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Sportclub Josef
Josefstrasse, Zürich

  • Kategorie:
  • Anerkennung Next Generation
Kategorie:
Studentenentwürfe
Fertigstellung:
2015

Student


Universität / Fachhochschule

ETH Zürich
Stefano-Franscini-Platz 5
8093 Zürich ETH-Hönggerberg

Der Sportclub Josef wurde 2015 vom Bauamt der Stadt Zürich in Auftrag gegeben. Der sich auf öffentlichem Grund befindliche Komplex entstand aus einer Initiative verschiedener Stadtzürcher Sportvereine, welche sich mit der Nachfolgenutzung der ausrangierten Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) Josefstrasse auseinandersetzten und in Kollaboration einen kollektiven, öffentlichen Sportclub visionierten. Soweit sich seine Entwurfsgeschichte rekonstruieren lässt, wurde ein Architekturwettbewerb innerhalb der Sportclubs durchgeführt und der Entwurf eines einheimischen Architekten ausgewählt, der seitdem als sein Urheber gilt.
Das Grundstück liegt an einer delikaten Stelle entlang des Bahnviaduktes direkt gegenüber der Josefwiese, an der Grenze zwischen einem Wohnquartier des roten Zürichs und des in raschem Wandel begriffenen Industriequartiers Zürich West. Für den neuen Sportclub wurde ausschliesslich die südlich gelegene Betonstruktur und einige Stahltreppen der ehemaligen Kehrichtverbrennungsanlage weiterverwendet. Dieser Eingriff führte zu einer völligen Neukonzeption des gesamten Gebietes. Auf freier, gemeinschaftlicher Fläche gelegen und ans Viadukt angeschmiegt, sollte seine Signifikanz weithin sichtbar sein.
Die Architektur des Sportclubs ist als Zusammensetzung einer Reihe von Volumen nach dem Prinzip der Sichtbarmachung ihrer funktional-technischen Zweckbestimmung entwickelt. Dabei ist die rationale Organisation einzelner Funktionen und ihr wechselseitiger Zusammenhang nach aussen verkörpert und plastisch ablesbar. In der asymmetrischen Parkfassade spiegelt sich die funktional-konstruktive Aufgliederung des in sich differenzierten Baukörpers. Die nahezu kubofuturistisch wirkende Staffelung der Fassadenflächen bildet einen starken Kontrast zu der Volumetrie der ehemaligen KVA. Sie sind in einfachen geometrischen Formen gehalten, zusammengesetzt aus einem System von unterschiedlichen Elementen, gegliedert in Vor- und Rücksprünge mit für jedermann begehbaren Galerien, Balkonen und Terrassen mit Sportplätzen, die im Sommer für Clubveranstaltungen genutzt werden können. Diese Aufenthaltsmöglichkeiten erlauben partielle Sichtbezüge mit dem Inneren, welche die Aufhebung der Trennung zwischen dem Strassenleben und dem Clubleben herausbilden und die gesellschaftliche Bedeutung des Kollektiven im Rahmen der Stadtteilkultur verankern sollte - der Sportclub als Zentrum der sozialräumlichen Stadtstruktur. An der Fassade wird dadurch ein formales Spiel von Volumen und Flächen erzeugt, eine Komposition bei der die tektonischen Lösungen als formbildende Konstruktionen eingesetzt sind. An der Nord- und Ostfassade ragen vertikale und horizonale Vorsprünge über die Baufluchtline des Erdgeschosses hinaus. Die horizontale Bewegung der gestaffelten Volumen wurde durch die Vertikale der erhöhten Elemente, insbesondere des ehemaligen Kamins, aufgebrochen. Eine im Entwurf vorgesehene Aussenbeleuchtung, die die Signalwirkung des Sportclubs noch unterstrichen hätte, wurde jedoch als “zu kommerziell” abgelehnt, sodass anstelle der Leuchtreklame ein Schriftzug mit der Bezeichnung des Clubs angebracht wurde.
Die in der Ansicht asymmetrische und komplex strukturierte Grossform wirkt im Grundriss kompakt. Der Haupteingang befindet sich strassenbündig im Bestand der ehemaligen Kehrichtverbrennungsanlage. Man erreicht das grosse Foyer über den alten Schlackebunker, nachdem man im Portikus seine Eintrittskarte erlangte. Die Wände des Foyers sind mit suprematistischen Ornamenten, einer Kombination aus schwarzen Quadraten und roten Dreiecken ausgestattet, die Inneneinrichtung besteht aus einem Sortiment aller möglichen Sachen, angefangen bei “amerikanischen” Möbeln bis hin zu weichen, gemütlichen Sofas. Eine künstlerische Ausstattung im Club gibt es nicht, wahrscheinlich weil dies von den Mitgliedern des Kollektivs einhellig abgelehnt wurde. An der Stirnseite des Foyers schwingt sich eine halbrunde Paradetreppe auf die zwei Ebenen der Garderoben, von wo aus die Sportler und Sportlerinnen zur zentralen Treppenhalle im Kamin geleitet werden. Dieses Raumkonzept garantiert ein einfaches Bewegungsdiagramm und dadurch klare Bewegungsabläufe der Sportler zu den verschiedenen Sportsektoren. Der Zugang zu den einzelnen Funktionskörpern führt meist über ein geräumiges Vestibül, das sich an den Treppenraum andockt. Die Architektur des Clubs ist als räumliche Komposition nach dem Vorbild des Pavillontyps entworfen. Einzelne Räume sind entsprechend dem Prinzip der rationellen Organisation des funktionellen Ablaufs miteinander verbunden. Bei der Aussenansicht sind die unterschiedlichen Formen und Abmessungen der einzelnen Innenräume deutlich sichtbar und beeinflussen die repräsentative Ausstrahlung des Gebäudes massgeblich.



Grundriss Erdgeschoss

Grundriss Obergeschoss 1

Grundriss Obergeschoss 2

Ansicht Josefwiese

Ansicht Josefstrasse

Längsschnitt