und ökonomische Anforderungen und ermöglicht eine deutliche Reduktion der Bauzeit. Im Innern gliedert die sichtbare Struktur aus Baubuche den Raum und schafft eine lebendige Atmosphäre. Die modulare Struktur bestimmt die kleinste Büroeinheit, die den Raum rhythmisiert, aber auch genug Flexibilität bietet, um Einheiten zusammenzulegen und unterschiedliche Be-dürfnisse aufnehmen zu können.
Der Beton-Skelettbau mit vorgehängten Glasfaserbetonelementen des 3-Plan Bürogebäudes kann in drei Zonen unterteilt werden: Den massiven, aussteifenden Kern, die konzentrische Zirkulationszone mit Kaffeenischen und den aussenliegen-den zonierten Open-Space Arbeitsbereich. Die drei Bereiche unterscheiden sich in ihrer Materialisierung und Farbgebung. In einer Art Verlauf gelangt man vom Kernbereich – mit Sichtbeton, Anthrazitboden und Magenta-Akzenten – über die Zwi-schenzone – die in der Decke die Technik durch die Lamellen durchschimmern lässt – in den Arbeitsbereich – mit Hartstein-holzbelag und geweissten Oberflächen, welche die Materialien sichtbar lassen, diese aber sanft vereinheitlichen.
Aussen bilden die vorfabrizierten Module über das Raster hinweg eine Struktur, die mit Verschiebungen innerhalb des Sys-tems ein Fassadenspiel generieren.
CO2-NEUTRALES ENERGIEKONZEPT

Passive Massnahmen

Die Energieeffizienz eines Gebäudes beginnt mit passiven Massnahmen und Überlegungen. Die geschaffene Grundlage lässt sich danach umso besser mit einer ausgeklügelten Haustechnik ergänzen, die sich auf das Wesentliche und das Inno-vative konzentrieren kann, anstatt vermeidbare Planungsfehler wieder gut zu machen.
Für eine optimale Nachtauskühlung nutzt das 3-Plan-Gebäude den Kamineffekt. Motorisch gesteuerte Lüftungsflügel im Bereich des Haupteingangs, in der Fassade hinter den Holzlamellen, und im Treppenhaus ermöglichen im Sommer und bei Bedarf eine natürliche Nachtauskühlung. Die Nutzer können mit einem manuellen Lüftungsflügel das Raumklima zudem individuell steuern. Der Fensterflächenanteil in der Holzfassade mit hinterlüfteten GFB-Elementen beträgt ca. 38%. Ein aus-senliegender Sonnenschutz mit Lichtlenkfunktion, schützt vor einer Überhitzung und lenkt gleichzeitig das Licht in den Innen-raum. Dort wird das Tageslicht durch die weisse Lasierung der Betondecke gestreut und ideal genutzt. Die lasierten Sichtbe-tondecken ermöglichen eine optimale Aktivierung der Speichermasse und schaffen zusammen mit dem naturfarbenen Hartsteinholz lebendige und differenzierte Arbeitsräume.

Aktive Massnahmen

Dank dem architektonischen und technischen Grundkonzept sowie einer intelligenten Steuerung der aktiven Gebäudehülle resultiert ein sehr tiefer Energiebedarf: So ist der Heizwärmebedarf der Bürogebäude um Faktor 2.5 (3-Plan) bzw. Faktor 1.7 (Baltensperger) tiefer als nach Energiegesetz. Das Besondere ist, dass die Gebäude Umgebungswärme (Luft) respektive Holzabfälle der Zimmerei nutzen und ohne fossile Energiequellen oder Erdwärme-, Fernwärme- oder Grundwassernutzung auskommen. Neben der Betriebsenergie wurde durch die Wahl der Materialien auch die graue Energie minimiert.
Das Herzstück des 3-Plan-Gebäudes bildet eine reversible Luft/Wasser-Wärmepumpe, die ein angenehmes Raumklima auch bei Tiefst- und Höchsttemperaturen sichert. Ein weiteres Puzzleteil in dem durchdachten Gesamtsystem sind die Heiz-körper, die selbstständig erkennen, ob sie sich im Kühl- oder im Heizmodus befinden und bei Bedarf einen Ventilator zu-schalten. Der Strom zum Heizen und Kühlen wird durch die Fotovoltaikanlage erzeugt.
Die modulare Struktur beider Gebäude in Kombination mit dem Minergie-P Standard ermöglicht eine langfristig flexible und nachhaltige Nutzung der Gesamtanlage.

INNOVATIVER PROZESS: KOMBINATION VON BIM UND BAUHÜTTENPRINZIP

Durch frühe und reale Visualisierungen von Problemzonen oder Diskussionspunkten konnten innerhalb des Planungsteams rasch und konstruktiv Lösungen gefunden werden. Mit den intelligenten Aufbauten der Bauteile war gewährleistet, dass alle Planer mit den identischen Kennwerten arbeiten, was zu einer hohen Planungsqualität führte.
Auch das Durchführen von energetische Simulationen hat sich im Gegensatz zu konventionellen Methoden stark vereinfacht.
Für den Holzbau der Fassade diente das digitale Modell als Grundlage für die Produktionsplanung der Elemente. Die ein-zelnen Elemente konnten direkt an die Maschinensoftware und von dort an das Abbundwerk übergeben werden für den Zuschnitt und die Bearbeitung der einzelnen Bauteile.


Zertifikat
Miniergie-P

Griesser AG
Griesser AG
Tänikonerstrasse 3
8355 Aadorf

Architekt/Planer

Bob Gysin Partner BGP
Architekten ETH SIA BSA
Ausstellungsstrasse 24
8005 Zürich
044 278 40 40
Architekt/Planer

Bob Gysin Partner BGP Architekten ETH SIA BSA
Ausstellungsstrasse 24, Postfach
8021 Zürich
+41 44 278 40 40
Bauingenieur

Wetli Partner AG
Bauingenieure + Planer SIA
Stäffelistrasse 6
8409 Winterthur
052 242 47 40
Bauherr, HLK-Planer, Umweltplaner

3-Plan Haustechnik AG
Albert Einstein-Strasse 15
8404 Winterthur
052 234 70 70
Bauherr, Bauingenieur, Spezialist

Baltensperger AG
Hoch- und Tiefbau
Albert-Einstein-Strasse 17
8404 Winterthur
052 320 22 20

Situation Büro- und Produktionsgebäude von Architekten ETH SIA BSA<br/>
Situation
Erdgeschoss Büro- und Produktionsgebäude von Architekten ETH SIA BSA<br/>
Erdgeschoss
2./4. Obergeschoss Büro- und Produktionsgebäude von Architekten ETH SIA BSA<br/>
2./4. Obergeschoss
3. Obergeschoss Büro- und Produktionsgebäude von Architekten ETH SIA BSA<br/>
3. Obergeschoss
Schnitte Büro- und Produktionsgebäude von Architekten ETH SIA BSA<br/>
Schnitte
Axonimetrie Büro- und Produktionsgebäude von Architekten ETH SIA BSA<br/>
Axonimetrie
Fassadenschnitte Büro- und Produktionsgebäude von Architekten ETH SIA BSA<br/>
Fassadenschnitte
A0 Layout Büro- und Produktionsgebäude von Architekten ETH SIA BSA<br/>
A0 Layout