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Boutiquehotel Alex
Seestrasse 182, Thalwil

Kategorie:
Gastgewerbe und Tourismus
Fertigstellung:
2019
Geschossfläche:
2672 m²

Wie ein Schiff am Meer

In Thalwil, unmittelbar am Ufer des Zürichsees, befindet sich seit den 1950er-Jahren das Hotel Alexander, das nun generalüberholt und baulich ergänzt wurde. Die Architekten Marazzi + Paul haben an diesem attraktiven Ort ein Hotel-Gebäude geschaffen, das seinen Luxus nicht durch Prunk, sondern durch ausgesuchte, natürliche Materialien, feine Handwerksarbeit und hochwertige Architektur zeigen möchte. Besonders der Bezug zum Wasser ist hier in jedem Raum deutlich herausgearbeitet und macht den Aufenthalt im Hotel Alex Lake Zürich fast zu einem maritimen Erlebnis.

Die Stadt Zürich liegt bekanntlich idyllisch an der nördlichen Spitze des Zürichsees, dessen Ufer von hier aus in einem langen Bogen über 40 Kilometer weit verlaufen. Hier am Wasser hat es also viel wertvolle Fläche, entsprechend beliebt und dicht besiedelt ist die Uferkante meist. Direkt ans Wasser gebaut sind allerdings nicht viele Gebäude. Wie etwa das Hotel Alex Lake in Thalwil, das am westlichen Ufer nur wenige Kilometer von Zürich entfernt steht. Im Grunde gibt es kein anderes Gästehaus am Zürichsee, das so nah am Ufer steht. Dieser Umstand gründet auf Historie des Bauwerks, die sogar bis ins Jahr 1589 zurückreicht, als die Schützengesellschaft Thalwil an diesem Ort einen Schiessstand mit angegliedertem Gasthof «Schützenhaus» errichtete. 1836 kam eine Metzgerei mit Schlachthaus hinzu. Im Jahr 1952 wurden die Gebäude abgerissen, das Hotel Alexander (so der Name damals noch) eröffnete an derselben Stelle im Jahr 1958, ebenso direkt am Ufer.

Nach Jahrzehnten der Nutzung musste das Gebäude runderneuert werden. Der Betreiber des Hotels, die Campell Gray Hotelgruppe, die weitere Luxushotels etwa in Beirut oder Bahrain betreibt, suchte für die Umsetzung des Vorhabens bewusst nach Architekten aus der Umgebung, um auch die örtliche Bautradition zu unterstützen. Das Bauvorhaben beinhaltete die technische und architektonische Sanierung der bestehenden Strukturen sowie eine Aufstockung, um 44 Suiten und Penthouse-Lofts mit Grössen zwischen 34 und 60 Quadratmetern zu erhalten. Alle Zimmer sollten mit einer kleinen Küchenzeile ausgestattet sein, denn das Hotel Alex Lake soll auch von Longstay-Gästen genutzt werden können.

Maritime Ausstrahlung
Zuständig für die Gesamtplanung vom Entwurf bis zur Fertigstellung waren «Marazzi + Paul Architecture and Urban Design» aus Zürich. Ihr übergeordnetes Ziel war, den See und seine entspannende Wirkung so oft wie möglich in das Gebäude zu holen. Alle wichtigen Räume sind deshalb auf den See ausgerichtet, grosse Öffnungen lassen viel Licht in den Innenraum. Im Erdgeschoss befinden sich neben dem Empfang eine Bar sowie das öffentliche Restaurant «The Boat House», das sich quasi über das Wasser schiebt, mit fast raumhoher Verglasung an drei Seiten. Von der geschützten Aussenterrasse aus hat man einen herrlichen Blick auf den See. Die Fassade ist eine Kombination aus Stein- und Putzfassade, «fein gegliedert,» so die Architekten, «um dem Volumen die Wucht zu nehmen, aber auch, um an die grossen See-Villen vergangener Tage zu erinnern». Der Fassadenstein Travertin findet sich dabei vor allem im Sockelbereich, an den Fensterlaibungen sowie an horizontalen Gliederungsprofilen. Der Putz hat eine lebendige Struktur erhalten. Durch seine Gestalt erinnert das neue Haus an eine Schiffsästhetik, übersetzt in eine immobile Architektur.

Hochwertiges Handwerk
Vor allem im Innenraum kommt die Analogie zum Schiffbau, von den Architekten durchaus gewollt, zur Geltung. Für die Innenraumgestaltung wurde in einer späteren Projektphase in Zusammenarbeit mit dem Betreiber, dem Investor und den Architekten das Innenarchitekturbüro Brady Williams aus London ins Boot geholt, das sich hauptsächlich auf die Materialauswahl sowie die Konzeption der Möbel und Einbauten konzentrierte. «Die Herausforderung lag vor allem darin, die aussergewöhnlichen Oberflächen und Materialien konkret auf das Projekt, unter der Berücksichtigung der Schweizer Normen und Richtlinien, umzusetzen», erläutert Alfred Paul von Marazzi + Paul. Ein wichtiger Werkstoff im Entwurf ist das Holz: Alle Böden sind mit Eichenparkett und hohen Fussleisten versehen, bei den öffentlichen Bereichen wurden die Wände, teilweise auch die Decken mit aufwendigen Schreinerarbeiten verkleidet. Das Holz erzeugt im Innenraum durch seine natürliche Ausstrahlung eine Wärme, die durchaus ein Gegenpol zum omnipräsenten Wasser sein soll – und im Sommer zwar für eine wohltuende Atmosphäre sorgt, im Winter aber auch kalt und grau sein kann. Die meisten Möbel wurden speziell für dieses Projekt entworfen, auch einige Leuchten und Elemente wie die Garderoben und die Kleinküchen in den Zimmern.

In den öffentlichen Bereichen von Bar, Restaurant und Lobby entsteht eine Art modern interpretierter Art-Déco-Stil, vor allem durch die grafisch-anmutenden Designs und die Verwendung von bronzefarbenen Metallelementen, Marmor-Applikationen und einer lebhaften, aber nicht aufdringlichen Farbigkeit. Diese charakteristische Atmosphäre setzt sich in den Zimmern fort. Der Wellness-Bereich im Untergeschoss ist der Travertin-Stein, der sich auch an der Aussenfassade befindet, vorherrschend. Hier ist man eigentlich geschützt vor Blicken, jedoch bietet ein grosses Fenster hinter dem kleinen Pool einen Blick über die Wasseroberfläche des Zürichsees.

Energiesparende Technik
Eine Herausforderung für die Planer war neben der architektonischen auch die technische Aufrüstung des Gebäudes. Im Untergrund mussten aus statischen Gründen zusätzlich Pfähle anordnet werden, ausserdem war für das Bauen am Wasser hinsichtlich der Dichtigkeit der Untergeschossräume eine besondere Sorgfalt wichtig. Das galt auch für das vollautomatisierte Parksystem ohne Oberbau für 19 Autos, das zwar wenig Grundfläche beansprucht, dafür aber bis zu 20 Meter tief, also unterhalb des Wasserspiegels, in das Erdreich eindringt. Mit moderner Haustechnik ist es gelungen, für das gesamte Gebäude den Minergie-Standard zu erreichen. Teil des Systems ist auch die aktive Nutzung von Seewasser für die Gewinnung von Kälte wie auch Wärme.

Eine Suite im Hotel Alex gibt es derzeit ab rund 350 Franken pro Nacht, das Penthouse ab rund 600 Franken. Dafür erhält man hier direkt am Ufer der Zürichsees einen weiten Blick über das Wasser, mit der Stadt Zürich im Hintergrund, sowie im Haus eine entspannte Atmosphäre mit warmen Farben und stilvollen Formen, achtsam orchestriert von Marazzi + Paul Architekten aus Zürich, die die maritime Anmutung mit einem hohen Anspruch an Material, Form und Ausführung stimmig verknüpft haben.

Text: Thomas Geuder

Architekt/Planer

Marazzi + Paul Architekten AG


Drahtzugstrasse 18
8008 Zürich
043 818 21 40
Bauherr

Corim AG


c/o E. Wanger AG
Seestrasse 81
8803 Rüschlikon
043 244 20 10
Bauleiter

Coneco AG


Gartenhofstrasse 17
8004 Zürich
043 268 47 47
Landschaftsarchitekt

Atelier Verde AG


Wolleraustrasse 31
8807 Freienbach
055 415 00 80

Situation am Zürichsee Boutiquehotel Alex von Marazzi + Paul Architekten AG
Situation am Zürichsee
Längsschnitt Boutiquehotel Alex von Marazzi + Paul Architekten AG
Längsschnitt
Grundriss Boutiquehotel Alex von Marazzi + Paul Architekten AG
Grundriss